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Joachim WIEBEL zeigte Spielzeug aus dem vergangenen Jahrhundert
15.04.16 - „So ein Spielzeug hatte ich früher auch“. Als die 82-jährige Bewohnerin im Stadtteilzentrum an der Kinzig in Hanau auf einen alten Brummkreisel zeigte, der ihr als Kind beim Spielen so viel Freude bereitet hatte, war auch Joachim Wiebel klar, dass er die richtige Auswahl getroffen hatte. Der Mitarbeiter des hessischen Puppen- und Spielzeugmuseums hatte im Stadtteilzentrum an der Kinzig in Hanau aus seinen Koffern und seinen Kisten über 100 Exponate der Dauerausstellung auf den Tisch gestellt.
Initiiert worden war die Aktion, die auch in anderen Seniorenrichtungen der Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises fortgesetzt werden soll, von Gesinde Krotz vom Verein der Freunde & Förderer für Menschen mit altersbedingten und dementiellen Einschränkungen in Pflegeeinrichtungen („Vereint helfen“) in Hanau. Sie wollte mit ihrer Idee „die Innenwelt der Senioren mit der Außenwelt in Hanau zusammenbringen und dabei auch noch etwas Werbung für das Hanauer Museum machen“. Hier gehört die aktive Dame ebenfalls zu den Förderern. Ludmila Knodel, die Einrichtungsleiterin des Stadtteilzentrums, richtete den Fokus dieses Spielzeugnachmittags verständlicherweise vor allem auf die Bewohnerinnen selbst. Mit derIdee von Gesine Krotz und dem Engagement von Joachim Wiebel sollen die Seniorinnen und Senioren über die Erinnerungen an die eigene Kindheit ins Gespräch kommen, sich unterhalten.
Bekanntlich sind vor allem bei Demenz Erkrankten Gedächtnisfunktionen und die intellektuellen Leistungen gestört. Der Erkrankte ist an einer normalen Interaktion mit der Umgebung gehindert und in seinen alltäglichen Aktivitäten beeinträchtigt. Eine zunehmende Störung des Sprachverständnisses und der Mitteilungsfähigkeit führt zu einer Entfremdung. Knodel: „ Umso wichtiger ist es, dass diese Menschen im Gespräch bleiben, miteinander reden. Das Gespräch gehört zu den wichtigen bandstiftenden Ritualen. Das wollen wir fördern.“ Die 20 Bewohnerinnen des Stadtteilzentrums an der Kinzig, die ihr Interesse an der Vorführung von Joachim Wiebel bekundet hatten, hatten sich bei der Vielzahl und der Bekanntheit der Spielzeuge aus der Ausstellung des Puppen- und Spielzeugmuseums viel zu erzählen. Autos flitzten über die Tische, ebenso ein Traktor mit Anhänger und eine Dampfwalze. Und sogar eine Eisenbahn fuhr auf einer Schiene entlang. Mehrere Kettenkarussells drehten sich. Und bunte Blechvögel sprangen zwischen den mehr als 100 Spielsachen umher. Ähnliche Spielzeuge gehörten auch zum früheren Spielzeugschatz der einen oder anderen Bewohnerin.
Im Fokus der Bewohnerinnen vor allem die mechanischen Spielsachen, das heißt die Blechspielsachen mit Aufziehmotoren, die mit Beginn der Biedermeierzeit (1815) Hochkonjunktur hatten. Am meisten Krach erzeugte dabei ein Affe, der als Trommler auftrat. Davon ließen sich die Bewohner beim Spielen und Debattieren über „ihr“ Spielzeug nicht abhalten, auch nicht die Einrichtungsleiterin Ludmila Knodel, der es, inmitten der Bewohner sitzend, vor allem die Puppe auf dem Motorrad angetan hatte. +++