Es war unüberhörbar, daß am Rothof bei Sulzfeld am Samstag einiges los war. Das Bellen der Hunde war weithin zu hören und wer gegen Mittag an einem Waldstück Reiter sah, der wußte spätestens dann, daß hier eine Jagd stattfand. Eine ganz besondere Jagd allerdings, bei der nicht nach lebenden Waldtieren gejagt wurde, sondern eine Schleppjagd Hunde und Reiter begeisterten. Die „Frankenmeute“ ein Zusammenschluß fränkischer Reiter, die aufgrund althergebrachter Traditionen Schleppjagden veranstalten, feierte ihr 30 Jähriges Bestehen. Dazu waren natürlich viele Geburtstagsmeuten gekommen Mit dabei waren die „Geiseltalmeute, die Münsterlandmeute und die Vogelsbergmeute.“
Die Frankenmeute gibt es seit 1976. Sie versteht sich als eine Equipage, die hinter laut und spurtreu jagenden Hunden reitet. Deshalb wird schon beim Einjagen der Junghunde darauf geachtet, dass die Hunde zuverlässig ihre Nase gebrauchen. Die spielerische Suche nach dem Pansen, der von einem Equipagenmitglied außer Sicht der Hunde über eine Wiese geschleift wurde, ist die Grundlage für das sichere Jagen der erwachsenen Hunde auf der Schleppe, erklärt der Präsident der Frankenmeute, Jürgen Höpfner. Die Frankenmeute versteht sich als sportlich reitende Meute, die auch Sprünge nicht scheut, deren größtes Interesse aber der Arbeit der Hunde gilt. Die Jagdstrecke am Samstag betrug 15 Kilometer.
Uwe Hochbrückner aus Bad Königshofen reitet seit vielen Jahren. Bei der Frankenmeute ist er allerdings erst seit knapp zwei Jahren. Ihn fasziniert dabei vor allem die Arbeit mit den Hunden. Hier vor allem wie mit ihnen gearbeitet wird und wie sie in der Meute der gelegten Fährte folgen. Für diese Arbeit ist viel Zeit erforderlich. Vor allem natürlich an den Wochenenden. Dabei müssen dann auch Junghunde in die Meute eingearbeitet werden. Ein nicht immer leichtes Unterfangen Eine ganze Anzahl von Trainingseinheiten sind dabei notwendig. Dabei wird mit den Hunden zu Fuß, dann aber auch zu Pferd gearbeitet. Die Frankenmeute hat insgesamt fünfzig Beagles und wenn dieses Rudel zusammen ist, dann ist einiges los. Das konnte man am Rothof bei Sulzfeld erleben. Durch die Familie Potthoff am Gut Rothof war es möglich geworden, dieses jagdliches Reiten durchzuführen.
Dietmar Jucht reitet seit mehr als 25 Jahren und ist auch schon solche Schleppjagen mitgeritten. Das sei natürlich etwas ganz anderes, wenn hier die Hundemeute losprescht und Pferd und Reiter hinterher galoppieren. Das jagdliche Reiten am Samstag nannte Jucht ein Highlight. Das sieht auch der Präsident der Frankenmeute so, der seit 19 Jahren dieses Amt inne hat. Er kennt sich also aus und erklärt, daß schon vor Jahrhunderten solch jagdliches Reiten stattfand. Damals allerdings jagte man auf lebendes Wild, so unter anderem Hirsche, Wildschweine, Fuchs und Hase. Heute wird nur eine Wildspur gezogen, denen die Hunde folgen. Bei der Frankenmeute ist es Pansensaft, der als Spur ausgelegt wird. Was fasziniert ihn an diesem Reiten? Es sei die Faszination der Natur, die man vom Pferd aus erlebt und vor allem die Arbeit der Hunde. Diese sei hochinteressant. In der Meute gebe es einen sogenannten „Kopfhund“, der die Nase immer am Boden hat und der Spur folgt, während die anderem im folgen. Nicht vergessen dürfe man natürlich das gemeinsam Erleben mit den anderen bei der Jagd.
Mehr als 150 Beagles wuselten zunächst am Rothof, als die einzelnen Meuten vorgestellt wurden und hier sah man auch, wie sich die Hunde untereinander verständigten und blitzschnell reagierten. Die Reiter selbst sind natürlich hinter den Hunden und verfolgen damit die Spur. Natürlich komme es dabei vor, daß die Vierbeiner auch einmal in unwegsames Gelände gehen und die Reiter auch Hindernisse überwinden müssen. Der Abstand zwischen Pferd und Hunden beträgt dabei oftmals bis zu zwanzig Metern. Ganz wichtig sei es, daß man nicht zu nah aufreitet, damit auch den Hunden nichts geschieht. Mitglied der Frankenmeute kann übrigens jeder werden, der jagdliches Reiten mag. Mitreiten kann prinzipiell jeder, er muß nicht Mitglied sein, sagt der Präsident und nennt im Raum Rhön-Grabfeld Reiter aus Thüringen, den Haßbergen und Hessen. Hunde für eine solche Schleppjagd hat wiederum der Schleppjagdverein.
Am Ende der Jagd wartete auf die Hunde natürlich eine Belohnung, wenn sie den Pansen gefunden hatten. Diesen erhalten sie als Dankeschön. Früher, so Jürgen Höpfner, hätten die Hunde den „Aufbruch“, also die Innereien des erlegten Wildes bekommen. In Bayern gibt es lediglich zwei Schleppjagdvereine und zwar den einen in Oberbayern, in der Nähe von Augsburg, und die Frankenmeute. Wer glaubt, daß die Reiter in normaler Reitkleidung auf den Pferden sitzen, der wurde in Sulzfeld eines Besseren belehrt. Ein grüner langer Frack, darunter eine rote Weste, schwarze Hose und hohe Reitstiefel, sowie eine schwarze Reitkappe waren angesagt. Das sogenannte Tenue, das aus Frankreich kommt, denn von dort kommt auch die Schleppjagd. Ebenfalls aus Frankreich kommen die Jagdhörner, die vor und zum Aufbruch der Jagd geblasen wurden. Es sind dies ganze leichte Instrumente, die in „D“ gestimmt sind. In Deutschland sind die Jagdhörner auf „S“ gestimmt. Deshalb klang es schon etwas ungewöhnlich, als in Sulzfeld dann zur Jagd geblasen wurde. (hf). +++