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15.02.08 - VB

Schwimmbad soll geschlossen werden: BM BECKER zur Dorferneuerung Lingelbach

ALSFELD-LINGELBACH. Eine schwierige Aufgabe hatte Bürgermeister Ralf A. Becker in der Sitzung des Ortsbeirates Lingelbach zu erfüllen: Es ging um die Zäsur in Sachen Dorferneuerung, die seit dem Jahre 2003 in Lingelbach stattfindet und jetzt auch unter dem Gesichtspunkt der notwendigen Haushaltskonsolidierung verbunden mit der demografischen Entwicklung in ihrem Maßnahmenkatalog neu überdacht werden muss. Zu diesem Thema waren - neben dem Ortsbeirat - auch zahlreiche Bürger in der Neuen Schule erschienen.

Bürgermeister Ralf A. Becker erläuterte die momentane Ausgangslage; er erwähnte dabei die kritische Haushaltslage der Stadt Alsfeld und die zwingende Notwendigkeit drastischer Einsparmaßnahmen mit dem Ziel mittelfristig diese "finanzielle Schieflage" gemeinsam mit der Kommunalaufsicht zu korrigieren. Dabei müsse auch in Zukunft die Dorferneuerung als freiwillige Aufgabe der kommunalen Selbstverwaltung grundsätzlich in Frage gestellt werden. Die demografische Entwicklung und der wirtschaftliche Wandel stelle dazu noch die gesamte Region Vogelsbergkreis vor eine schwierige Herausforderung. Es müssten auch hier neue Handlungsansätze gefunden werden, gerade vor dem Hintergrund, dass mit einem Rückgang der Bevölkerung in den nächsten 10 bis 20 Jahren von 10 Prozent zu rechnen sei. Dabei reduziere sich der Anteil der Jugendlichen; die Zahl der Senioren werde weiter steigen.

Diese Entwicklungstendenzen müsse auch eine nachhaltige Dorferneuerung berücksichtigen, stellte Bürgermeister Ralf A. Becker fest; sie stehe heute mehr denn je im Mittelpunkt. Und genau deshalb habe die Stadt Alsfeld seit über einem Jahr alternative Konzepte entwickelt. Dazu gehöre, dass eine Neu- oder Anbau einer Gemeinschaftseinrichtung nicht nur aufgrund fehlender Finanzkraft, sondern auch wegen der damit verbundenen und prognostizierten Auslastung in 10 bis 20 Jahren nicht realisierbar ist. Bestehende Einrichtungen, wie das Evangelische Gemeindehaus oder das Sportheim, sollten daher gestärkt werden.

Das, so Bürgermeister Ralf A. Becker bedeute nicht, dass die Dorferneuerung in Lingelbach am Ende ist; sie sei notwendiger denn je, denn sie steht vor großen Herausforderungen in Sachen Nachhaltigkeit für das Dorf. Und so kam der neue Verwaltungschef gleich zu den notwendigen Veränderungen aus der Sicht der Stadt Alsfeld.

Beim Sportheim des TSV Lingelbach unterstütze die Stadt die Absicht der Sportvereins nach Verbesserungen in energetischen Maßnahmen, die letztlich auch zur Reduzierung der Bewirtschaftungskosten führe. Eine Raumerweiterung dagegen werde von der Stadt Alsfeld kritischer gesehen. Bei diesen Maßnahmen handele es sich Vereinsaktivitäten, bei denen die Stadt Alsfeld - soweit Haushaltsmittel bereits gestellt werden - mit einem Zuschuss von 10 Prozent dabei sein könnte. Alle anderen Investitionskosten würden durch Dritte oder den Verein selbst aufzubringen sein. Das Sonderinvestitionsprogramm Sportland Hessen biete dazu in enger Zusammenarbeit mit dem Sportkreis Alsfeld eine günstige Gelegenheit.

Martin-Luther-Haus - eine Alternative

Die Öffnung des Gemeindehauses (Martin-Luther-Haus) für Veranstaltungen der Dorfgemeinschaft sei grundsätzlich möglich. Die Evangelische Kirche hätte dazu auch Bereitschaft bekundet und so könnten nicht nur Investitionskosten, sondern auch Folgekosten wirtschaftlicher gestaltet werden. Die Förderquote für diese Maßnahme liege dann zu je 50% bei der Stadt und der Evangelischen Kirche. Gespräche mit der Evangelischen Kirche sind bereits geführt worden, dies bestätigten auch Dr. Arno Wettlaufe vom Kirchenvorstand und Pfarrerin Renate Wollert.

Schwimmbad Lingelbach soll dauerhaft geschlossen werden

Nach Ansicht von Bürgermeister Ralf A. Becker und der Verwaltung sollte das Schwimmbad in Lingelbach om Rahmen der notwendigen Haushaltskonsolidierung dauerhaft geschlossen werden. Eine Förderung der Technikerneuerung (Kosten zwischen 180.000 Euro und 220.000 Euro) gäbe es nicht; Gesamtkosten für eine umfassende Sanierung würden sich auf 420.000 Euro bis 890.000 Euro belaufen. Nach Schließung des Dorfbades, so Bürgermeister Ralf A. Becker, könnte der Technikraum als Jugendraum genutzt und die notwendigen Umbaumaßnahmen würden im Rahmen der Dorferneuerung gefördert. Nach Beendigung der Dorferneuerung ist hier eine Förderung dann nicht mehr möglich.

Die Ausführungen von Bürgermeister Ralf A. Becker wurden vom Ortsbeirat aber auch von den Zuhörern enttäuscht zur Kenntnis genommen. Viele Zuhörer äußerten ihren Unmut und fühlten sich "getäuscht" von früheren politischen Aussagen und Beschlussfassungen.

Das Für und Wider der dargelegten Maßnahmen wurde kontrovers diskutiert. Lorenz Kock vom Amt für Regionalentwicklung im ländlichen Raum machte deutlich, dass eine solche Zäsur in Sachen Dorferneuerung es seiner Kenntnis nach noch nicht gegeben habe. Man stehe vor einer völlig neuen Situation, die man lösen müsse. Die Dorferneuerung in Lingelbach steht am „Scheidepunkt“: entweder es geht im Sinne der Nachhaltigkeit und Finanzierbarkeit weiter - oder es sei Schluss. Man müsse schnell zu einem belastbaren "Finish“ in Sachen Dorferneuerung kommen. Die Überlegung in Kooperation mit der Ev. Kirchengemeinde ein Gemeindehaus für dörfliche Veranstaltungen zu schaffen, sei ein guter Ansatz.

Auch beim Schwimmbad deutete sich in der Diskussion eine Möglichkeit als "Übergangslösung“ an. Es soll kurzfristig die Technik gemeinsam überprüft werden – und falls keine Erneuerung notwendig ist, stehe – vorbehaltlich der Zustimmung der Bäder GmbH - einer evtl. Öffnung in der kommenden Saison (je nach Wetterlage, zeitlich befristet) mit eigenem Personaleinsatz aus Lingelbach, nichts im Wege. "Eine Dauerlösung, sei das allerdings nicht“, stellte Bürgermeister Ralf A. Becker fest.+++

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