Soll das angeblich schönste Schwimmbad in ganz Hessen – das Freibad in Dalherda – geschlossen werden? Über anderthalb Stunden diskutierten die Stadtverordneten der Stadt Gersfeld in der Rhön gestern Abend über eine entsprechende Beschlussvorlage zum Erhalt des Bades. Im letzen Sommer zahlten rund 5.000 Badegäste Eintritt für das Freibad, im Supersommer 2003 zählte das Bad sogar etwa 15.000 Gäste. Letztlich fassten die Stadtverordneten - bei einer Enthaltung - den Entschluss, das Freibad zu erhalten; allerdings nur unter der Voraussetzung, dass der Magistrat bis zum 17. März einen Betreibervertrag vorlegt.
Diesen Vertrag schließt die Stadt Gersfeld mit dem "Verein zur Förderung des Schwimmbades Dalherda“. Und dieser Vertrag wird sich wohl im wesentlichen an einer Vereinbarung orientieren, die Verein und Stadt bereits getroffen hatten: Danach bleibt die Stadt offiziell Eigentümer und Betreiber des Schwimmbades, übernimmt im Jahr 2008 aber nur ein Defizit von maximal 15.000 Euro. Der ehrenamtliche Dienst der "Schwimmbadfreunde" soll für die nötigen Einsparrungen sorgen. Einige Stadtverordneten kritisierten die Unvollständigkeit dieser Vorlage: Es fehle der Grund, warum die entgültige Entscheidung vertagt wurde.
Schwimmbadfans mit Wasserball...
Rund 100 "Fans des Dalherdaer Freibades“ waren gestern Abend – mit Taucherbrille und Wasserball – bei der Stadtverordnetenversammlung im Sitzungssaal des Feuerwehrstützpunktes zugegen – und füllten den Raum bis auf die letzten Stehplätze aus. Ihr Anliegen war es, dass „ihr Schwimmbad“ in Dalherda erhalten bleibt. Und dafür brauchen sie die Stadt als Betreiber – und als Geldgeber. Dass sie bereit sind, für die nötigen Einsparrungen zu sorgen, das zeigte eine „Pro-Schwimmbad-Aktivistin“ schon mit ihrer Kleidung: In weißer Putzkluft ist sie zur Stadtverordnetenversammlung gekommen – die Aufschrift auf ihrem Rücken: „Ich will was TUN“.
... und voller Tatendrang
"In den letzten Jahren hat das Schwimmbad jährlich ein Defizit von rund 21.000 Euro für den städtischen Haushalt bedeutet“, erklärte Vereinsvorsitzender Ingo Sommers. Wäre der Verein nicht so engagiert - und hätte er bisher noch nicht so viel getan -, dann läge diese Defizit noch höher. Schon bisher haben ehrenamtliche Helfer - mit dem nötigen Abzeichen der Deutschen Lebensrettergesellschaft (DLRG) - die Arbeit des bezahlten Bademeisters teilweise übernommen. Rund 350 Stunden wurden so im letzten Jahr von ehrenamtlichen Bademeistern geleistet (bei einer Aufwandsentschädigung von 3,50 Euro) . In diesem Jahr sollen die DLRG-Helfer laut Sommers rund 500 Stunden Bademeisterdienst übernehmen - und bis im Jahr 2011 soll der bezahlte Bademeister der Stadt gänzlich überflüssig werden. Dann nämlich wollen die ausgebildeten Vereinshelfer über 1.000 Stunden die Schwimmbadaufsicht führen.
... zum Helfen und Einsparren
Mit dem bürgerschaftlichen Engagement soll dass Defizit des Schwimmbades in 2008 um rund 3000 Euro reduziert werden, erklärte Sommers. Mindestens weitere 3000 Euro sollen jährlich bei den Heizkosten des Bades eingespart werden – mit einer neuen Solarabsorberanlage. Die Investitionskosten hierfür liegen laut dem Vereinsvorsitzenden Sommers bei knapp 20.000 Euro, die die Stadt tragen würde. Wenn – ja wenn denn der gestern Abend gefasste Grundsatzbeschluss so umgesetzt werden kann und rechtzeitig der notwendige Betreibervertrag erfüllt wird. Die entsprechenden Gelder sind im – ebenfalls gestern Abend beschlossenen – Haushalt zwar aufgeführt, allerdings mit einem Sperrvermerk versehen, für den Fall, dass kein Betreibervertrag zustande kommt.
Durch diese Einsparungen – an den Personalkosten für den städtischen Bademeister und den Ölkosten für die Beheizung – soll das jährliche Defizit des Freibades in diesem Jahr auf 15.000 Euro reduziert werden. „Sollte der Defizitbetrag überschritten werden, würde das Bad geschlossen“, erklärte Bürgermeisterin Margit Trittin (SPD). Auf diesen Kompromiss hatten sich schon vor der gestrigen Sitzung der Magistrat und der „Freibadverein“ ja schon geeinigt.
Wegen offener Fragen ...
Allerdings waren diese drastischen Konsequenzen in der Beschlussvorlage noch nicht deutlich formuliert. Auch nicht, wie hoch das städtische Maximaldefizit in den Jahren nach 2008 ausfallen soll. „Es bleiben unendliche viele rechtliche Fragen offen“, beschwerte sich unter anderem der FDP-Fraktionsvorsitzende Dr. Andreas Kircher, der „nicht blind zustimmen“ und die „Zahlen und Verträge auf dem Tisch“ sehen wollte. Und so stand die andershalbstündige Debatte auch im „verfahrenstechnischen Lichte“. „Die quatschen so lange und kommen jetzt erst an“, kritisierte ein Zuhörer am Ende die Diskussion der Stadtverordneten.
... keine Grundsatzentscheidung ....
Auch der Vorsitzende der Schwimmbadvereins ist eher unzufrieden: „Das war keine Entscheidung. Bei der nächsten Stadtverordnetenversammlung müssten wir eigentlich schon mit der Vorbereitung für die nächste Schwimmbadsaison anfangen haben. Und für die Solaranlage müssten Fördermittel beantragt werden. Das käme alles recht spät.“ Sommers befürchtet, dass der Spareffekt bei den Energiekosten nicht erreicht werden könne, wenn die Solarabsorberanlage nicht rechtzeitig installiert werden könne. In der nächsten Woche wird er erneut mit dem Magistrat und der Bürgermeisterin verhandeln.
... aber trotzdem Grundreinigung
Im Gegensatz zu den Stadtverordneten werden die freiwilligen Helfer des Vereins wohl eine blinde Entscheidung treffen müssen. "Ich gehe davon aus, dass wir mit den Vorbereitungen beginnen“, erklärte Ingo Sommers - ohne zu wissen, ob das möglicherweise „schönste Hessische Freibad“ nun bestehen bleiben kann oder nicht: „Wir werden das Becken streichen, die Grünanlagen pflegen; die Sanitärräume müssen grundgereinigt und Winterschäden repariert werden. (Daniel Kister) +++