08.06.14 - "Shkodrans Vater war am Samstagvormittag gerade bei einem Juniorenspiel seines kleineren Sohnes Adrian beim JFV Aulatal in Oberaula als plötzlich sein Handy klingelte", erzählt Dirk Wahl, gleichzeitig erster Vorsitzender des 1. FV Bebra. Am anderen Ende der Leitung war sein Sohn Skhodran und teilte seinem Vater mit, dass er doch mit zur WM nach Brasilien fährt. (siehe auch Extra-Artikel von osthessen-news.de)"Die Freude war natürlich riesig. Er hatte förmlich Gänsehaut", sagte Wahl, der selbst in Oberaula dabei war und die erfreuliche Nachricht "live" mitbekommen hat. Kujtim fuhr dann nach Hause, holte seinen Sohn, schnell die Sachen gepackt und nur wenige Stunden später trafen die Mustafis am Hotel der Nationalmannschaft in Mainz ein. Am späten Abend bereits geht der Flieger nach Brasilien.
"Als aller Erstes tut es mir sehr leid für Marco, dass er sich nach so einer Bomben-Saison kurz vor der WM verletzt hat und ich wünsche ihm eine schnelle und gute Besserung...!!! Natürlich freue ich mich aber riesig, dass der Bundestrainer mich nachnominiert hat und über das Vertrauen, was er mir hiermit beweist!!! Ich danke natürlich auch allen, die mich immer unterstützen...Danke euch !!!!", schrieb Shkodran Mustafi am Nachmittag auf seiner Facebook-Seite an seine Fans.
Die Nachricht der Nachnominierung in den WM-Kader der deutschen Fußball-Nationalmannschaft verbreitete sich in Mustafis Heimatstadt Bebra wie ein Lauffeuer. "Ich bin von dieser Nachricht geweckt worden. Unsere Familie ist dann ganz schnell zusammen gekommen und hat Shkodran gratuliert und ihm alles Gute gewünscht", erzählte später sein Cousin Lulzim am Sportplatz in Bebra. Dort spielten am Nachmittag die Seniorenmannschaften. Dass ihr "Musti" - so der Spitzname von Shkodran - doch noch mit zur WM darf, macht die Menschen in der Eisenbahnerstadt Bebra natürlich stolz.
"Er ist ein guter Junge, wir freuen uns alle für ihn. Ganz Bebra ist überrascht und stolz", erzählte sein Nachbar. Bis zu den C-Junioren hat er bei seinem Heimatverein in Bebra gespielt. Anschließend ging es über Rotenburg an der Fulda, dem Hamburger SV, FC Everton nach Sampdoria Genua. Dort packte er den Sprung in der Stammelf des Serie A-Klubs und damit auch in den Notizblock der Nationalmannschaft. Seine Berufung in den erweiterten Kader und ins Vorbereitungs-Trainingslager nach Südtirol war bereits ein Erfolg. In den endgültigen WM-Kader wurde Mustafi zunächst nicht berufen. Nach der Verletzung des Dortmunders Marco Reus beim Testspiel am Freitagabend entschied sich Löw dann am Samstagmorgen für Mustafi als Nachrücker.
Die Fußball-Fans in Bebra dachten aber auch an den gebeutelten und natürlich arg enttäuschten Marco Reus. "Das ist schade für ihn. Er hätte es verdient gehabt, mit nach Brasilien zu fahren. Wir wünschen ihm natürlich gute Besserung", so der einheitliche Tenor unter den Zuschauern in der Biberkampfbahn. Doch so hart es klingen mag, solche Verletzungen passieren im Fußball. Die Euphorie zur Weltmeisterschaft, die am kommenden Donnerstag beginnt, ist in Bebra jetzt natürlich noch größer. "Wir fiebern den Spielen der deutschen Nationalmannschaft entgegen und freuen uns jetzt noch mehr darauf", sagte Mustafis Cousin.
Euphorie und Public Viewing in Bebra
"Das ist eine Super-Sache für Shkodran und natürlich auch für Bebra. Wir sind heute in aller Munde", sagte Bebras ehemaliger Bürgermeister Horst Groß gegenüber osthessen-news.de. Zahlreiche nationale Medien hätten bereits angerufen und wollten sich über Mustafi und seine Heimat informieren. Wer ist dieser Mustafi?, fragten heute viele - etwa die Bild-Zeitung. In Bebra kennen sie ihn schon lange Jahre. Er ist einer von ihnen, der so oft es geht, bei seinem Heimatverein vorbeischaut. Er ist der nette Junge und guter Kumpel von nebenan. In den nächsten Wochen werden sie ihn jedoch "nur" am Fernseher sehen können - im Trikot der deutschen Fußballnationalmannschaft bei der Fußball-WM in Brasilien. (Hans-Hubertus Braune) +++