Die Top-Begegnung in Düsseldorf wurde, was naheliegend war, als TV-Spiel ausgewählt. Alle Tischtennis-Fans dürfen sich folglich auf die besten Szenen dieser Partie im DSF am morgigen Sonntag ab 17 Uhr freuen. Tastsächlich beginnt die Partie Borussia Düsseldorf – TTC RhönSprudel Fulda Maberzell (Foto das Fuldaer Team mit Waldner, Svensson und Wang XI mit Trainer Meng (2.v.li) schon am Sonntag um 13:00 Uhr. Man braucht nicht viele Worte zu verschwenden, wenn sich der amtierende Champion, identisch mit dem Silbermedaillengewinner-Team von Peking, und der durch Wang Xi und Robert Svensson erheblich verstärkte letztjährige Halbfinalist gegenüberstehen. Fulda fordert Düsseldorf zum offenen Schlagabtausch heraus - eine reizvollere Konstellation gleich am Eröffnungsspieltag hätte man sich nicht denken können.
Natürlich gebührt dem Gastgeber trotz allem die Favoritenrolle - schließlich muss einen Timo Boll erst einmal jemand schlagen, zudem kann Shooting-Star Dimitrij Ovtcharov an guten Tagen gegen jeden in der Liga gewinnen. Allerdings muss man abwarten, wir frisch - körperlich und gedanklich - unsere „Helden von Peking" in die Partie gegen einen ausgeruhten, gut vorbereiteten und stark besetzten Widersacher gehen können. Die Besucher jedenfalls erwartet in der modernen Sportarena Burg-Wächter Castello im Düsseldorfer Vorort Reisholz ein echter Tischtennis-Leckerbissen: „Wir erwarten über 2.000 Zuschauer und ein tolles Event mit vielen Überraschungen ....." kündigt Borussia-Manager Andreas Preuß an. Offenbar hat man sich einiges einfallen lassen, das aber noch nicht an die Öffentlichkeit dringen soll. Sportlich scheint beim Meister alles im grünen Bereich zu sein: „Alle Spieler sind fit und sind ab morgen in Düsseldorf", weiß Preuß zu vermelden. Allerdings legt Trainer Dirk Wagner Wert auf die Feststellung, dass man vermutlich nicht per Kopfdruck sogleich wieder meisterlich wird auftreten können: „Es wird sicher etwas dauern, bis alle wieder Höchstform entwickelt haben."
Fuldas Präsidenten und Manager Stefan Frauenholz scheint die Außenseiterrolle seines Team durchaus zu behagen: „Obwohl unsere „Silver Boys" bei ihrem letzten Auftritt chancenlos waren, allerdings gegen China, haben wir sicherlich nur Außenseiterchancen. Alle Spieler außer dem „Stand-by-Mann" Feng Zhe werden in Düsseldorf an den Start gehen." Vizepräsident Michael Hodes gibt Einblick in die gezielte Vorbereitung von Waldner & Co.: „Wir absolvieren derzeit ein kleines Trainigslager. Zum ersten Mal dabei ist auch ein eigens abgestellter Physiotherapeut, der ein speziell auf jeden Spieler abgestimmtes Aufwärmprogramm ausgearbeitet hat. Sämtliche Wehwehchen eines jeden Spielers wurden zu Beginn des Trainingslagers erfasst, so dass über die ganze Saison hinweg geeignete Übungen und vorbeugende physiotherapeutische Maßnahmen ergriffen werden können. Das kommt vor allem unserem „Waldi" zugute. Am Samstag findet noch ein Abschlusstraining statt, danach werden wir nach Düsseldorf aufbrechen. Das Mannschaftshotel liegt ca. zehn Minuten vom Spielort entfernt, wo wir am Sonntag ab 9 Uhr die Halle zur Verfügung haben und gegebenenfalls noch ein Vormittagstraining absolvieren." Auf Zustimmung von allen Seiten kann Hodes bauen, wenn er versichert: „Wir freuen uns, dass es endlich los geht."
H E U T E Samstag, 19:00 Uhr: TTF LIEBHERR Ochsenhausen - TTV Gönnern
Historisches Premierenspiel im malerischen Städtchen Biberach, ehemals Freie Reichsstadt mit bewegter Geschichte: Ab 19:00 Uhr werden wir ein ganzes Stück schlauer sein, was das neue Spielsystem betrifft. Zudem ist es ein ganz besonderer Testlauf, der natürlich schon Ernstfall ist. Einige Skeptiker mutmaßten nämlich nach der Entscheidung für das „DTTB-System", Partien mit vermutlich deutlichem Leistungsunterschied zwischen den Teams, also potenzielle 3:0-Spiele, wäre viel zu schnell vorüber und für das Publikum uninteressant. Machen wir uns nichts vor, spätestens seit dem Wechsel des letzte Saison überragenden Wang Xi von Gönnern zu Fulda ist die Favoritenrolle so eindeutig vergeben, wie es klarer kaum sein könnte. Allerdings hat gerade Olympia, wo ja nach einem ähnlichen System gespielt wurde, gezeigt, dass auch solche Partien unterhaltsam sein können und keineswegs grundsätzlich „ratzfatz" über die Bühne gehen. Ochsenhausen mit seinem starken Team um Chuan Chih-Yuan, das Düsseldorf das Leben schwer machen möchte und zum Favoritenkreis der DTTL zählt, dürfte normalerweise mit dem „Underdog" aus Nordwesthessen nicht allzu viel Mühe haben. Andererseits kann der ehemalige Timo-Boll-Klub als Außenseiter frei und unbeschwert aufspielen.
In diesem Sinne warnt auch TTF-Präsident Rainer Ihle davor, den Gast zu unterschätzen: „Gönnern hat mit Chiang einen sehr guten jungen Taiwanesen verpflichtet, eines der größten Talente weltweit, das vor kurzem in Singapur Keen und Takakiwa geschlagen hat." Dennoch lässt Ihle keinen Zweifel an der Vorgabe für sein Team: „Für uns zählt nur ein Sieg, wir brauchen einen guten Saisonstart." Zur „Belohnung" dürfen sich die olympiagestressten TTF-Akteure - der gesamte DTTL-Kader war schließlich in Peking im Einsatz - auf ein regeneratives Trainingslager im Kleinwalsertal von Sonntag bis Mittwoch freuen. Rainer Ihle verhehlt seine Vorfreude auf die Partie nicht: „Das wird ein richtiges Tischtennis-Fest. Saisoneröffnungsspiel, neues Spielsystem und mindestens 1.000 Zuschauer." Die Gastgeber haben sich einiges einfallen lassen, so fand im Vorfeld eine Freikartenaktion mit Gewinnspiel für Jugendliche in Zusammenarbeit mit dem Werbepartner Kreissparkasse regen Zuspruch. Und als Sahnehäubchen darf sich jeder Jahreskartenbesitzer auf einen Olympia-Cocktail freuen, den ihm TTF-Sponsor Hotel Mohren in der Halle kredenzen wird. Mit einer angemessen Portion Realismus, aber nicht bloß zum Punkteabliefern tritt Gönnern die 420 Kilometer weite Reise zu den Oberschwaben an. Vorstands- und Ligaausschussmitglied Michael Müller: "Wir haben eine ganz kleine Chance als Außenseiter. Hierzu muss natürlich unser Neuzugang Chiang zwei Punkte machen und noch einer von einem weiteren Spieler kommen, vielleicht gelingt Ruwen Filus ja eine Überraschung."
m o r g e n Sonntag, 15:00 Uhr: SV Werder Bremen – SV Plüderhausen
Eine Partie mit zwei Teams, die 2007/08 auf Augenhöhe agierten erwartet die Zuschauer in Bremen - Werder belegte damals in der Endabrechnung Rang sechs, direkt vor den Schwaben, die einen Zähler weniger auf der Habenseite verbuchten. Auch wenn Plüderhausen verstärkt ist und mit dem aus Ochsenhausen gekommenen Leung Chu Yan einen Akteur von internationaler Klasse verpflichten konnte, dürften beide Teams leistungsmäßig nicht weit auseinander liegen. Zudem hat Bremen das Kontinuitätsprinzip auf seiner Seite und kann in der eingespielten Besetzung der Vorsaison auflaufen. Plüderhausen verfügt möglicherweise über die etwas stärkeren Einzelspieler, Werder dagegen über die geringfügig homogenere Truppe.
Bremens Trainer Cristian Tamas hält sich mit Prognosen eher zurück: „Ich erwarte eine ausgeglichene Partie. Plüderhausen hat sich gut verstärkt. Um eine realistische Prognose abzugeben, muss man aber erst einmal die Auslosung abwarten, schließlich kommt der noch schwer berechenbare Faktor des neuen Spielsystems hinzu." Verletzungssorgen plagen den Werder-Coach diesmal keine, der indirekt davor warnt, in Bezug auf die Aufstellungen zu sehr zu taktieren: „Wir werden in jedem Fall auf unsere Stärke setzen." Plüderhausen definiert ein klares Ziel: „Wir fahren nach Bremen, um die ersten beiden Punkte in der neuen Saison einzufahren. Dass dies natürlich nicht einfach wird, wissen wir, denn schließlich sind Keen, Kishikawa und Hielscher kein sogenanntes Fallobst, sondern sehr starke Gegner. Da wir aber überraschend mit "Kara", Leung und Kosowski antreten können, rechnen wir uns schon eine reelle Siegchance aus", so Ulrich Engele. Einschränkend ergänzt Plüderhausens Sportkoordinator: „Es bleibt natürlich abzuwarten in welcher Form die Olympioniken Kara und Leung auflaufen werden. Wir hoffen aber, dass Sie in der Vorbereitung genügend trainiert haben und den Jetlag rechtzeitig überwinden werden." Den angenehmen Nebeneffekt eines gelungenen Saisonauftakts beschreibt Engele wie folgt: „Für uns wäre es im Hinblick auf das Fernsehspiel gegen Düsseldorf natürlich ungeheuer wichtig zu gewinnen, da dann bestimmt noch mehr Zuschauer kommen werden, als wir ohnehin erwarten - nach derzeitigem Stand mindestens 800 - 1.000."
Sonntag, 15:00 Uhr: TTC indeland Jülich – TTC Zugbrücke Grenzau
Der Vorjahresneunte aus Jülich, die „Unabsteigbaren" aus der alten Herzogstadt tief im Westen, empfängt den Traditionsklub aus dem Westerwald, der 2007/08 ganz knapp und unglücklich an den Playoffs vorbeigeschrammt war und den undankbaren fünften Platz in der Endabrechnung belegte. Natürlich brennt das Gstettner-Team darauf, die Scharte auszuwetzen und diesmal wieder Playoff-Luft zu schnuppern. Dennoch fällt es schwer, jemandem die Favoritenrolle zuzuschieben, zumal sich Tischtennis-Ikone Jörg Roßkopf und seine jungen Kollegen letzte Saison als heimstark präsentierten und vom Publikum, das die Rolle des "fünften Mannes" ausfüllte, sehr gut angenommen wurden.
Ralf Düren, Jülichs Geschäftsführer des DTTL-Teams, tut sich mit einer eindeutigen Prognose schwer: „Der erste Spieltag wird sicher für alle Beteiligten aufgrund der Neuerungen sehr spannend. Bei uns werden alle an Bord sein, hoffentlich auch in einer guten Verfassung. Taku Takakiwa reist am Mittwoch an, er war in Peking Trainingspartner der japanischen Nationalmannschaft. Paul Drinkhall war auch bei den Spielen zu Gast. Er hat aber diese Woche schon in England trainiert. Jeder Spielverlauf ist möglich, denn auch das Team aus Grenzau wird erst einmal feststellen müssen, wo es steht." Auch Grenzaus Präsident Manfred Gstettner geht von einer offenen Partie aus: „Die Spannung ist schon wieder groß, denn jeder möchte gerne erfolgreich in die neue Saison starten. Wie wirkt sich das neue Spielsystem aus, wird es viele Überraschungen bringen? Wie reagieren die Medien und unsere Fans? Bei unserem ersten Auftritt in Jülich wird es nicht leicht werden. Die Tagesform wird entscheiden." (DTTL). +++