Einen Namen machten sie sich einst beim FC 05, mittlerweile sind sie längst so etwas wie TSV-Urgesteine. Nichts bietet sich vor dem großen Fußball-Bayernligaderby am Samstag in Schweinfurt mehr an, als im Vorfeld ein Interview zu führen mit den beiden Großbardorfern Oliver Kröner und Thorsten Seufert. Der eine, Kröner, stammt aus Schonungen bei Schweinfurt, kam vor drei Jahren nach einiger Zeit beim VfL Frohnlach ins Grabfeld. Der andere, Seufert, ist ein Sander, kommt also aus den Haßbergen, und wechselte vergangenen Sommer vom FC Bad Kissingen zurück zum TSV.
Seufert ist 33 Jahre alt, verheiratet, arbeitet in Grafenrheinfeld bei Schweinfurt als Indusriekaufmann, wohnt aber in Strahlungen. Zwischen 2000 und 2002 spielte er für den SSV Reutlingen und beim FC 05 im Profifußball. Bei den Schnüdeln absolvierte er von 1989 bis 1991 die B-Jugend und gehörte bis auf eine kleine Unterbrechung von 1996 bis 2003 dem Kader an. Die meiste Zeit seiner Karriere war er Mittelstürmer, seit einigen Jahren agiert er verstärkt auf der Außenbahn und nun in Großbardorf meistens in der Viererkette mit vielen defensiven Aufgaben verbunden.
Kröner ist bereits 34, ledig, arbeitet derzeit in Moosach im Münchner Nordwesten als Hauptschullehrer. 1996 verließ er den FC 05 und wechselte zu Fortuna Düsseldorf in die Bundesliga, wo er mit der Rückennummer 10 einige Partien bestritt. Die nächste Station war Weismain, ehe er wieder nach Schweinfurt zurückkehrte, ehe er ausgerechnet über Seuferte Heimatverein FC Sand in Frohnlach landete, wo er in drei Spielzeiten am Ende sogar die Kapitänsbinde trug.
Wir stellten beiden Spielern ein paar Fragen:
Welche Bedeutung hat das Derby für Euch am Samstag?
Kröner: Schon eine große, klar. Ich erinnere mich gerne an die Zeit in Schweinfurt.
Seufert: Es ist ein Spiel wie jedes andere, nur dass wir vorher nicht stundenlang im Bus sitzen...
Welchen Bezug habt ihr noch zum FC 05?
Kröner: Weil ich ja eigentlich noch in Schweinfurt lebe, ist das schon etwas Besonders, wenn man als Gast da hinfährt. Schließlich habe ich ja für den FC 05 einst noch als A-Jugendlicher gegen Vestenbergsgreuth mein erstes Bayernligator erzielt.
Seufert: Das war der Verein, bei dem ich sportlich meine erfolgreichste Zeit verbracht habe!
Als 2004 die Großbardorfer im September in Schweinfurt mit 0:3 unterlagen, da habt ihr gerade sportlich was gemacht?
Kröner: Ich war in Frohnlach.
Seufert: keine Ahnung ;o)
....und Euch damals weder für den FC 05 oder für Großbardorf sonderlich interessiert?
Kröner: Nicht wirklich.
Seufert: Doch, klar!!!
Warum steht der TSV derzeit so viel besser da als der FC 05?
Kröner: Weil wir im Moment ein ganz hervorragendes Torverhältnis haben mit der besten Abwehr. Wir arbeiten defensiv sehr gut. Das ist der Schlüssel zum Erfolg in der Liga.
Seufert: Weil der TSV eine über Jahre gewachsene Mannschaft hat!
Was macht man Eurer Meinung nach in Schweinfurt derzeit falsch?
Kröner: Dafür bin ich zu weit weg, da müsste ich in den Verein hinein schauen können.
Seufert: Um über Schweinfurt urteilen zu können, fehlt mir auch der nötige Einblick.
Kann der TSV am Samstag seinen Höhenflug fortsetzen? Wie muss man auftreten, um in Schweinfurt zu bestehen, vielleicht sogar zu gewinnen?
Kröner: In erster Linie müssen wir hinten wieder zu Null spielen. Alees, was dann darüber hinaus geht, würde uns glücklich machen. Klar ist: Wir spielen auf Sieg.
Seufert: Wir müssen einfach genau so spielen wie im bisherigen Saisonverlauf!
War es mal irgendwann ein Thema, zu den Schnüdeln zurückzukehren?
Kröner: Ja, als ich Frohnlach verlasen habe, gab es Kontakte. Aber die Argumente, was man hier in Großbardorf erreichen möchte, haben mir besser gefallen.
Seufert: Nein
Ihr seid beide bereits über 30. Wie lange wollt ihr noch auf dem Niveau spielen?
Seufert: Solange ich die dafür nötige Leistung abrufen kann.
Reizt es, nochmals weiter oben Fuß zu fassen?
Kröner: Ich konzentriere mich auf meinen Job, habe da viel zu tun. Der Reiz einer höheren Liga ist zwar immer da, aber ich bin schon 34, sehe das realistisch.
Seufert: Nein, dafür sind Beruf und Familie zu wichtig für mich.
Wie geht´s aus am Samstag - und werden die FC-Fans danach trauern müssen, dass ein Oliver Kröner / Thorsten Seufert nicht mehr für Schweinfurt spielt?
Kröner: Weiß nicht. Ich bin gespannt, wie die Fans reagieren, lasse mich überraschen. Jedenfalls freue ich mich auf das Spiel, weil ich gerne im Willy-Sachs-Stadion bin.
Seufert: Ich hoffe natürlich, wir gewinnen...
Thorsten, wann wurde klar, dass Du nach Großbardorf zurückkommst?
Seufert: Im Mai diesen Jahres.
Hatte nicht Dein Strahlunger Nachbar Jürgen Hein gebaggert, damit Du öfters mal bei ihm in der Reserve spielst?
Seufert: Im Scherz vielleicht...
Nach der langen Zeit BOL: War es eine große Umstellung zwei Ligen höher?
Seufert: Ich hab ja lange genug auf diesem Nivau gespielt, von daher nicht.
Wo landen die Bad Kisisnger heuer?
Seufert: Ich hoffe nicht, dass sie absteigen...
Wie und wo trainierst Du unter der Woche?
Kröner: Zwei Mal pro Woche halte ich mich bei einer Mannschaft in München auf einem guten Niveau fit.
Ist das fehlende Training in Großbardorf ein Problem?
Kröner: Im Moment sicher nicht, weil der Erfolg ja da ist. Schwer zu bewerten, wie das sein könnte, falls wir mal keinen mehr haben. Bislang kann ich mich nahtlos einfügen und es macht immer Riesenspaß, wenn ich zurückkomme.
Wie lange wirst Du im Münchner Raum bleiben?
Kröner: Ich versuche, so schnell wie möglich zurück nach Unterfranken zu kommen, stelle schon Versetzungsanträge.
Gab es mal den Gedanken, sich dort unten einen Verein zu suchen?
Kröner: Eigentlich nicht, nein. Weil ich mich sportlich in Großbardorf wohl fühle und zweitens die Tendenz eh dahingeht, dass ich bald auch beruflich wieder nach Hause komme. +++