LAUTERBACH. Die Anstrengungen der vergangenen Tage waren Andreas Goerke anzumerken. Müde und geschafft, aber auch froh und stolz resümierte der Manager der Lauterbacher "Highlander" nach der Benefiz-Veranstaltung "Hilfe für Lara": "Wir können mehr als zufrieden sein. Die Summe, die wir heute Abend eingenommen haben, übertrifft unsere Erwartungen. Die Hilfe ist überwältigend." Goerke ist felsenfest davon überzeugt, dass die für eine Typisierung notwendigen Gelder in den nächsten Wochen zusammenkommen: "Wir werden die 50.000 Euro erreichen."
Lokale Größen aus der Politik, prominente Persönlichkeiten des Sports und über 400 Zuschauer waren am Samstagabend zu dem Benefizspiel zwischen den "Highlandern" und einem All-Star-Team in die Lauterbacher Eishalle gekommen, um die an Leukämie leidende siebenjährige Lara aus Großenlüder zu unterstützen. "Eishockeyspieler sind raue Kerle, haben aber ein großes Herz", sagte Andreas Goerke vor Spielbeginn treffend. Großenlüders Bürgermeisterin Silvia Hillenbrand schloss sich an: "Jeder Euro macht Lara Mut. Mut für den Kampf gegen die Krankheit."
Angesichts der Hilfe-Welle, die durch die gesamte Republik schwappt, was die Spendeneingänge aus allen möglichen Regionen verdeutlichen, befand Andreas Goerke: "Ganz Eishockey-Deutschland steht hinter Lara." Lauterbachs Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller dankte allen an der Aktion beteiligten Menschen und meinte in Bezug auf die kollektive Unterstützung: "Dies schweißt in so einer schweren Zeit zusammen."
Trotz der lebenden Eishockey-Legende Erich Kühnhackl, seinem Sohn Torben, Bernie Engelbrecht und vielen anderen Hochkarätern auf dem Eis, standen nicht diese im Mittelpunkt, sondern der Sport an sich. 14:13 nach Penaltyschießen hieß es am Ende für die All-Stars. Zu dem guten Zweck hatten aber alle beigetragen - und manche Cracks sogar noch mehr. Direkt vor dem Spiel wurde verkündet, dass jede Zwei-Minuten-Zeitstrafe eine zehn Euro Spende nach sich zieht. Fouls waren demnach gern gesehen. "Schiri, pfeif doch mal wieder", forderte ein temperamentvoller Zuschauer vehement.
In der Drittelpause traten dann Silvia Hillenbrand, Rainer-Hans Vollmöller, Daniela Stabernack und der VERC-Vorsitzende Bertram Höhl zum Zielschießen auf das leere Tor an. Jeder daneben gegangene Schuss brachte 20 Euro. Mit allen Mitteln wurde das Treffen in das kleine Gehäuse verhindert und zusätzlich eine beträchtliche Summe eingenommen.
Sichtlich Freude hatte Deutschlands "Eishockeyspieler des Jahrhunderts", Erich Kühnhackl. "Eishockey macht mir immer Spaß", sagte er nach der Begegnung. Die Unterstützung sei für den "Kleiderschrank auf Kufen" selbstverständlich. "Eishockeyspieler gehören eben zu den Spezies, die gerne helfen", so Kühnhackl. Kurzfristig hatte der ehemalige Nationaltrainer seine Hilfe angeboten. "Er hat mich angerufen und nur gesagt: 'Ich helfe'", erzählte Andreas Goerke. Ähnlich verhielt es sich beim deutschen NHL-Star Marcel Goc.
Vergangene Woche klingelte bei Goerke mitten in der Nacht das Telefon. "Wer ist denn das um diese Uhrzeit", dachte Goerke. Es war Marcel Goc direkt aus den USA, der spontan seine Hilfe anbot. Pünktlich zum Benefizspiel traf ein Trikot von ihm samt Unterschriften der San Jose Sharks zur Versteigerung ein. Allein das Trikot brachte fast 500 Euro. Außerdem überwies der Nationalspieler eine Spende. Goerke war auch stolz auf die ehemaligen VERC-Kufencracks, die zum Teil aus ganz Deutschland anreisten. "Die müssen auch wieder mehr in den Verein integriert werden", so Goerke. Zudem wollen sich die "Highlander" in Zukunft weiter verstärkt engagieren: "Wir haben als Verein auch eine soziale Verantwortung. Der wollen wir gerecht werden."
Ein besonderer Abend war es auch für Holger Selenka, der sein Abschiedsspiel für die Lauterbacher bestritt. "Wir hoffen, dass du dem Verein erhalten bleibst", sagte der VERC-Vorsitzende Bertram Höhl. "Holger Selenka ist ein Sportsmann par excellence, dem Fair-Play über alle geht", würdigte Lauterbachs Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller. Es war wahrlich ein emotionaler Moment. Während der Klassiker "Time to say goodbye" aus den Lautsprechern hallte und Selenka in abgedunkelter Halle seine Ehrenrunde drehte, wurde im Publikum und bei Selenka selbst die eine oder andere Träne verdrückt. Selenka dankte insbesondere seiner Frau Petra und sagte zurückblickend auf die vergangenen drei Jahre: "Das ist nicht leicht, jetzt Abschied zu nehmen. Die Mannschaft ist mir echt ans Herz gewachsen. Wir hatten eine 'Bomben'-Kameradschaft. Das ist die beste Mannschaft, mit der ich je gespielt habe", so Selenka, der auch überraschenderweise noch mal die Gelegenheit erhielt, mit seinem Sohn Tim zu spielen. Prompt schoss Tim Selenka ein Tor, natürlich auf Vorlage des Papas.
„Für die Highlander aus Lauterbach ist es mit dem Benefizspiel für Lara noch nicht getan, jetzt fängt für uns erst die Arbeit an“, sagte Andreas Goerke. So planen die Kufencracks aus Lauterbach in den nächsten Wochen noch die ein oder andere größere Aktion. Es wird in den nächsten Wochen einen Spendenmarathon von Lauterbach nach Fulda geben, die Eishockeyspieler wollen ihn auf Inlinern laufen und in den Ortschaften Spenden für Lara sammeln, dazu laden die Highlander alle Vereine und Personen ein. Für dieses Vorhaben werden noch Sponsoren gesucht, die pro gelaufenen Kilometer und pro Person eine Spende auf das Konto für Lara zahlen.+++