Bis 2075 könnten die Abraumhalden des K+S-Werks Werra komplett begrünt sein. - Archivluftbild: Dennis Schmelz

HERINGEN (W.) Auf den Salzhalden soll Gras wachsen

Abdeckung mit Schlacke-Asche-Gemisch: K+S stellt Mammut-Projekt vor

HINTERGRUNDNeben der Inbetriebnahme der Kainit-Kristallisations-Flotationsanlage (KKF) am K+S-Standort Hattorf und der Einlagerung flüssiger Produktionsrückstände unter Tage ist die Abdeckung der Abraumhalden im Masterplan Salzreduzierung der Flussgebietsgemeinschaft Weser verankert. Bis Ende 2027 soll die Salzbelastung in der Weser schrittweise reduziert werden. Bis 2075 sollen die Halden Hattorf und Wintershall komplett begrünt sein. Nach derzeitigem Stand endet der Kali-Bergbau im Werratal 2060. +++

08.02.18 - In 57 Jahren werden die weißen Berge im Werratal, sprich: die Abraumhalden des K+S-Werks Werra, komplett begrünt sein – wenn alles nach Plan läuft. Es ist ein gigantischer Aufwand, den das Bergbauunternehmen betreiben muss, um dem Masterplan Salzreduzierung der Flussgebietsgemeinschaft Weser, einem Zusammenschluss der Bundesländer Bayern, Bremen, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, Genüge zu leisten. Durch die Verdunstungsleistung der Pflanzen (Evapotranspiration) könnte das Abwasser um bis zu 80 Prozent verringert werden.

Nach aktuellen Berechnungen werden für die Abdeckung der beiden Halden, die kontinuierlich wachsen, rund 32 Millionen Tonnen Material benötigt. „Verkleidet“ werden die weißen Berge mit einem Substrat, das sich aus 90 Prozent Schlacke aus der Hausmüllverbrennung und aus zehn Prozent Braunkohlenflugasche zusammensetzt. Etwa fünf Meter dick soll das Schlacke-Asche-Gemisch auf die Halden aufgebracht werden. Laut Projektleiter Dr. Frank Wolf, der gemeinsam mit Dr. Sascha Vensky den Heringern bei einer Bürgerversammlung Rede und Antwort stand, komme eine „klassische Abdeckung“ mit Bauschutt und Erdaushub nicht in Frage, weil die Haldenböschung zu hoch und zu steil sei.

Die Abraumhalde Hattorf. Fotos: K. Deiß / G. Manns / S. Harth

Die alte Abraumhalde Wintershall.

Seine Feuertaufe feiert das Mammut-Unterfangen im Sommer dieses Jahres mit einem halbtechnischen Versuch an der Halde Hattorf auf einer Höhe von 25 Metern. Anschließend soll an der Halde Wintershall auf einer Höhe von 200 Metern ein sogenannter Betriebsversuch starten, der die Abdeckung und Begrünung der gesamten Flankenlänge vorsieht. 2021 könnte der Regelbetrieb beginnen.

Das heißt: Täglich würden per Eisenbahnzug pro Standort etwa 1.400 Tonnen aufbereitete Schlacke sowie per Lkw rund 140 Tonnen Braunkohlenflugasche angeliefert, die wiederum über spezielle „Beutelförderbänder“ zur „Berg-Spitze“ transportiert werden. „Transportwege durch Heringen sollen weitestgehend vermieden werden, damit es zu keiner Verkehrsbelastung kommt“, erläuterte Dr. Frank Wolf, um zu betonen, dass das Abdeckungsmaterial, das „gewässerökologisch unbedenklich“ sei, zu keinerlei Beeinträchtigungen von Menschen, Natur und Landschaft führe. Voraussetzung sei allerdings, dass das Sickerwasser/Haldenwasser aufgefangen, aufbereitet und regelmäßig auf pH-Wert und Schwermetallgehalt überprüft werde.

Bürgerversammlung in Heringen (v.li.): Dr. Sascha ...

Die Beschüttung der Abraumhalden soll ganzjährig – tagsüber – erfolgen. Durch künstliche Beregnung, mobile und stationäre Bewässerung sowie Verklebung des Materials soll Staubbildung vermieden werden. Entsprechende Messstationen werden eingerichtet. Vier Gräser-Sorten werden angesät.

Bedenken der Heringer, dass die Haldenabdeckung Bodenverwerfungen mit in ihrem Gepäck trage sowie einbrechen oder an den steilen Flanken abrutschen könnte und somit eine Gefahr für die Anwohner darstelle, räumten die beiden Referenten aus: „Auch wenn es zu einer Abrutschung käme, besteht für Röhrigshof, Widdershausen und Unterbreizbach keine Gefahr, da die ersten Wohnhäuser mindestens 600 bis 800 Meter von den Halden entfernt sind.“

Angesprochen auf das Investitionsvolumen, hüllten sich sowohl Dr. Frank Wolf als auch Dr. Sascha Vensky in Schweigen. „So viel sei verraten: Die Transportkosten sind nicht unerheblich.“ Bürgermeister Daniel Iliev sprach von einem riesigen Vertrauensvorschuss, den die Heringer dem Bergbauunternehmen K+S geben würden: „In diesem Zusammenhang bitten wir das Unternehmen um höchstmögliche Sicherheit, Transparenz und Informationen – halten Sie uns auf dem Laufenden.“ Weitere Infoveranstaltungen im Werratal sind geplant. (Stefanie Harth) +++


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