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GELNHAUSEN Vom Wort zum ganzen Satz

Schulbegleiter der Sophie-Scholl-Schule mit Gebärdenschulung

11.05.15 - „Für die Gebärde muss man immer überlegen, was hinter einem Satz, den wir lautsprachlich äußern, steht“, sagt Bettina Müller. „Wir fragen zum Beispiel: Wie geht es Dir?, wollen damit aber nicht wissen, wo jemand hinläuft.“ Deshalb frage man mit Gebärden: Wie fühlst Du Dich? Eine Unterscheidung zwischen dem Duzen und Siezen kenne die Gebärdensprache nicht. Bettina Müller gebärdet die Frage nach dem Befinden und gibt diese dann an die Teilnehmer des Kurses „Gebärden in der Unterstützten Kommunikation – lautsprachunterstützte Gebärden“ weiter. Unter ihnen sind fünf Schulbegleiterinnen aus der Sophie-Scholl-Schule Hanau.

Die inklusive Grundschule gehört ebenso wie das direct-Beratungszentrum in Gelnhausen, wo Bettina Müller im Fachbereich Unterstützte Kommunikation arbeitet, zum BWMK (Behinderten-Werk Main-Kinzig e.V.). Im BWMK, das Menschen mit Behinderung mit seinen Arbeits-, Wohn-, Lern- und Beratungsangebote zu größtmöglicher Selbstständigkeit verhelfen will, werden vor allem die lautsprachunterstützten Gebärden im Umgang mit Menschen genutzt, die sich lautsprachlich nicht ausreichend äußern können. „Hierbei handelt es sich aber nicht um Gebärdensprache“, erklärt Bettina Müller. „Diese verfügt über eine eigene Grammatik und ist sehr komplex. Wir gebärden nur die wichtigsten Wörter eines Satzes, damit dieser verständlich wird.“ Ziel des Einsteiger-Kurses sei es deshalb am Ende des Tages einen Gebärdenwortschatz von 100 Gebärden zu beherrschen.

Für die fünf Schulbegleiterinnen aus der Sophie-Scholl-Schule ist dies zwar der erste Kurs, aber sie arbeiten längst mit Gebärden. Sie wurden von ihren Kollegen in diese Art der Kommunikation eingeführt und zusammen mit den Schülern lernen auch sie täglich neue Gebärden hinzu. „Heute lernen wir von den Zwei-Wort-Sätzen wegzukommen und vollständige Sätze zu gebärden“, erklärt Schulbegleiterin Hilal Akodgan. „Wir sehen hier aber auch, dass wir in der Schule bereits viel über Gebärden gelernt haben“, ergänzt ihre Kollegin Christina Mühl. „Der Kurs macht viel Spaß, wir sind eine tolle Runde“, so Silke Hocke.

Der Kurs beginnt damit, dass sich die Teilnehmer miteinander unterhalten und sich dann darüber austauschen, was Kommunikation ausmacht und wie diese funktioniert. Anschließend setzen sie sich paarweise gegenüber. Während einer der Partner nicht sprechen und nur mit Kopfnicken oder –schütteln antworten darf, muss sein Gegenüber mit Fragen herausfinden, wie der Satz lautet, den Bettina Müller zuvor an die „stummen“ Personen ausgeteilt hatte. „Es ist eine interessante Selbsterfahrung, selbst nicht sprechen zu können, aber alles zu verstehen, was der Gesprächspartner von einem möchte“, erklärt Bettina Müller diese Vorgehensweise. „Manchen der Menschen mit Behinderung in unserem Unternehmen geht es da ähnlich.“

Die Kursteilnehmer haben viel Spaß am Lernen. Nach dem Mittagessen beispielsweise spielt Bettina Müller mit ihnen Abklatsch-Memory. Dabei gibt es zu einem Wort jeweils ein Kärtchen mit der entsprechenden Gebärde und ein Kärtchen mit dem dazugehörigen Symbol, was Menschen, die nicht lesen können, Wörter einfacher darstellt. Immer wenn ein Teilnehmer ein Kärtchen aufdeckt, gebärdet die Gruppe gemeinsam den entsprechenden Begriff. „Bei dem Wort ,hören‘ sind die Kärtchen etwas verwirrend“, sagt Bettina Müller. „Denn bei der Gebärde deutet man Geräusche an, die ins Ohr hineingehen, das Symbolbild aber zeigt Geräusche, die aus dem Ohr hinausgehen. Würde man das so gebärden, würde das ,Klingel‘ bedeuten.“ „Wir lernen hier besser mit den Schülern kommunizieren zu können, die sich lautsprachlich gar nicht oder nicht so gut ausdrücken können“, sagt Schulbegleiterin Silke Hocke. „Das ist uns sehr wichtig, denn wir sehen täglich wie viel Spaß die Kinder in der Kommunikation mit uns und ihren Mitschülern haben.“

Die fünf Schulbegleiterinnen arbeiten teilweise schon seit Eröffnung der Schule dort, andere sind erst seit dem Sommer mit Beginn des neuen Schuljahres dazu gekommen. „Wir Schulbegleiter sind im Prinzip für alles da, was unsere Schüler mit Förderbedarfen betrifft“, erklärt Nadja Langer ihre Aufgaben. „Wir unterstützen Schüler bei der Kommunikation mit anderen, geben Hilfestellung im Unterricht, in den Pausen, beim Mittagessen und am Nachmittag oder begleiten Toilettengänge.“ Vor allem die Fortschritte der sogenannten Pluskinder sei eine große Motivation für die Schulbegleiter. „Und ihre Herzlichkeit“, sagt Anke Viel. „Außerdem haben wir ein tolles Kollegenteam.“

Im August 2013 wurde die Sophie-Scholl-Schule in der Hanauer Lamboystraße eröffnet. Derzeit besuchen 41 Erstklässler und 41 Zweitklässler die inklusive Ganztagsschule. Der Unterricht ist nicht nur inklusiv, sondern auch jahrgangsgemischt gestaltet. +++


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