BMW-Matthes Motorsport holte sensationell Klassensieg beim Langstreckenklassiker, dem 36. ADAC Zurich 24h-Rennen Nürburgring-Nordschleife. Mit einem völlig neu aufgebauten BMW 318 iS Coupé und einem neu formierten Team, fuhren der Fuldaer Michael Jestädt, „Berglöwe“ Herbert Stenger aus Sommerkahl und der Frankfurter Alexander Schula von der Pole Position aus, einen starken Sieg, in einer starken Konkurrenz heraus. Alle absolvierten Rennrunden waren Führungsrunden. Trotz aufgetretener technischer Probleme, war der Sieg dem, für den MSC Rhön startenden Meininger Autohaus, nicht zu nehmen.
In diesem Jahr hatte Teamchef Peter Matthes sein Team mit Fahrern und Teampersonal aus Thüringen, Bayern und Hessen teilweise neu aufgestellt und unter der Bewerbung des MSC Rhön gemeldet. Außerdem stellte Technikchef Andreas Matthes und sein Technikerstab mit einem seriennahen BMW 318 iS Coupé, ein völlig neues Auto auf die Beine. In der VLN-Langstreckenmeisterschaft Nürburgring wurde das neue Auto standfest gemacht, denn das erklärte Saisonziel der Matthestruppe lautete glasklar: „Bei den 24h am Nürburgring zumindest ankommen, möglichst mit einer guten Platzierung“. Ein Sieg ist daraus geworden und noch dazu ein souveräner. Ein Start- und Zielsieg und alle absolvierten Rennrunden in Führung liegend, war der Preis für wochenlange akribische Planung von Technik und Logistik, durch Matthes Motorsport.
Bis zwei Wochen vor dem Rennen war man noch auf der Suche nach einem dritten Fahrer. Gerade als sich deswegen Unruhe breit zu machen schien, zauberte der Teamchef beim letzten VLN-Rennen mit dem Frankfurter Alexander Schula einen Topfahrer aus dem Hut. Ein Schachzug, der Gold wert war. Der Nürburgringroutinier brachte seine ganze Erfahrung hinsichtlich Abstimmung des Fahrzeugs, Strecken-know how und Taktik in das Team ein. Seine sachlich ruhige Art übertrug sich auch sofort auf Michael Jestädt und den Berglöwen Herbert Stenger, der zwar einer der besten Bergrennfahrer war aber am Nürburgring zu den Neulingen zählt.
Was Schula drauf hat, bekam die Konkurrenz gleich im Qualifying zu spüren. Nachdem Mick Jestädt mit guten 11:00:00 min vorgelegt hatte und Herbert Stenger nur knapp dahinter lag, knallte Schula, mit für diese Klasse traumhaften 10:42 min, eine Fabelzeit auf den Asphalt. Schula hatte das Kunststück fertig gebracht, dank des neuen KW-Fahrwerks das Set up für alle drei Fahrer in etwa gleich hin zu bekommen. Eine Meisterleistung von ihm und KW-Fahrwerktechnik.
Das bedeutete, Matthes Motorsport ging von der Pole aus in das Rennen. Ein Umstand, der das Selbstbewusstsein der gesamten Matthes Truppe enorm steigerte. Mick Jestädt übernahm nach Plan den Startturn. Entgegen so mancher Wetterprognose, bis zum Start könnte es regnen, blieben die Verhältnisse für Eifelwetter in einem akzeptablen Zustand. Beschwingt durch das Trainingsergebnis pflügte nach der Startfreigabe Jestädt durch das 217 Teilnehmer starke Feld. Die Hauptkonkurrenten, wie in der VLN, mit der Startnummer 178, Markus Schmickler und mit der Startnummer 175, Rolf Derscheid, hatten in der ersten Phase dem entfesselt fahrenden Fuldaer Jestädt nichts entgegen zu setzen. Er hielt souverän den ersten Platz und baute seine Führung innerhalb der ersten eineinhalb Stunden auf acht Minuten aus.
Mit diesem Ergebnis übergab er an den Sommerkahler Herbert Stenger. Dieser steigerte sich von Runde zu Runde und übergab mit 12 Minuten Vorsprung an Alex Schula. Dessen Rundenzeiten ließen die Boxenmannschaft jubeln. Allerdings stellte man sich auch die bange Frage, ob die Technik das alles so mitmachen würde. 33 Links- und 40 Rechtskurven, dazu drei Sprunghügel, wo das Fahrzeug jedes Mal brutal aufsetzte, verlangten der Serientechnik von BMW alles ab. Doch das „Baby“ der Matthes Truppe, zeigte keine Wirkung. Um 21:32 Uhr übergab Schula mit 12 Minuten Vorsprung an Jestädt. Dieser war gerade eine Runde draußen, da begann es wie voraus gesagt, zu regnen. Überall an den Boxen herrschte nun riesige Hektik. Die Masse der Teilnehmer rüstete um auf Regenreifen. So kam Jestädt ebenfalls um 21:45 Uhr wieder an die Box, um Regenreifen zu fassen. Zum Glück hielt der Regenschauer nicht lange an, so dass wieder auf Slicks gewechselt werden konnte. Auch Jestädt holte sich um 22:20 Uhr Slicks ab.
Kurz vor Mitternacht übernahm Stenger das Steuer. 00:30 Uhr zeigte die Boxenuhr, als die Gesichter der Matthes Leute kreidebleich wurden. Stenger meldete aufgeregt, dass er im Adenauer Forst auf Grund eines ABS-Ausfalls abgeflogen sei und möglicherweise die Ölwanne zerstört hatte. Dies war aber glücklicherweise nicht der Fall und er konnte aus eigener Kraft die Box ansteuern. Nach einer Kabelreparatur am ABS-Steuerkabel und einem Sicherheitscheck, war der Renner wieder einsatzbereit und Schula übernahm um 00:50 wieder das Steuer. Bis 02:42 Uhr vergrößerte er seinen Vorsprung auf den unmittelbaren Verfolger Schmickler auf über zwei Runden, da dieser einen längeren Aufenthalt wegen eines Lichtmaschinenwechsel hatte. Nun begann es wieder zu regnen und Jestädt bekam bei der Übernahme Regenreifen aufgezogen. 31 Minuten, betrug sein Vorsprung als er um 04:50 Uhr an Schula übergab.
Neue Bremsen vorne und wieder Slicks bekam dieser verpasst, bevor er wieder auf die Strecke ging. Durch diesen längeren Service rundete sich Schmickler wieder eineinhalb Runden zurück und war wieder in Schlagdistanz. Das juckte Schula wenig und er stellte den alten Abstand wieder her. Ohne Aufrege verlief die Zeit bis zum Mittag. Gegen 11 Uhr meldete Jestädt aufgeregt, dass der dritte Gang weg war und der vierte nur noch schwer zu schalten war. Mit bangen Gesichtern beratschlagte man, wie es weiter gehen sollte. Nachdem alles wie am Schnürchen gelaufen war, sollte dies das Ende sein? Schula überlegt nicht lange und übernahm als Routinier nochmals das Steuer. Kurze Zeit später meldete er auch noch den Ausfall des vierten Ganges. Nun kam hektische Unruhe auf. Doch der Blick auf den Zeitmonitor zeigte, dass Schule seinem Verfolger trotz kaputtem Getriebe fünf Sekunden pro Runde abnahm. Erleichterung machte sich breit und Herbert Stenger, dem etwas bange vor der Verantwortung war, den letzten Turn zu fahren, atmete erleichtert auf. Mit all seiner Abgebrühtheit aus über 35 Rennjahren behielt er den Vorsprung und machte den Sieg perfekt.
Die gesamte Matthes Truppe war nach der Zieldurchfahrt aus dem Häuschen. Erhofft hatte man sich ja ein gutes Ergebnis und nun war der Sieg perfekt. Diese Riesenfreude teilte auch das Team Manthey, die mit ihrem dritten Sieg in Folge, die Nürburgring-Trophäe in ihr Eigentum überführte. Aus dem gleichen Team kamen auch die Zweitplatzierten. Das Siegertreppchen wurde durch den Porsche des Frikadelli Teams mit Sabine Schmitz, Klaus Abbelen, Dr. Edgar Althoff und Kenneth Heyer komplettiert. Der veranstaltende ADAC Gau Nordrhein hat wieder einmal gezeigt, dass, wenn das Wetter einigermaßen mitspielt, das 24h Rennen Nürburgring weltweit ein herausragendes Motorsport Highlight ist. (KF Höhn). +++