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28.04.08 - SPORT

FAKTEN, FAKTEN, FAKTEN .... die TT BuLi-Saison 2007/2008 im Rückblick

Nur ein einziges Mal in 42 Bundesligajahren kamen geringfügig mehr Menschen in die Hallen, erlebten eine Vielzahl ungemein packender, dramatischer und hochklassiger Partien, die oftmals eine Werbung für Tischtennis als Mannschaftssport waren. Bei den geringen Leistungsunterschieden zwischen den einzelnen Teams in der vom Niveau ungewöhnlich dicht besetzten Eliteklasse, gab es reihenweise eng verlaufende Spiele, die die Besucher faszinierten und desöfteren zu stehenden Ovationen veranlassten. Nicht selten waren es sogar die Begegnungen der unteren Tabellenhälfte, die an Spannung ihresgleichen suchten und bei denen es in der entscheidenden Phase niemanden mehr auf den Sitzen hielt. So erinnnert sich der Verfasser dieses Berichts, am 9. Februar zwischen Gönnern und Jülich dreieinhalb Stunden aufregendes Tischtennis auf erstaunlich hohem Niveau erlebt zu haben, das keinen der 800 Zuschauer unberührt ließ. Ein Besuch deutlich über dem Ligadurchschnitt beim Match des Letzten gegen den Vorletzten - auch das spricht für die besondere Attraktivität einer ausgeglichenen deutschen Eliteklasse.

Von den 90 Partien endeten 55 mit 6:3, 6:4 oder 5:5, lediglich 35 Spiele fanden deutliche Sieger mit 6:2 oder höher. Nur sechsmal gab es 6:0-Kantersiege bzw. "Höchststrafen" - je nachdem aus welcher Position man es betrachten möchte. Eines dieser 6:0-Resultate kam überdies am "grünen Tisch" zustande. Es handelte sich um eine Partie, die sportlich nach packendem Kampf 5:5 ausgegangen war. Vom Spannungsfaktor her verlief die Runde gigantisch. Dies änderte sich nicht einmal wesentlich als feststand, dass es keinen Absteiger geben würde und der zunächst so ungemein dramatisch angelaufene Kampf um den Klassenverbleib vorzeitig beendet war. Zur Dramaturgie passte das Herzschlagfinale um den Play-Off-Einzug, in dem Fulda schließlich hauchdünn die Nase vorne hatte.

Die Play-Offs versprechen reichlich Klasse und Spannung in der ersten DTTL-Saison und 42. Bundesligaspielzeit überhaupt. Das Kräftemessen der vier attraktiv besetzten Halbfinalteilnehmer können - nachdem erste Versuche hochwertiger und entsprechend kostspieliger Liveübertragung via Internet anfangs der Saison wegen fehlender Refinanzierungsmöglichkeiten zunächst auf Eis gelegt worden waren - nun auch die Fans in den heimischen Wohnstuben angeregt verfolgen: erstmals in der Geschichte des deutschen Tischtennis werden die Play-Offs 2008 im Free-TV in einstündigen Highlight-Zusammenfassungen (DSF) und im Internet zeitversetzt auf www.DTTL.tv in voller Länge übertragen. Die TV-Präsentation und -Vermarktung der DTTL steckt noch in den Anfängen, stellt jedoch die Herausforderung der Zukunft dar. Die contenthouse GmbH, TV-Partner der Liga mit dem rührigen, kreativen "Macher" Benno Neumüller an der Spitze, fungiert diesbezüglich als Motor und treibende Kraft. Man arbeitet fieberhaft an tragfähigen Lösungen, dem Tischtennissport auch in der Medienwelt und in der öffentlichen Wahrnehmung die gebührende Präsenz und Anerkennung zu verschaffen.

Zehn Teams zwischen Erfolgen und Enttäuschungen - Versuch einer vorläufigen Bilanz

Wie von sämtlichen Experten erwartet, war Rekordmeister Borussia Düsseldorf als Kernteam der Nationalmannschaft nicht zu stoppen, auch wenn phasenweise etwas Sand ins Getriebe geriet und man erst mit dem Kantersieg gegen Frickenhausen in der Stutgarter Porsche-Arena am 9. Spieltag den Platz an der Sonne ergattern konnte. Das kurze Tief der Borussia in der Vorrunde mit Niederlagen in Gönnern und gegen Ochsenhausen war aber auch dem Umstand geschuldet, dass man anfänglich meinte, bei der ausgewiesenen Qualität des Kaders Timo Boll im Ligaalltag nicht ständig einsetzen zu müssen. Die Mannschaft erwies sich jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht als gefestigt genug, um ohne ihr Aushängeschild souverän aufzutreten, zumal der Japaner Jun Mizutani merklich schwächelte. Später änderte sich dies: als Timo Boll verletzungsbedingt in der Rückrunde länger pausieren musste, sprangen seine Kollegern überzeugend in die Bresche und zeigten sich als homogene Truppe, der kaum mehr beizukommen war.

Einen einzigen Zähler gab man in der Rückrunde noch ab beim Remis gegen Ochsenhausen vor 3.000 Zuschauern in Ulm. Vier Zähler Vorsprung auf Meister Frickenhausen in der Endabrechnung zeigen, dass der Publikumsmagnet der DTTL als echtes Topteam aufgetreten ist und völlig zu Recht die Runde in der Pole-Position beendete. Letztlich schulterte man auch das Manko der ständigen internationalen Beanspruchung sämtlicher Akteure souverän, die in der entscheidenden Saisonphase allesamt ihre kleineren Zwischtiefs überwunden hatten und mit höchster Konzentration und Effizienz in der DTTL zu Werke gingen. Die Frage vor den Play-Offs lautet, ob überhaupt jemand an einem sehr, sehr guten Tag in der Lage sein könnte, Düsseldorf in Gefahr zu bringen, jetzt, wo das Team des aktuellen Ligapokalsiegers verletzungsfrei, gefestigt, eingespielt und richtig heiß auf den Erfolg ist. Das Zwischenfazit des Managers Andreas Preuß fällt erwartungsgemäß positiv aus: "Wir haben eine tolle Runde gespielt und sind am Ende verdient Erster geworden. Beeindruckend war neben dem sportlichen Erfolg auch das Faninteresse bei unseren Spielen zu Hause und auswärts. Wir können bislang absolut zufrieden sein mit dem Erreichten."

Der TTC Frickenhausen auf Tabellenrang zwei gab vier Zähler in der Rückrunde ab und wurde am Ende souveräner Zweiter, drei Punkte vor dem Drittplatzierten. Lange hatte man in der Rückrunde mit dem Handikap eines verletzungsbedingt ausfallenden Bastian Steger zu leben, den man jedoch erstaunlich gut kompensierte, zumal sich der junge Schwede Fabian Akerström als Joker gut in der Liga akklimatisierte. Zweimal verließ man in der Rückserie die Tische als Verlierer, erwartungsgemäß beim 3:6 gegen Düsseldorf in Hagen am letzten Spieltag, unerwartet dagegen beim 2:6 gegen Fulda-Maberzell am 27. Januar in eigener Halle. Ansonsten gab es nur ansprechende Leistungen, die eines Topteams würdig waren. "Oldie" Ma Wenge überwand in seiner letzten Saison für die Schwaben ein Zwischtief rechtzeitig und der Slowene Bojan Tokic konnte auch im oberen Paarkreuz gut mithalten. An Position drei hat man mit Bastian Steger einen Topspieler anzubieten, der in nahezu jedem anderen Team der Liga unangefochten im oberen Paarkreuz stünde. Auf welchem hohen Nivau selbst die Nummer vier agiert, zeigte sich unter anderem bei der Mannschafts-WM im chinesischen Guangzhou, bei der Jungnationalspieler Patrick Baum für Furore sorgte. Auch in diesem Fall lügt die Tabelle nicht, Frickenhausen präsentierte sich fast durchgehend stark, jedoch klappte es nicht wirklich, auf eine Augenhöhe mit Düsseldorf zu gelangen. Ein kleiner, aber feiner Niveau-Unterschied trennt die beiden derzeit erfolgreichsten deutschen Teams. Es käme nicht überraschend, wenn die beiden Kontrahenten demnächst - im Finale - zum dritten- und viertenmal in dieser Saison aufeinandertreffen würden.

Dagegen hat natürlich der Dritte im Klassement, TTF Liebherr Ochsenhausen, etwas einzuwenden. Gegenüber der Vorrunde verbesserte man sich um einen Rang, und gab noch fünf Zähler ab - zwei beim 4:6 in Frickenhauseneinen, einen gegen den Klassenprimus aus Düsseldorf sowie jeweils einen weiteren bei den "Angstgegnern" Plüderhausen und Jülich. Somit war man auch drittstärkstes Rückrundenteam. Und das, obwohl der konstant starke Spitzenspieler Adrian Crisan in den letzten Partien verletungsbedingt ersetzt werden musste. Es erwies sich in dieser Saisonphase als entscheidender Vorteil, über eine homogene Truppe aus fünf spielstarken Akteuren zu verfügen, deren "Youngster" aus Portugal, Italien und Schweden sich im Lauf der Runde erheblich steigern konnten. Zudem wurden die Doppel - anfänglich das Sorgenkind des Cheftrainers Anders Johannson - im Lauf der Rückrunde immer stabiler. Gegen Rundenende zeigte auch der Hongkongchinese Leung Chu Yan (Foto), der zeitweise enttäuscht hatte, wieder deutlich ansteigende Form. Zu gerne würden die TTF in den Halbfinals einen weiteren Coup landen und in den beiden Württemberg-Derbys den Widersacher aus dem Neuffener Tal ausschalten. Zuzutrauen wäre es den Oberschwaben schon, die übrigens den "Titel" des "Remis-Königs" der DTTL erspielten - acht Unentschieden in achtzehn Begegnungen, das muss dieser Truppe erst einmal jemand nachmachen.

Im Zielfinish rettete der TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell - um ein einziges Spiel bei Punktgleichheit besser notiert als Hauptkonkurrent Grenzau - den so ungemein wichtigen vierten Tabellenplatz, den er am vorletzten Spieltag erstmals erobert hatte. Nach der Vorrunde noch Kopf an Kopf mit Ochsenhausen, geriet anfangs der Rückrunde Sand ins Getriebe der Waldner-Truppe, die die Felle nach der 1:6-Klatsche in Jülich am 14. Dezember schon davonschwimmen sah. Doch man meldete sich eindrucksvoll zurück mit einem nie erwarteten 6:2 bei Meister Frickenhausen. Im nächsten Heimspiel freilich setzte es eine 2:6-Schlappe gegen Aufsteiger Werder Bremen und eine völlig indisponierte Fuldaer Mannschaft schien sich weit von den Play-Offs entfernt zu haben. Man fing sich jedoch wieder, siegte viermal in Folge und leistete sich zum Rundenabschluss in Ochsenhausen exakt die knappe Niederlage, die zum größten Erfolg der 50-jährigen Vereinsgeschichte reichte. Nun darf man sich in den Semifinalspielen mit Topfavorit Düsseldorf messen und kann als krasser Außenseiter unbeschwert aufspielen, wohl wissend, dass man in der kommenden Saison ein noch stärkeres Team ins Rennen schicken wird. Diesem werden zwar Jörgen Persson und Jörg Schlichter nicht mehr angehören, dafür aber Shooting-Star Wang Xi (Gönnern) und der immer besser werdende Robert Svensson (Plüderhausen).

Der Bundesliga-Zuschauerrekord, aufgestellt in der Saison 1991/92 mit durchschnittlich 645 Besuchern pro Spiel, wurde nicht übertroffen, obwohl man bei 687 Fans im Hinrundenschnitt auf dem besten Weg zu einer neuen Rekordmarke schien. Am Ende verfehlte man das große Ziel mit einem Durchschnittswert von 639 um Haaresbreite und belegte "nur" Platz zwei in der Zuschauerrangliste sämtlicher 42 Bundesligaspielzeiten. Insgesamt erlebten 57.520 Menschen die 90 Begegnungen live in den Sporthallen.

Highlights waren die neuen Bestmarken der Bundesligageschichte beim Spitzenspiel in der Stuttgarter

Porsche-Arena zwischen Frickenhausen und Düsseldorf (4.500) und zuvor im Düsseldorfer Burg-Wächter Castello zum Saisonauftakt beim Spiel der Borussia gegen die Waldner-Truppe aus Fulda (4.200). 3.000 Menschen wollten in der Ulmer Kuhberghalle das Topspiel zwischen Ochsenhausen und dem Boll-Klub sehen. Auch die 2.200 Tischtennisfans, die zur Begegnung zwischen Düsseldorf und Grenzau am 18. November strömten, sind eine hoffnungsvoll stimmende Zahl. Die Tendenz scheint sich zu verfestigen, dass besonders attraktive Paarungen in großen, modernen Sporthallen außerordentliche Zugkraft ausüben.

Besonders engagiert zeigten sich im Beschreiten dieses neuen Weges in Sachen Spielpräsentation und -vermarktung Borussia Düsseldorf, die auch noch eine Partie in der Stadhalle Hagen austrugen, und TTF Liebherr Ochsenhausen, neben Ulm auch in der Balinger Sparkassen-Arena aktiv. In der kommenden Saison, der ersten mit Dreiermannschaften, einem Tisch mit Centercourt-Charakter und einem neuen Spielsystem, dürfte sich diese Tendenz verstärken. Dann darf mit noch mehr in städtische Arenen verlagerten Topspielen gerechnet werden, die als kurzweilige Spitzensport-Events präsentiert werden.

Zuschauerkrösus ist Klassenprimus Düsseldorf mit insgesamt 11.650 Besuchern, das entspricht einem sagenhaften Mittelwert von fast 1.300 Menschen pro Heimspiel. Dahinter folgen - getreu der sportlichen Tabelle - Frickenhausen (8.480 / 942), Ochsenhausen (7.305 / 812 ) und Fulda (5.830 / 648). Das Mittelfeld bilden Schlusslicht Gönnern (5.500 / 611) - ein klassischer Ausreißer, offensichtlich attraktiver

als die nackte Erfolgsbilanz - und Bremen (4.735 / 526), während die restlichen vier Teams Grenzau (Durchschnitt: 425), Jülich (412), Würzburg (368) und Plüderhausen (352) keine Zusatztribünen aufstellen mussten.

Attraktivste Auswärtsmannschaft, fast schon mit Magnetwirkung, war - wie schon in der Hinrunde - Rekordchampion Borussia Düsseldorf, den nicht weniger als 13.270 Fans in den neun Auswärtspartien sehen wollten - im Schnitt 1.474 -, und der Garant für gut gefüllte Hallen war. Platz zwei nimmt hier Fulda ein, dessen „alte Schweden" Waldner und Persson nach wie vor eine enorme Zugkraft haben. 9.350 Tischtennisfreunde, also 1.039 pro Partie, wollten die rüstigen Ex-Weltmeister auswärts live betrachten. Relativ attraktiv war auch der Traditionsklub aus dem Westerwald, der schon einige Kapitel deutscher und internationaler Tischtennisgeschichte geschrieben hat. Durchschnittlich 716 Zuschauer wollten Grenzau auswärts sehen, gefolgt von den schwäbischen Topteams Ochsenhausen und Frickenhausen, die im Mittel für 540 beziehungsweise 539 Fans interessant waren. Trotz des in der Sportwelt bekannten Namens, der eigentlich ein Markenzeichen ist, kamen zu den Auswärtsspielen des SV Werder Bremen die wenigsten Zuschauer, nämlich bloß 363 je Begegnung.

Allen, die sich für die Bundesliga seit den Anfängen interessieren, sei übrigens das Jubiläumsbuch 40 Jahre Tischtennis-Bundesliga. 1966/67-2005/06 (Frankfurt am Main, 2006) ans Herz gelegt, dessen Statistik-Teil (S.70-92) keine Fragen offen lässt. Das Buch ist über den DTTB noch erhältlich und mit 9,90 € äußerst preiswert. +++

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