PETERSBERG
LAUFSPORT
Jörg KIEL startet beim Berliner Mauerweglauf über 100 Meilen
05.08.14 - Der Petersberger Langstreckenläufer Jörg Kiel (Team www.jk-traumhaus.de) geht am übernächsten Samstag, 16. August bei einer geschichtsträchtigen Ultralaufveranstaltung an den Start – dem Mauerweglauf durch die deutsche Hauptstadt über 100 Meilen, was 161 Kilometern entspricht. Und das ganze nonstop im Laufschritt.
In diesem Jahr jährt sich der Fall der Mauer zum 25. Mal - der Mauerweglauf, der sich mittlerweile mit starkem internationalem Teilnehmerfeld in der Riege der namhaften Ultraläufe etabliert hat, will erneut an dieses Ereignis auf sportliche Weise erinnern. Und wie es der Name schon sagt: Gelaufen wird auf dem Mauerweg, der mit vielen Mahnmalen und Gedenkstätten an das Leid der Opfer der Berliner Teilung erinnert. Er führt rund um das westliche Berlin und verläuft überwiegend genau dort, wo einst die Mauer stand. Das Zeitlimit für das Absolvieren dieser gewaltigen Distanz beträgt 30 Stunden. Für Jörg Kiel ist es nach sechs mit gutem Erfolg absolvierten Marathons mit einer bisherigen persönlichen Bestzeit von 2:55:52 Stunden und drei 50 km-Ultramarathons das erste Rennen über eine dreistellige Kilometer-Distanz.
Warum macht man so etwas? „Als leistungsorientierter Sportler sucht man nach einem halben Dutzend erfolgreich gefinishter Marathonläufe mit ständiger Bestzeitenjagd irgendwann nach neuen oder auch anderen Herausforderungen“, erklärt Kiel. „Aber mein Hauptgrund zur Teilnahme ist ein ideeler. Ich möchte mit meiner Teilnahme aufmerksam machen und die Botschaft dieses Laufes verbreiten - nämlich, dass es einmal eine menschenverachtende Grenze gab, die es so nie wieder geben darf und die viele Menschen ihr Leben, ihre Freiheit und ihre Lebensqualität gekostet hat. Der Fall des eisernen Vorhangs ist jetzt erst ein Vierteljahrhundert her und das Thema findet heutzutage leider nur noch erstaunlich wenig Beachtung. Sei es in unserem täglichen Bewusstsein, im Geschichtsunterricht unserer Kinder oder anderweitig im Alltag. Mich berührt diese Geschichte nach wie vor noch tagtäglich. Zum einen weil ich als Kind nur etwa 25 km von der ehemaligen "Zonengrenze" aufgewachsen bin und die beängstigende Grenzanlage ständig in Augenschein hatte. Zum anderen, weil ich als in den alten Bundesländern geborener mit einer Partnerin aus den neuen Bundesländern verheiratet bin und somit das Thema für uns und unsere Kinder immer allgegenwärtig bleiben wird. Viele unserer Nachkommen haben keinen Bezug mehr zu dieser Vergangenheit und können sich gar nicht vorstellen, dass wir mal in zwei Ländern nebeneinander gelebt haben - mit allen daraus resultierenden Begleiterscheinungen. Mit unserem Sport haben wir zwar nur eine kleine, aber dennoch wirksame Möglichkeit, zu dieser Bewusstseinsbildung beizutragen.“
Der Petersberger versteht, dass ihn manche Menschen als „verrückt“ ansehen. „Ein Marathonlauf (42,195 km) ist ja für viele schon eine gewaltige Distanz. Aber bei der Vorstellung an fast vier Marathons nonstop hintereinander ist ein Kopfschütteln eines Unbeteiligten durchaus nachvollziehbar“, schmunzelt er. „Das Schwierigste war die Gewöhnung an das vergleichsweise langsamere Tempo und natürlich das mentale Verarbeiten dieser langen Distanzen“, erklärt Kiel weiter. „Da sich meine Erfahrung über die Marathondistanz hinaus in Grenzen hielt, habe ich vor ein paar Wochen erstmal einen 100 km-Lauf zum Test absolviert. Seitdem weiss ich: orthopädisch ist das machbar, aber das Finishen einer solchen Strecke ist nur mit mentaler Stärke und enormer Willenskraft möglich. Darauf wird es ankommen.“
Insgesamt gehen 300 „Verrückte“ in Berlin an den Start, davon eine große Anzahl ausländischer Teilnehmer aus aller Welt. „Grenzenlos laufen“ trifft damit auf besondere Art und Weise zu. Wir werden berichten, wie das Abenteuer ausgegangen ist. +++