Sehr ärgerlich sind die Modellsegelflugfreunde Bischofsheim über die Vorgehensweise der Regierung von Unterfranken, die ohne Rücksicht auf getroffene Absprachen neue Forderungen aufstelle. Statt ab dem 15. Juni sollen sie nun erst ab 1. August ihrem Hobby nachgehen dürfen. Es geht wieder einmal um das Fluggelände am Himmeldunkberg. Im vorigen Jahr wurde in Gesprächen mit der Bürgerinitiative „Freunde des Himmeldunk“, zu denen auch die Modellflieger gehören, der Stadt Bischofsheim, dem Landratsamt Rhön-Grabfeld mit der Regierung von Unterfranken eine Einigung erzielt, nach der die Modellflieger sich einer freiwilligen Selbstbeschränkung unterziehen und nur in der Zeit vom 15. Juni bis 31. Oktober ihr Hobby am Himmeldunkberg ausüben.
Sämtliche Vereinsmitglieder wurden informiert, es wurden Informationstafeln am Schwedenwallparkplatz und am Startgelände selbst aufgestellt. „Wir haben uns peinlich genau an die Abmachung gehalten“, so der Vorsitzende der Modellsegelflugfreunde Bischofsheim Wolfgang Süssner. Das Fluggelände wurde von Vereinsmitgliedern regelmäßig kontrolliert und Gäste, die von der Regelung keine Ahnung hatten, mussten weggeschickt werden. Nun flatterte der Bürgerinitiative am 26. Juni eine Nachricht der Regierung von Unterfranken, vom leitenden Regierungsdirektor Jörg Steinhoff, auf den Tisch, in dem er kritisiert, die freiwillige Selbstbeschränkung sei am 6. Juni nicht eingehalten worden. Weiter schreibt Steinhoff von einem Flugbeginn Anfang August, der von der Regierung so vorgeschlagen worden sei.
„Von Anfang August war nie die Rede“, ärgert sich Süssner über dieses Vorgehensweise des Regierungsdirektors Steinhoff. Auch Bürgermeister Udo Baumann ist mehr als entrüstet über die Art und Weise wie von Regierungsseite aus operiert werde. Er stellte sich zu 100 Prozent hinter die Bürgerinitiative und die Modellsegelflugfreunde und untermauerte den Flugbeginn zum 15. Juni. Die Modellflieger seien bemüht gewesen das Gelände bei Ostwindlagen regelmäßig zu kontrollieren, doch könne ein Verein keine 100prozentige Kontrolle erbringen, sagte Süssner „Von unseren Mitgliedern haben sich alle an die Vereinbarung gehalten, ist sich Wolfgang Süssner sicher.
Modellflieger Wichtig für Tourismus
Die Forderung der Regierung bis zum 1. August zu warten, lehnen die Modellflieger und auch die Stadt Bischofsheim ab. Viele Modellflieger aus anderen Bundesländern und dem europäischen Ausland kommen nach Bischofsheim, um hier ihrem Hobby nachzugehen. Der 1. August sei viel zu spät, um die Urlaubszeit in der Rhön zu verbringen, denn in vielen Bundesländern seien im August die Ferien schon wieder vorbei. Die Modellflieger seien für Bischofsheims Tourismus von „großer Bedeutung und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor“, der bei einer noch engeren Begrenzung der Flugzeiten wegfallen würde. Immerhin kommen 60 Prozent der Mitglieder der Modellsegelflugfreunde Bischofsheim aus ganz Deutschland und dem Ausland.
Regierung von Unterfranken in der Kritik
Wolfgang Süssner sieht in der Vorgehensweise der Regierung den Versuch die Bürgerinitiative zu entsolidarisieren. Immerhin sei den Wünschen und Vorstellungen aller anderen Gruppen Rechnung getragen worden, nur die Modellflieger unterwarfen sich einer freiwilligen Selbstbeschränkung, die nun noch weiter eingegrenzt werden soll. Bürgermeister Baumann vertraut darauf, dass der 15. Juni Bestand hat und sich die Regierung von Unterfranken an die damals gefundenen Lösungen halten wird. „Sonst ginge viel zu viel Energie auf beiden Seiten verloren“, sagte Baumann. Er wird in diesen Tagen mit der Regierung das Gespräch suchen.
Probleme am wertvollen Himmeldunkberg
Dass der Himmeldunkberg ein schützenswerter Berg sei wisse hier doch jeder. Niemand wollte die Artenvielfalt gefährden oder einschränken. Gerade die Menschen vor Ort seien sich doch darüber im Klaren wie wertvoll der Himmeldunkberg sei, sie wollen aber auch ein Zeitfenster haben, um ihren Berg in naturverträglicher Weise zu nutzen. Hierfür wurden Lösungen erarbeitet, die nun auch Bestand haben sollten. So dankte Baumann den Modellflieger für ihr Verständnis und ihre Bereitschaft zur Selbstbeschränkung, die wirklich vorbildlich sei. „Wir haben am Himmeldunkberg ganz andere Probleme als die Modellflieger“, machte Baumann deutlich. Als „Geisel der Menschheit“ bezeichnete er die Quads, die quer durch die Landschaft rasen. Dafür interessiere sich die Regierung merkwürdiger Weise überhaupt nicht.
Süssner machte darauf aufmerksam, dass die Ergebnisse der Besprechung zum Himmeldunkberg von Seiten der Regierung bis heute nicht schriftlich bestätigt wurden. Ein Jahr hatte die Behörde für das Protokoll Zeit, selbst für einen großen Beamtenapparat wie die Regierung von Unterfranken viel Zeit, um eine schriftliche Ausarbeitung zu erstellen. Um ihre Fluggelände am Himmeldunkberg zu pflegen und zu entbuschen, möchten die Modellsegelflugfreunde Bischofsheim auch in diesem jahr wieder, auf ihre Kosten, eine Entbuschungsaktion in enger Absprache mit der unteren Naturschutzbehörde vornehmen. Vor einigen Jahren wurde das Gelände schon einmal auf diese Weise gepflegt, was sich doch sehr bewährt habe. (me)+++