9 Postkarten, die Elisabeth Schmitz in den Jahren 1915 bis 1936 erhalten hat

24.02.16 - HANAU

Schenkung an die Stadt

Postkarten an Hanaus stille Heldin Elisabeth SCHMITZ

Am Rande der Jubiläumsfeierlichkeiten zu "125 Jahre Verein der Briefmarkensammler Hanau 1890 e.V." sorgte Mitglied Klaus Lindenau vergangenes Wochenende für eine große Überraschung. Er schenkte Oberbürgermeister Claus Kaminsky 19 Postkarten, die Elisabeth Schmitz in den Jahren 1915 bis 1936 erhalten hatte. Lindenau hatte das Konvolut vor einigen Jahren aus dem Nachlass eines Sammlers im Kinzigtal erwerben können. Kulturdezernent Kaminsky lobte das Engagement Lindenaus ausdrücklich: "Mit Ihrer Schenkung erhalten wir weitere interessante persönliche Einblicke in das Leben der ´stillen Hanauer Heldin'". Lindenaus achtsamen Augen sei es zu verdanken, dass diese Erinnerungen an Elisabeth Schmitz nicht unwiederbringlich verloren ginge.

Dr. Elisabeth Schmitz (+ 1893 in Hanau, + 1977 in Offenbach), zählt zu den geachtetsten Töchtern der Brüder-Grimm-Stadt. Sie wurde 2011 posthum auf Antrag der Stadt Hanau und des Hanauer Geschichtsvereins zur "Gerechten der Völker" ernannt. 1935/36 hatte sie die aufrüttelnde Denkschrift "Zur Lage der deutschen Nichtarier" gegen die Judenverfolgung geschrieben, die leider in kirchlichen und politischen Kreisen wirkungslos blieb und auch nach dem Zweiten Weltkrieg lange Jahre einer anderen Autorin zugeschrieben wurde. Als Mitglied der Bekennenden Kirche rettete sie nachweislich aktiv mehreren Jüdinnen und Juden im sogenannten Dritten Reich das Leben, weshalb ihr die höchste Ehrung, die der Staat Israel an Nichtjuden vergibt, zugesprochen wurde. Bereits 2005 wurde der Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime ein Ehrengrab auf dem Hanauer Hauptfriedhof und 2009 ein Hanauer Straßenname gewidmet. Auch tragen die Elisabeth-Schmitz-Schule und die Bibliothek der Karl-Rehbein-Schule ihren Namen. Zudem sind inzwischen etliche Veröffentlichungen über ihr Leben und Werk erschienen.

Oberbürgermeister Claus Kaminsky, Schenker Klaus ...


17 Postkarten wurden von ihrer Freundin Helene, ihren Eltern und ihrer Schwester Maria an Elisabeth Schmitz und ihre Schwester Bertha an deren Studien- bzw. Berufsorte Bonn (Baumschulallee) und Berlin (Christliches Hospiz in der Auguststraße 82 und Luisenstraße 67 III) geschickt. Sie behandeln Dinge des Alltags: Informationen über Besuche, Ankäufe, Paketsendungen zu Weihnachten, Freunde und Bekannte, Reisen und Krankheiten des Vaters. Im Konvolut enthalten ist noch eine Karte von Pfarrer Karl Westendorf aus Bergen und der Gemeindebrief der Wallonisch-Niederländischen Gemeinde an Schmitz aus dem Jahre 1947. Die Schenkung wurde an das Stadtarchiv Hanau im Kulturforum weitergegeben und steht damit der weiteren Schmitz-Forschung zur Verfügung. +++




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