Stuntman Dirk Auer, der spontan für Giovane Elber eingesprungen ist, entwickelt sich zum Geheimfavoriten. Der Brasilianer hingegen, hat endgültig abgesagt. Am Montagabend begeisterte er noch Teilnehmer und Crew der Fulda Challenge mit einer spektakulären Fahrt auf seinem düsenbetriebenen Bobby Car über den zugefrorenen Yukon River, am nächsten Morgen sorgte er dann für die Sensation: Dirk Auer erzielte mit Abstand die Bestzeit beim Eisschnelllauf und schlug dabei sogar die mehrfache Weltmeisterin und Weltrekordlerin Monique Gabrecht-Enfeld.
Das Event fand in Carmacks statt, vier wunderschöne Autostunden von Dawson City Richtung Whitehorse entfernt. "Der Sonnenaufgang war klasse. Und dann die bizarre Landschaft mit den zugefrorenen Seen und Flüsse - einfach toll. Hier ist wirklich der Weg das Ziel." meinte Fredi Bobic. Seine gute Laune ließ er sich auch nicht durch den letzten Platz beim Eisschnelllauf vermissen, sondern war einfach nur froh, nicht gestürzt zu sein. Auch Frank Busemann wirkte auf den Kufen ziemlich unsicher, doch mit einer starken kämpferischen Leistung eroberte er noch Rang Vier und war damit nur 2,5 Sekunden als der zweitplatzierte Benjamin Hartmann und eine Sekunde hinter dem Dritten Stephan Bunse.
Bei den Frauen siegte erwartungsgemäß Gabrecht-Enfeld. Nicht nur ihre Zeit, sondern auch ihr perfekter und eleganter Laufstil begeisterte. Doch um die Chancengleichheit zu wahren, musste sie wie alle anderen auf Eishockeyschlittschuhen starten. "Ich konnte so nur maximal 80 Prozent meines Potentials zeigen." meinte die zweifache Olympia-Medaillengewinnerin. Zudem kam ihr das enge Eishockeyfeld in Carmacks ihre Eisschnelllauftechnik nicht entgegen. Denn sie musste eine weite Linie fahren, um in den Kurven die Kufen umsetzen zu können. Dirk Auer hingegen legte weniger Strecke pro Runde zurück: "Ich bin sehr weit innen gefahren und habe dann auf den Geraden voll Power gegeben." So lag der Stuntman, der auf Rollerblades mehrere Weltrekorde hält, am Ende sensationell 4,5 Sekunden vor der Eisschnellläuferin.
Auch beim abendlichen Draisinenrennen war die Technik entscheidend. Nur die Teams, die an der Hebelstange des Schienenfahrzeuges gleichmäßig und vor allem auch gleichzeitig drückten und zogen, konnten ihre Kraft auch in Vortrieb umwandeln. Die Teams, die zu ruckartig an der Stange rissen, wurden mit durchdrehenden Rädern auf den eisglatten Schienen bestraft. Frank Busemann und Daniela Martens hatten beides: Die richtige Technik und dazu noch die Power. Wie bei einem Ruderwettkampf rief der Ex-Zehnkämpfer seiner Teamkollegin die Kommandos zu. Das Resultat: Mit 1,52 Minuten erlangten sie die absolute Bestzeit. Dirk Auer und Christine Braun folgten mit einem Respektabstand von 16 Sekunden, während das dritte Team, die Kanadier Jeff Alfonsi und Leigh Ann Nevermann, nochmals 32 Sekunden einbüßte.
Mit Platz Eins und Platz Zwei wurde Dirk Auer der Tagessieger. Giované Elber hingegen hat endgültig abgesagt, Nachdem zuerst Visa-Probleme seinen rechtzeitigen Start verhindert haben, hatte er heute aufgrund einer Verspätung seiner Maschine den Anschlussflug verpasst. Da er dadurch erst am vierten Wettbewerbstag hätte antreten können, verzichtet er jetzt komplett auf die Teilnahme.
Stimmen zum Wettkampftag:
Fredi Bobic: "Ich fahre sonst nur mit meinen Kindern Schlittschuh. Bin daher heilfroh, nicht gestürzt zu sein. Das Draisinen-Rennen fand ich blöd. Wir fahren ziemlich schnell unterwegs, aber dann kamen wird an der einen glatten Stelle gar nicht mehr vom Platz. Ich glaube, das hatte auch viel mit Glück zu tun. Dafür freue ich mich auf das Eisklettern, da kann ich endlich mal meine Kraft einsetzen,"
Benjamin Hartmann: "Ich war vor der Challenge nur dreimal auf der Schlittschuhbahn. Dass ich heute Zweiter wurde, hat mich selbst überrascht. Doch durch die hohe Belastung gingen bei mir die Laktatwerte durch die Decke, so dass mir nach dem Ziel kurz schlecht wurde. Beim Draisinen-Rennen sind wir am Anfang nicht vom Platz gekommen und bei der Wende haben wir das Ding nicht rechtzeitig stoppen können. Aber man muss ja auch nicht alles können."
Stephan Bunse: "Ich weiß gar nicht, wann ich vor der Challenge zuletzt auf Kufen stand. Von der Anstrengung her, kam man das mit Ausdauer-Disziplinen nicht vergleichen. Hier muss Du kurzzeitig über den Limit gehen - das ist ganz schön anstrengend. Draisinen kannte ich bisher nur aus Western - ich fand das ganz schön lustig."
Daniela Martens: "Ich bin mit meiner Leistung beim Eisschnelllauf total zufrieden. Am Anfang, war ich voller Panik zu stürzen. Mir tat dabei der Hals weh, weil die Luft so kalt ist. Der Sieg beim Draisinen-Wettkampf war absolutes Teamwork. Der Frank war auch ein super "Steuermann"."
Frank Busemann: "Ich selbst bin wohl über meine Leistung beim Eisschnelllauf am meisten überrascht. Letztes Jahr bin ich mal ne` Viertelstunde im Central Park in New York rumgekurvt. Davor war ich vor 20 oder 25 Jahre auf einer Eisbahn. Doch jetzt, wo ich weiß, dass mir nur 2,5 Sekunden zum zweiten Platz gefehlt haben, ärgere ich mich schon ein bisschen. Beim Draisinen-Rennen wurden wir zum Schluss richtig schnell. Da konnte ich auch richtig reinhauen. Am Ende fing es dann an den Unterarmen an zu ziehen."
Monique Garbrecht-Enfeldt: "Beim Eisschnelllauf musste ich wegen meines Laufstils weiter außen fahren als die anderen. Selbst ich als Ex-Profi merkte, wie in der letzten Runde die Kräfte ein wenig nachließen. Beim Draisinen-Rennen haben wir schon am Start verloren, weil wir überhaupt nicht von der Stelle kamen. Hier war absolut Technik gefragt, dabei wollte ich mal richtig reinhauen."
Dirk Auer: "Vor dem Wettkampf bin ich schon zehn Runden gefahren und war eigentlich schon vor dem Start tot. Doch ich habe dabei festgestellt, dass die enge Linie die schnellere ist. Das war früher beim Bob-Fahren schon so. Das Drasinen-Rennen ging ja in zwei Richtungen, das heißt die Draisine war auf der Hinfahrt quasi ein Hecktriebler und auf der Rückfahrt ein Fronttriebler. Auf dem Weg runter konnten wir deshalb Vollgas geben, während wir zurück mit mehr durchdrehenden Rädern kämpfen mussten."
Christine Braun: "Das Skating war toll. Wer kann schließlich schon behaupten, gegen eine Weltmeisterin angetreten zu sein? Vor dem Dirk ziehe ich meinen Hut. Wie er als Kraftsportler ohne Vorbereitung bei den Ausdauerwettkämpfen wie dem Moutain-Run sich durchbeißt, ist wirklich phänomenal." +++