- Symbolbild: Pixabay

FULDAKurzserie zur Frankfurter Buchmesse (Teil 2)

Der Buchdruck in Fulda in der Frühen Neuzeit: Barocke Schwerfälligkeit

11.10.17 - Die Kritik des Buchdruckers Johann Christoph Dempter, zwischen etwa 1720 und 1770 hätten „sechs Buchdrucker nicht haben bestehen können“, hat was für sich. Zwar konnte sich Simon Zeiler im Hochstift dreißig Jahre lang, nämlich von 1692 bis 1722, als Buchdrucker halten. Aber schon sein Nachfolger Johann Heinrich Küster brachte es nur auf zwei Jahre (bis 1724).

Dessen Witwe Johanna Magdalena Küster führte die Geschäfte nur vorrübergehend, bis sie 1725 Joseph Anton Köß heiratete, der sich 26 Jahre lang als Buchdrucker in Fulda behauptete. 1751 gab Köß die Druckerei an seinen Stiefsohn Stephan Anton Küster weiter, der sie – offenbar aus Mangel an Aufträgen – 1754 versteigern musste. Belegt ist zudem Johann Christoph Mehnert, der von 1741 bis 1763 in Fulda wirkte. Lässt man mal die Witwe Küster als Interimsdruckerin beiseite, so waren es zusammen mit Dempter selbst in der Tat nur sechs Buchdrucker die in diesem Zeitraum in Fulda arbeiteten – mit teilweise nur mäßigem Erfolg.

Die heutige Dalbergschule wurde 1734 ...Fotos: Erich Gutberlet

Nicht gerade üppig für eine Stadt, die sich ab 1734 Universitätsstadt nennen konnte. Allerdings hielt sich die reichsweite Bedeutung der Adolfsuniversität, welche die Tradition des 1584 gegründeten Päpstlichen Seminars fortsetzte, auch in Grenzen. Zwar waren die bisherigen Lernschwerpunkte von Jesuitenkolleg und Benediktinerkonvent (Theologie und Philosophie) auf Wunsch des damaligen Fürstabts Adolf von Dalberg, dem Namensgeber der neuen Lehreinrichtung, um die Fakultäten Jurisprudenz und Medizin ergänzt worden, die Nachfrage von Studierenden war aber verhältnismäßig gering: Während der 71 Jahre des Bestehens der Universität wurden 4.100 Studenten in den Matrikelverzeichnissen aufgeführt. Die Durchschnittszahl der jährlichen Neueinschreibungen dürfte bei 65 und die Durchschnittshörerzahl bei 143 gelegen haben. Auch zeigt ein Vergleich der Professorengehälter von 1734 und 1805, als die Universität im Zuge der Säkularisierung wieder geschlossen wurde, dass die finanzielle Ausstattung über all die Jahrzehnte kaum angestiegen ist. Kein Vergleich also mit der Universität Göttingen zum Beispiel, die sich – ebenfalls im Jahr 1734 gegründet – schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu einem innovativen Zentrum entwickelt hatte.

Ein weiterer zwingender Beleg dafür, dass dem Buchdruck in Fulda keine besondere Aufmerksamkeit zuteil wurde, ist aber vor allem die Tatsache, dass der erste verbürgte Buchdrucker überhaupt erst im Jahr 1670 seine Arbeit aufnahm. In der Zeit davor: Fehlanzeige. Keine Wiegendrucke (sogenannte Inkunabeln) – nichts. Obwohl sich die gedruckte Schrift im Deutschen Reich bis 1700 als Meinungs- und Informationsmedium eigentlich komplett durchgesetzt hatte, hatte Fulda erst sehr, sehr spät auf dieses neue Pferd gesetzt. Und darin offenbart sich die Fuldaer Krux ... Teil 3 morgen: Das gedruckte Wort als Waffe (Matthias Witzel) +++


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