Wenn in Peking am kommenden Freitag, 8. August die Olympischen Spiele beginnen, dann ist auch Ralf Schumann aus Stockheim im Landkreis Rhön-Grabfeld mit dabei. Es ist für ihn die vierte Olympiade. 1992, 1996 und 2004 holte er mit der Schnellfeuerpistole die Goldmedaille für die deutsche Olympiamannschaft. Schumanns Heimatverein ist das Schießsportzentrum im thüringischen Suhl und dort ist er auch als Trainer im Schützenbund tätig. Wer in seinem Wohnort Stockheim in der Rhön nach Ralf Schumann fragt oder gar mehr über ihn wissen möchte, der wird enttäuscht. Der mehrfache Olympiasieger lebt hier nämlich sehr zurückgezogen.
ZUM FOTO: Ralf Schumann in Stockheim ist mehrfacher Olympiasieger und zur Zeit auf dem Weg nach Peking. Dort will er versuchen wieder eine Medaille für Deutschland zu holen. In seinem Schrank zu Hause, da hat er schon zahlreiche Auszeichnungen, Pokale und Medaillen. Foto: Friedrich
Die Stockheimer wissen, daß er ein Haus am Ortsrand hat, daß er ein bekannter Olympiasportler ist und, daß er so ab und zu beim Joggen zu sehen ist. So ab und zu sieht man ihn mit seiner Frau Anke aber auch im Garten oder beim Spazieren gehen. Bürgermeister Martin Link, der nennt ihn einen besonderen Mitbürger in der Gemeinde, der sehr zurückgezogen lebt. Seine besonderen Leistungen im Schießsport und, daß er in Stockheim in der Rhön lebt, hätten natürlich auch Stockheim seit Jahren weltweit bekannt gemacht. Bürgermeister Link: „Wir drücken ihm natürlich auch für die kommenden Wochen ganz fest die Daumen und würden uns freuen, wenn wir ihn als Olympiasieger wieder, wie schon oftmals in den vergangenen Jahren wieder empfangen dürften.
Warum Schumann so wenig Kontakte in seiner Heimatgemeinde hat, führt der Bürgermeister auf die hohen Leistungsanforderungen des Spitzensportlers zurück. So sei er viel in Trainingslagern aber auch auf den Schießständen im nahegelegenen Suhl. Der Bürgermeister freut sich aber schon heute auf den Empfang mit dem Olympiasieger. Wie immer würden die Stockheim dann sicher wieder mit dabei sein und ihren Ralf Schumann feiern. Bis dahin ist aber noch ein wenig Zeit – Zeit, die Ralf Schumann nutzt um sich auf die Olympiade vorzubereiten. In diesen Tagen, da ist er deshalb in Bordeaux auf einem Trainingslager, wo er auf Sportler anderer Nationalmannschaften trifft. In klimatisch warmen Bedingungen bereite man sich dann auf die Olympiade vor, denn in China herrschen bekanntlich wärmere Temperaturen als in Deutschland.
Ralf Schumann ist Sportschütze und das heißt für ihn beinahe täglich zu trainieren. Die Vorgaben sind dabei auf fünf Scheiben in 25 Metern Entfernung zu schießen. Dabei werden 60 Schuß Munition abgefeuert. Normalerweise geht Ralf Schumann fünf Tage lang in der Woche zum Schießen und bei diesen Übungen werden rund 40.000 Schuß pro Jahr abgegeben. Bereits im November beginnt dies und zwar zunächst mit Technik Training, bevor die internen Vorbereitungen im Februar und im März folgen. Danach beginnen schon die Weltcups und auch Qualifikationswettkämpfe.
Fragt man den mehrfachen Olympiasieger nach seiner Laufbahn, erinnert er daran, daß alles einmal in Meißen und zwar im Jahr 1977 begonnen hat. Damals wurde Schumann entdeckt und gefördert. Die ersten Erfolge stellten sich schnell ein bis hin zum DDR-Meistertitel. Daraufhin kam er zum Sportklub nach Leipzig, hatte zuvor aber den ersten Beruf gelernt bevor er dann vom Kraftfahrzeugschlosser zum Feinmechaniker umschulte. Der Grund war unter anderem, daß er seine Hände dabei schonte. Denn die sind bekanntlich beim Pistolenschießen ganz wichtig, lacht Ralf Schumann.
Dreimal kam er in den vergangenen Jahren als Olympiasieger nach Hause und will natürlich auch in Peking wieder sein Bestes geben. „Das Ziel ist natürlich eine Medaille und ich will dort gewinnen.“ Schließlich vertrete er Deutschland und darauf sei er besonders stolz. Egal sei dabei, ob das in früheren Zeiten die DDR war oder heute das wiedervereinigte Deutschland. „Es ist eine gute Sache, daß sich das so verändert hat, und wir wieder ein Land sind,“ fügt er an. Ralf Schumann lebt bewusst zurückgezogen in seinem Haus am Ortsrand von Stockheim. Ein wichtiger Bestandteil in seinem Leben sind seine Familie und der Glaube und hier das Leben mit Jesus. Das habe ihm in den vergangenen Jahren sehr viel gebracht, weshalb er nun auch ganz bewusst im Glauben lebt. „Jesus steht bei mir an erster Stelle, denn er hat mein Leben gerettet und führt zum Segen,“ sagt der Sportschütze. Er habe das Glück, daß er sein Hobby mit arbeiten verbinden kann und seinen eigenen Sport ausübt.
Ralf Schumann ist im Verein in Suhl aktiv, wo er als Trainer eingesetzt ist und sich hier um die Jugend und denn Nachwuchs kümmert. Er sei aber auch immer für jeden greifbar und Ansprechpartner. Zu Hause, steht ihm seine Frau Anke zur Seite und mit ihr hat er auch sportlich eine Ansprechpartnerin, da sie über viele Jahre hinweg selbst Sportlerin war. Anke Schumann war Pistolen- und Sportpistolenschützin und hat hier einige Erfolge „eingeheimst.“ So ist es kein Wunder, daß sie mit ihrem Mann fachsimpeln kann, aber auch weiß, wie das ist, wenn man viele Wettkämpfe hat und das Training noch dazu kommt. Bei Wettkämpfen sie übrigens ganz selten dabei, verfolgt aber natürlich, wie jetzt die Olympiade, am Bildschirm. „Da wird dann mitgezittert, die Daumen gedrückt und natürlich auch mitgejubelt,“ lacht Anke Schumann. Natürlich sei man telefonisch im Kontakt und manchmal da müsse dann auch einmal Aufbauarbeit geleistet werden.
Wer zu Ralf Schumann kommt, der findet einen Sportler vor, der „auf dem Teppich geblieben ist,“ der nicht ob seiner Erfolge „abgehoben“ hat. „Das liegt mir nicht und ich wüsste nicht warum ich das sollte,“ sagt der mehrfache Olympiasieger. Dann läßt er aber einen Blick in einem Glasschrank zu und dort findet man dann unzählige Pokale und Medaillen, die Schumann hier gesammelt hat und die ihn an oft harte Wettkämpfe erinnern. (hf). +++