05.08.16 - 1. Juni 2015: Tim Stenger steht im Gästeblock des Karlsruher Wildparkstadions und erlebt den drohenden Abstieg seines Hamburger SV in der Relegation hautnah mit. Marcelo Diaz rettet den HSV kurz vor dem Ende in die Verlängerung, der Rest ist bekannt. Mit Stenger in Karlsruhe dabei: Sven Bednarek und Timo Peikert.
Bednarek ist damals Stengers Trainer in Bachrain, Peikert trainiert die Reserve von Borussia Fulda. Ein gutes Jahr später ist Peikert Stengers Trainer beim Klub aus der Johannisau, zu dem der 23-Jährige in diesem Sommer gewechselt ist. „Wir kannten uns schon vorher, aber der Kontakt zu ihm ist durch dieses Spiel entstanden“, sagt Stenger, der zuletzt ein halbes Jahr pausierte und nun wieder in der Gruppenliga auf Torejagd geht. Nach Bednareks Entlassung in Bachrain packt auch Stenger seine Koffer – und wird mit der SG Johannesberg in Verbindung gebracht. „Nachdem Oliver Starke dort aber entlassen wurde, habe ich meine Zusage zurückgenommen“, sagt Stenger, der am Samstag (17 Uhr) mit seinem neuen auf seinen „Fast-Klub“ trifft.

Schwärmt von seinem neuen Klub: Tim Stenger ist bei Borussia Fulda vollauf zufrieden ...

Tim Stenger (links) im Gespräch mit O|N-Sportvolontär Tobias Herrling ...

Am Samstag trifft Stenger mit der Borussia-Reserve auf die SG Johannesberg ... ...
Ein besonders Spiel? Mitnichten. „Zu Johannesberg habe ich keine Verbindung, ich wäre nur wegen Ole Starke dorthin“, entgegnet Stenger und ergänzt. „Für die Medien ist das natürlich interessant, aber für mich ist das ein Spiel wie jedes andere.“ Mit Borussias Reserve, frisch in die Gruppenliga aufgestiegen, holt Stenger zum Auftakt am vergangenen Sonntag ein 3:3-Unentschieden gegen Großenlüder. „Das war natürlich zu wenig. Wir haben 20 Minuten im zweiten Abschnitt verschlafen und wurden bestraft“, so Stenger im Rückblick. Mit Johannesberg warte nun ein anderes Kaliber und ein ganz starker Gegner, der sich ordentlich verstärkt habe.
„Es ist ein Derby. Ich hoffe auf tolles Wetter und viele Zuschauer“, blickt Stenger dem Spiel mit Vorfreude entgegen. In der Johannisau hat sich der Offensivmann so gut eingelebt, dass er beinahe ins Schwärmen gerät. „Etwas Besseres hätte mir nicht passieren können“, sagt Stenger über die Truppe und das Umfeld der Borussia. „Man fühlt sich fast wie ein Profi, wenn man die Bedingungen hier sieht.“ Mit der SCB-Reserve will sich Stenger in der Gruppenliga etablieren, ein Platz im Mittelfeld das erklärte Ziel.

... zu der er im Winter beinahe gewechselt wäre

Mit Borussia will der 23-Jährige in der Gruppenliga angreifen

"Der Torjäger werde ich nicht mehr", lacht Stenger über manch vergebene Groß-Chance ...
Seinen Platz im System von Trainer Peikert hat Stenger gefunden und einen Stammplatz in der Offensive quasi sicher. Dass Tim Stenger – trotz meist guter Trefferanzahl – gerne mal die eine oder andere Groß-Chance liegen lässt, sieht der 23-Jährige mit einem Lächeln. „Der Torjäger werde ich nicht mehr“, lacht Stenger, „aber ich habe mich und ich wurde auch noch nie an Toren gemessen. Ich sehe mich eher als Vorbereiter und stelle mich in den Dienst der Mannschaft.“
Der aus Schlitz (Vogelsbergkreis) stammende Stenger hat einen Sommer voller Veränderungen hinter sich: fußballerisch der Wechsel zur Borussia sowie privat der Umzug aus Schlüchtern, wo er als Industriekaufmann arbeitet, nach Edelzell. „Ich bin mit meiner Freundin zusammen gezogen und wir haben uns auf Fulda geeinigt. Das hat mit allem einfach perfekt gepasst“, erzählt Stenger, der sich früher auch als Leichtathlet probierte. „Ich war Sprinter, habe mich dann aber auf Fußball konzentriert. Davon profitiere ich heute noch, es gibt wohl keinen schnelleren Stürmer in der Gruppenliga“, glaubt Stenger.
Ambitionen für den Hessenliga-Kader habe er aber keine. „Das ist derzeit vom Aufwand nicht machbar, aber wer weiß, was in einem Jahr ist“, sagt Stenger, der sich zunächst voll und ganz auf die Saison mit der Reserve in der Gruppenliga konzentrieren möchte. Einen Trip zu seinem Hamburger SV, da ist sich Stenger sicher, wird es auch in diesem Jahr wieder geben. Karlsruhe wird es dann aber auf jeden Fall nicht werden. (Tobias Herrling) +++ 