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REGION NACHGEDACHT 165

Internet - höflichkeitsfreie Zone?...Gedanken von Christina LEINWEBER

ZUR PERSON: Christina Leinweber, 1988 geboren in der osthessischen Bischofsstadt Fulda, neun Jahre katholisch-private Schulausbildung – so war der Weg zum Theologiestu-dium für sie vorbestimmt und beschlossen. Es ging dann für vier Jahre Studium in die nächste Bischofsstadt Paderborn - hatte dann ihr erstes Staatsexamen in der Tasche, bestand nach einjähriger Refendarzeit in Lauterbach auch das zweite Staatsexamen und ist seit Beginn des Schuljahres 2015/2016 Lehrerin an einer Fuldaer Mädchenschule. Ihre Tätigkeit als Kolumnistin bei osthessen-news.de möchte sie auch in Zukunft fortsetzen. Sie selbst bezeichnet sich als liberal-theologisch und kommentiert (seit 165 Wochen) in der Serie NACHGEDACHT Dinge des Alltags aus ihrer persönlichen Sicht.

06.03.16 - Endlich Frühling, meteorologisch jedenfalls. Er lässt sich tatsächlich zwar noch Zeit, dennoch bedeutet März für mich: Neuanfang, Altlasten weg, Frische und aufregend Neues in mein Leben und auch in meine Wohnung. Denn dekorativ darf sich auch ruhig zeigen, dass die Natur wieder aufblüht. Das hieß aber in der letzten Woche: Die alte Deko musste sortiert und ausgemistet werden, denn der Schrank, der eigens für Krimskrams, Vasen und Blumentöpfe reserviert ist, ist am Platzen.

Kein Problem: Alles, was zwar noch schön ist, aber nicht mehr gewollt wird, habe ich im Internet angeboten. Doch auf diesem virtuellen Flohmarkt weht ein rauher Wind, der mir ein bisschen zu heftig um die Nase wehte: Gleich zwei Mal wollte eine junge Frau zu mir kommen, um etwas zu kaufen. Und gleich zwei Mal kam sie nicht. Geschlagene acht Stunden habe ich gewartet. Und sie konnte nicht einmal absagen. Nichts. Absolut gar keine Nachricht landete im Postkasten, um mir mitzuteilen, dass sie doch nicht kommt.

Als ob das nicht genug wäre, hat mich eine andere Frau genau wegen desselben Artikels im Minutentakt angeschrieben, ist aber dann niemals aufgetaucht, obwohl sie mehrfach beteuerte, das Stück unbedingt kaufen zu wollen. Sie wollte sogar mehr zahlen, um es unbedingt zu bekommen. Trotzdem kam sie nie. Und keine Nachricht, um abzusagen. Wieder. Ach, was hab ich mich geärgert. Und wie oft wollte ich diesen Damen sagen: "Habt ihr keinen Anstand, abzusagen! Das gehört zur Höflichkeit!"

Anstand - ein aussterbendes Gut, besonders im Internet? Tatsächlich glaube ich wirklich, dass uns in der virtuellen Welt noch mehr die Regeln für das Miteinander fehlen, als im "analogen Leben". Es wird gepostet, geschrieben und gelogen. Ohne Grenze. Menschen, die sich nicht ausdrücken können und niemals gelernt haben, Kritik konstruktiv und sachlich zu verbalisieren, dürfen andere Menschen bewerten und fertig machen. Unter jedem Text steht ein Kommentarbutton, der nur leider allzu oft mit Nonsens ausgefüllt wird und ganz häufig die Grenze der Höflichkeit und des Niveaus überschreitet.

Die virtuelle Welt erlaubt uns also, gemeiner, fieser und verlogener zu sein, weil wir nicht persönlich vor unserem Gegenüber stehen müssen? Vielleicht ist es so, weil das virtuelle Gegenüber anonym bleibt. Dennoch: Höflichkeit und Anstand gehören in beide Welten. Ob im Internet oder im direkten Kontakt. Und den Sinn des Anstands erläutert Joseph Joubert vortrefflich: "Höflichkeit ist die Blüte der Menschlichkeit. Wer nicht höflich genug ist, ist auch nicht menschlich genug." (Christina Leinweber) +++


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