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REGION NACHGEDACHT 94

Distanz zu uns selbst - von Christina LEINWEBER

26.10.14 - Warum können wir anderen Menschen meist bessere Ratschläge als uns selbst geben? Wenn wir uns ein fremdes Problem anhören, wissen wir oftmals eine oder sogar mehrere Lösungen aus dem Dilemma. Warum ist das so? Es liegt wohl an unserer Perspektive - wir blicken von außen auf das andere Problem und sind nicht selbst darin involviert, darin verheddert oder gefangen. Unser Kopf ist kühl, die Emotionen runtergefahren.

Ein kleiner Exkurs zur Unternehmensberatung: In Firmen gibt es Beratungsmöglichkeiten von externen Experten, falls Probleme entstanden sind oder diesen in Projekten vorgebeugt werden soll. Die Methode, die der Berater dann für seinen Auftraggeber anwendet, nennt sich Supervision. Dies bedeutet schlicht und einfach "Überblick" - die Person hat demnach über alle Handlungen, Abläufe und Strukturen einen klaren Blick, kann Probleme beheben oder präventiv gegen sie vorgehen. Sie ist nicht selbst im Unternehmensgeschehen aktiv, kann daher diesen Außenblick leichter einnehmen.

Manchmal wünsche ich mir, dass mal jemand für meine Probleme die Methode der Supervision anwendet. Doch eigentlich möchte ich es auch selbst können. Und es funktioniert sogar. Mit immer mehr Übung können wir versuchen, aus unser engen Perspektive auszusteigen, uns einen Überblick verschaffen und uns selbst helfen. Da Distanz nötig ist, helfen mir tatsächlich immer Schaubilder für Problemlösungen. Sie sind klar und deutlich: Dort steht die Ist- und die Sollsituation und dazwischen ordentlich Platz für den Weg zum Ziel, für problemlösende Ideen und Strategien. Beide kommen dann irgendwann von ganz allein. Zeit und Ruhe ist hier das "A und O"!

Wenn man erst einmal sein Problem strukturiert hat, es auf Papier gebracht und es in ein Schaubild gezwängt hat, dann erscheint es auch nicht mehr so groß. Verzeihen Sie mir am heutigen Sonntag diese analytische, sachliche Idee. Aber ich möchte Ihnen mitgeben, dass wir nicht immer ohnmächtig vor einem Problem davon laufen müssen. Wir können es bezwingen, wir können es sogar selbst bändigen. Und zu guter Letzt - denken Sie immer daran: Distanz ist zumeist die Voraussetzung jeder Wahrnehmung. (Christina Leinweber)

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ZUR PERSON: Christina Leinweber, 1988 geboren in der osthessischen Bischofsstadt Fulda, neun Jahre katholisch-private Schulausbildung – so war der Weg zum Theologiestudium für sie vorbestimmt und beschlossen. Es ging dann für vier Jahre Studium in die nächste Bischofsstadt Paderborn - hat inzwischen ihr 1. Staatsexamen in der Tasche und ist seit Anfang November 2013 im Schuldienst des Landes Hessen. Ihre Tätigkeit als Kolumnistin bei osthessen-news.de möchte sie auch in Zukunft fortsetzen. Sie selbst bezeichnet sich als liberal-theologisch und kommentiert (seit 94 Wochen) in der Serie "NACHGEDACHT" Dinge des Alltags aus ihrer persönlichen Sicht. +++


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