17.05.16 - Seit zwei Wochen ist Marco Lohsse, Trainer der Reserve des TSV Lehnerz, wieder zurück an der Seitenlinie. Knapp vier Monate hatte der 37-Jährige krankheitsbedingt gefehlt, nun hat Lohsse sein Amt als Übungsleiter wieder aufgenommen. Eine lange Leidenszeit mit gutem Ausgang ist vorbei und Marco Lohsse ist einfach nur froh, wieder mit seiner Mannschaft, seinen Jungs, arbeiten zu können.
Als Marco Lohsse im Januar einen Arzt aufsucht, ahnt er noch nicht, dass dieser Tag sein bisheriges Leben auf den Kopf stellen wird. Dass mehr dahinter steckt, als eine Kleinigkeit. „Da ist etwas im Körper, dass da nicht hingehört“, habe man dem 37-Jährigen gesagt. Er wird in ein Krankenhaus geschickt. Untersuchung folgt auf Untersuchung. Dann die schockierende Diagnose: Tumor. „Man rechnet mit dem Schlimmsten“, erzählt Marco Lohsse nun, nachdem er die schwierigste Phase seines Lebens überstanden hat. Er wird sofort operiert und nach vier Tagen quälender Ungewissheit, bekommt er gute Nachrichten: Denn die Schwellung in Lohsses Körper erweist sich glücklicherweise als gutartiger Tumor und nicht als Krebs.

Vier Wochen musste Lohsse im Krankenhaus verbringen

"Mir ging es nicht gut", sagt der 37-Jährige über die wohl härteste Phase seines ...

Knapp vier Monate später ist Marco Lohsse fast wieder der Alte
Dennoch: für den ehemaligen Stürmer beginnt eine lange, harte Zeit. Marco Lohsse darf nichts essen, nimmt in zwei Wochen elf Kilo ab. Zudem muss der 37-Jährige einen zweiten Eingriff überstehen, weil Operations-Nähte gerissen waren. „Mir ging es nicht gut, es war eine schwere Zeit“, sagt Lohsse, der vier Wochen im Krankenhaus in Behandlung verbringt, „aber ich habe nach vorne geschaut.“ Seine Laufbahn als Sportler, so vermutet Lohsse, habe ihm dabei geholfen. Denn als Fußballer habe er gelernt, zu kämpfen. Nie aufzugeben. Das Wichtigste aber war seine Familie. Seine Eltern und Frau Nadine kamen täglich zu Besuch. Kümmerten sich und unterstützten Marco Lohsse, wo es nur geht. Und auch sein Verein, der TSV Lehnerz, hilft seinem Übungsleiter bei seiner Rehabilitation. Sein Platz an der Seitenlinie übernimmt vorübergehend Niklas Herget (19), dann soll im Sommer, so der Plan, Marco Lohsse wieder übernehmen.
Nach vier Wochen befindet sich Lohsse auf dem Weg der Besserung. „Ich habe dann gemerkt, dass es Woche für Woche besser wird“, erzählt der Technische Angestellte bei einem Bauunternehmen, der sich derzeit in der beruflichen Eingliederungsphase befindet. Nun, knapp vier Monate später, ist Marco Lohsse fast wieder der Alte. Er darf auch wieder Sport, wenn auch nur in leichter Variante, treiben. Er fährt Fahrrad und bringt sich mit Tanzen in der Tanzschule seiner Frau in Form. „Ich habe nur eine Einschränkung, dass ich nichts schweres heben darf“, erzählt Lohsse, der früher als geplant an die Seitenlinie zurückkehrt. „Eine Woche vor dem Spiel in Neuhof habe ich mein Comeback ins Auge gefasst“, sagt der 37-Jährige, der zunächst wieder zwei Trainingseinheiten leitete. „Ich habe große Vorfreude empfunden und einfach nur Spaß gehabt.“

In drei Spielen seit seiner Rückkehr gab es für Lehnerz II zwei Niederlagen und einen ...Foto: Carina Jirsch

Sein Comeback hätte mit dem 4:0 über Neuhof schöner aber nicht sein können ...

Archivfotos (2): Julius Böhm
In den drei Spielen seit seiner Rückkehr gab es für die Lehnerzer Reserve zwei Niederlagen und einen Sieg. Dieser gelang gleich in seinem ersten Spiel. Sein Comeback gegen Neuhof hätte sich Marco Lohsse also nicht schöner ausmalen können – denn seine Jungs beschenkten ihn mit einem überzeugenden 4:0. „Ich genieße es einfach und will mich nicht unter Druck setzen lassen“, sagt Lohsse, der nach starker Hinrunde die Spielzeit im hinteren Mittelfeld der Tabelle beenden wird. Seit 16 Jahren ist der 37-Jährige nun bereits in Lehnerz und seit acht Jahren als Trainer für die zweite Mannschaft, die er aus der Kreisoberliga in die Verbandsliga führte, verantwortlich.
Pfeiffersches Drüsenfieber kostet Regionalliga
Dabei wäre daraus fast nichts geworden. Nach Differenzen mit dem damaligen Trainer der ersten Mannschaft, Bardo Hirsch, stand Lohsse vor dem Abschied. Martin Geisendörfer und Markus Schuchert hätten ihn aber überredet, als Spielertrainer die Reserve zu übernehmen. Ein Glücksgriff, wie sich zeigen sollte. Denn neben den Aufstiegen schaffte es Lohsse immer, den talentierten Nachwuchs zu entwickeln und die Widrigkeiten und Schwierigkeiten einer zweiten Mannschaft aufzufangen.
2005 stand Marco Lohsse, der im Jahr zuvor Torschützenkönig in der Landesliga wurde, auf dem Sprung in die Regionalliga. Die Sportfreunde aus Siegen suchten Ersatz für den nach Köln abgewanderten Patrick Helmes – und fassten den treffsicheren Stürmer aus Osthessen ins Auge. „Ich wurde zum Probetraining eingeladen“, erinnert sich Lohsse. Aber daraus wurde nichts. Ihn erwischte das Pfeiffersche Drüsenfieber, mit dem Lohsse ein Jahr zu kämpfen hatte und ihn um eine mögliche höherklassige Karriere brachte. „Hätten sie mich genommen, hätte ich den Schritt gewagt“, so Lohsse. Damit hadert er aber nicht. Denn Marco Lohsse ist gesund. Das ist das Wichtigste. (Tobias Herrling) +++ 