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17.11.15 - FULDA

Müllkontrolle beim Flüchtlingsheim ?

Klamotten und Kuscheltiere im Müll hatten anrüchigen Grund

Am Freitagnachmittag bekam die Redaktion von OSTHESSEN|NEWS den Anruf einer offensichtlich aufgebrachten Frau aus Fulda. Sie beschwerte sich in zum Teil üblen Vorwürfen darüber, dass "die Asylanten" unsere Willkommenskultur nicht wert seien und endlich Schluss damit sein müsse, "denen alles zu schenken". Dass "die" das gar nicht verdient hätten, könne man gerade deutlich in Horas in der Niesiger Straße am dortigen Flüchtlingsheim sehen. Dort, so behauptete die empörte Anruferin, würden die Müllcontainer überquellen, weil sie mit Klamotten und Kuscheltieren vollgestopft seien. "Ich lebe von Hartz IV und habe keine Kuscheltiere für meine Kinder", äußerte die Frau und beschimpfte die ihrer Meinung nach undankbaren Flüchtlinge. Ein Reporter von O|N solle umgehend in die Niesiger Straße kommen, um den Müll zu fotografieren und über die ihrer Meinung nach unhaltbaren Zustände zu berichten. 

Die Redakteurin wies die rassistischen Äußerungen dezidiert zurück und erklärte, den erhobenen Vorwürfen der Verschwendung von gespendeten Kleidungsstücken und Kuscheltieren nachzugehen. Im übrigen herrsche hierzulande definitiv kein Mangel an Kuscheltieren, man könne gerne organisieren, dass sie welche für ihre offenbar bedürftigen Kinder bekomme.

Auf die Frage, wie sie denn überhaupt auf die Idee gekommen sei, den Müll der Unterkunft einer persönlichen Kontrolle zu unterziehen, erklärte die Anruferin wahrheitswidrig, die Tonnen hätten offen vor dem Haus gestanden und seien übergequollen. Das sei ihr beim zufälligen Vorbeikommen aufgefallen und sie wolle die Öffentlichkeit unbedingt darüber in Kenntnis setzen.

Ein Anruf bei der AWO brachte am Freitagnachmittag zunächst keine wesentlichen Erkenntnisse. Eine entsprechende Anfrage bei Christa Zella-Niebuhr, die für die Verwaltung des Hauses zuständig ist, konnte aber den Hintergrund der Geschichte mittlerweile beleuchten. Sie bestätigte, dass tatsächlich Kleidung und Stofftiere im Container entsorgt worden seien. Man habe im Heim nämlich einen Wasserschaden gehabt und es habe die Fäkalien nach oben durch die Rohre gedrückt. Deshalb habe man die kontaminierten Sachen entsorgen müssen. "Waschen war keine Option, die waren definitiv nicht mehr zu verwenden", klärt Frau Zella-Niebuhr den Sachverhalt auf. 

Über die Tatsache, dass am Freitag eine Frau die Mülltonnen, die in einem gesonderten Areal hinter dem Haus stünden, einzeln geöffnet, untersucht und den Inhalt fotografiert habe, war die Heimleitung bereits informiert. Bewohner hatten die Frau bei ihrer Kontrolle beobachtet und darüber berichtet. "Hier leben rund 100 Menschen aus sechs Nationen friedlich unter einem Dach, es gab bisher keinerlei Grund zur Beanstandung und wir hatten noch nie einen Polizeieinsatz", stellt sie klar. "Die Leute hier sind dankbar für die Unterkunft und alles, was sie bekommen. Kürzlich wollte mir ein Mädchen, dem wir ein Fahrrad für den Schulbesuch besorgt haben, gar die Füße küssen", erzählt sie. Dringend benötigt würde ehrenamtliche Hilfe. "Vielleicht kann sich die Frau, die als Hartz IV-Empfängerin ja sicher viel Zeit hat, bei uns für die Flüchtlinge engagieren. Das würde sie ganz schnell davon überzeugen, dass hier niemand undankbar ist."+++ci




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