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FULDAUnchristliche Wahlwerbung der AfD

Martin Hohmanns Auslegung des "Nächsten" stößt auf Kritik des Bistums

07.09.17 - Der Fuldaer AfD-Bundestagskandidat Martin Hohman polarisiert - das ist nichts Neues und wohl auch kalkuliert. Sein übers Internet verbreitetes Wahlwerbebanner "Meine Nächsten sind nicht die jungen Männer aus Afrika", in dem der bekennende Katholik erklärt, wen er seiner Nächstenliebe für würdig befindet, ist eine ganz eigene Provokation für seine Mitchristen. Hohmann ist in seiner katholischen Kirchengemeinde in Neuhof im Pfarrgemeinderat und stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender aktiv. Das Plakat und seine wenig barmherzige Botschaft - und das alles mit der Neuhofer Michaelskirche als Hintergrund - stößt aber auf massive Kritik beim Bistum Fulda.

Auf Anfrage von OSTHESSEN|NEWS äußert sich das Bistum wie folgt: "Aufgrund verschiedener Anfragen zum Wahlplakat des AfD-Kandidaten Martin Hohmann nimmt das Bistum wie folgt Stellung: Die Verantwortung für Publikationen zur Wahl liegt bei den jeweiligen Parteien. Diese sind an das Grundgesetz und die allgemeinen rechtlichen Vorschriften gebunden. Darin, dass sich Herr Hohmann vor der Michaelskirche in Neuhof hat fotografieren lassen, ist noch kein Rechtsverstoß zu erkennen. Aus kirchlicher Sicht allerdings wirft ein solches Plakat erhebliche Probleme auf.

Grundsätzlich ist die Kirche überparteilich. Wenn allerdings AfD-Politiker den Eindruck zu erwecken suchen, dass die Kirche hinter ihnen stehe, muss deutlich gesagt werden, dass es zwischen den Aussagen führender AfD-Politiker und der Kirche deutliche Unterschiede gibt, so zum Beispiel in der Flüchtlingspolitik. Dazu sagte Generalvikar Prof. Gerhard Stanke: „Wer Menschen wegen ihrer Hautfarbe oder Nationalität nicht als Nächste ansieht, stellt sich in Widerspruch zur Heiligen Schrift. Im Alten Testament wird wiederholt gesagt, dass Gott ein Anwalt der Fremden ist. Jesus hat in seiner Botschaft die Engführung des Nächsten auf die Angehörigen des eigenen Volkes gesprengt. Für jeden Menschen, der in Not ist, sollen wir uns als Nächste erweisen."

Überdeutlich werde dies in dem Jesuwort, das im Matthäusevangelium Kapitel 25, Vers 35ff zu finden ist: „Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen.“

Kardinal Marx gegen Scharfmacher und Fundamentalisten

Auch für die Deutschen Bischöfe hat sich deren Vorsitzender Kardinal Reinhard Marx bereits am Ende der Frühjahrstagung in Bergisch Gladbach im März 2017 deutlich geäußert. Ohne die AfD stigmatisieren zu wollen, distanzieren sich die Deutschen Bischöfe „klar vom populistischen Vorgehen und vielen inhaltlichen Haltungen der Partei. Das Schüren von Fremdenfeindlichkeit, von Ängsten gegen Überfremdung, von einseitiger Betonung nationaler Interessen" seien mit einer christlichen Perspektive nicht vereinbar. Für Christen gebe es in der politischen Debatte „rote Linien“. Als Beispiele nannte Marx "Ausländerfeindlichkeit, Verunglimpfung anderer Religionsgemeinschaften, die Überhöhung der eigenen Nation, Rassismus, Antisemitismus, Gleichgültigkeit gegenüber der Armut in der Welt, aber auch eine abschätzige oder feindselige Art und Weise miteinander zu reden." Kardinal Marx betonte, Christen dürften nicht den Stil von Scharfmachern und Fundamentalisten übernehmen.

Diese erfreulich klare Botschaft hindert die AfD nicht daran, weiter Stimmung gegen Flüchtlinge - und mittlerweile auch gegen die Kirche zu machen. Die Abschaffung der Kirchensteuer, die ins AfD-Parteiprogramm aufgenommen werden sollte, wurde zwar gekippt, nicht aber die Forderung "die Bezahlung von Kirchenrepräsentanten wie Bischöfen" aus Steuermitteln abzuschaffen. Der niedersächsische AfD-Landesvorsitzende Armin-Paul Hampel hat als Reaktion auf die Proteste der Kirchen gegen die AfD die christlichen Parteimitglieder dazu aufgefordert, aus der Kirche auszutreten. Sein Argument: die Kirche vertrete das Christentum nicht mehr. (Carla Ihle-Becker)+++


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