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- Alle Fotos: Hendrik Urbin

30.09.08 - FULDA
"Café -Sterben" in City: Flamme, Moccaccino und Incontro - NEU: Sushi-Bar
"Cafe Flamme" schließt zum 01.10.08. Ab Freitag Räumungsverkauf" - so lautet der Text auf einer Tafel am Rande der Friedrichstraße. Ein deutliches Signal dafür, dass in einem der bekanntesten Fuldaer Cafés wieder mal ein Pächterwechsel ansteht. Der Dritte innerhalb weniger Jahre, obwohl das Cafe in einer Fuldaer "Toplage" liegt und offensichtlich gut - aber vielleicht nicht genug - frequentiert wird? Und "Cafè Flamme" ist kein Einzelfall, denn nur wenige hundert Meter weiter gibt es eine Schließung gleich im "Doppelpack": am Gemüsemarkt - der vor fünf Jahren umgebaut wurde und seither, wegen seiner mangelhaften Attraktivität als "städtischer Platz" in der öffentlichen Kritik steht - haben das "INCONTRO" und das benachbarte "Moccaccino" zugemacht.
"Nach nunmehr fünf Jahren heißt es Abschied nehmen von Euch und vom Gemüsemarkt" heißt es lapidar auf einem weißen Zettel, der für die Kunden im Schaufenster des "Incontro" hängt. "Wir bedanken uns auf diesem Wege vorab für Eure Treue, die Ihr uns engegengebracht habt". Gleichzeitig wird das komplette Inventar zum Kaufen angeboten - von Sofa, Sessel und Elektrogeräten bis hin zu Sonnenschirmen in Mais-Braun".
Und auch die Eigentümerin, das gemeinnützige Siedlungswerk Fulda, bestätigte auf Anfrage von "osthessen-news" den zweifachen Auszug nach der Kündigung. Jetzt werde umgebaut und die Räumlichkeiten bereits einem feststehenden Nachmieter überlassen. Den Namen selbst wollte oder konnte der Sprecher des Siedlungswerkes nicht nennen.
Doch die Redaktion von osthessen-news hat recherchiert und wurde fündig: danach werden die beiden Ladenlokale am Gemüsemarkt zusammen gelegt und ab November dieses Jahres ein Sushi-Restaurant eröffnet. Dies bestätigte Vananh Doan auf Anfrage. Die Vietnamesin betreibt in der Kasseler Königsgalerie ein weiteres Sushi-Restaurant. In Fulda soll es ihren Angaben zufolge neben kaltem Sushi auch Gegrilltes angeboten werden.
Ganz anders einige hundert Meter weiter in der Friedrichstraße. "Alles wird verkauft - ab Freitag: Geschirr, Gläser, Kücheninventar, Dekomaterial, Tischdecken und vieles mehr. ab Freitag 10 Uhr" - so der Text auf einer weiteren Tafel auf dem Bürgersteig vor dem Cafe Flamme. Die jetzige Pächterin Astrid Habermehl hat offenbar "keine Lust" mehr, sieht "keine Zukunft" mehr für Cafés mit Konditor. Immerhin arbeiten dort fünf Mitarbeiter "fest" - und es gibt noch einige Teilzeit- und Aushilfen. Ein Nachfolger/in ist "nicht in Sicht". Die Mitarbeiter hätten gerne das Cafe in Eigenregie übernommen, verfügten aber nicht über die finanziellen Mittel.
Vor Astrid Habermehl waren die alteingesessene Bäcker- und Konditorenfamilie Prüfer, Christa Prüfer und ihr Sohn Andreas, Pächter im Traditions-Cafè Flamme. Nach dem Auszug von Ulrike Härtel und der Neueröffnung ihres "Kultur-Cafe Ideal" - im Gebäude der ehemaligen Fuldaer Filiale der Landeszentralbank, neben dem städtischen Busbahnhof - hatten sie im September 2005 das Cafè übernommen. Und vor einem Jahr wieder abgegeben: "Wir haben uns sehr bemüht. Ich habe nachts in der Backstube gearbeitet, und nachmittags dann im Cafè gestanden, um die Kosten im Rahmen zu halten. Auf die Dauer war soviel Einsatz für mich aber nicht mehr machbar," berichtete Andreas Prüfer im Gespräch mit "osthessen-news.
Dass seine Nachfolgerin nun schließen muss, tut ihm leid. Offenbar habe sich im letzten Jahr die "ungute Entwicklung" für die Fuldaer Innenstadt noch fortgesetzt. Aus Gesprächen mit anderen Einzelhändlern wisse er, dass die stets volle Parkreihe in der Friedrichstraße mittlerweile eine Betriebsamkeit vortäusche, die tatsächlich nicht vorhanden sei. "Die Geschäfte verlaufen in Fulda immer mehr wie ein Fluss: von der Bahnhofstraße abwärts fließt es, versickert dann am Borgiasplatz. Dahinter kommt kaum noch etwas an. Ab Borgiasplatz in Richtung Unterstadt kann man nur noch von >Überschwemmungen<, also großen Festen oder flächendeckender Belebung der Innenstadt an wenigen Tagen, profitieren. Das reicht aber nicht aus, um die ständigen Kosten zu erwirtschaften." Auch Touristen, die vom Barockviertel aus in die Friedrichstraße strömten, gäben wohl nicht mehr so viel Geld aus wie früher, meinte Prüfer abschließend. +++



Das Inventar wird im Café Flamme...

...und auch am Gemüsemarkt verkauft.

Nach osthessen-news-Informationen eröffnet im November dieses Jahres...

...ein Sushi-Restaurant am Gemüsemarkt. Die künftige Mieterin betreibt bereits ein Sushi-Restaurant in Kassel.

Lediglich Aufkleberreste des Cafés Moccacino sind noch zu sehen.

Die Lokale sind bereits geräumt.

