Ein verlassener Bunker der Nato bei Gundhelm - Fotos: Moritz Pappert

FULDA Relikte des Kalten Krieges (2)

Trichtersperren und Nato-Bunker - Unterwegs mit den Wallmeistern

Relikte des Kalten KriegesAuch wenn der Kalte Krieg schon rund 35 Jahre vorbei ist, gibt es in Osthessen noch immer zahlreiche Relikte, die auf die Zeiten voller Angst und Ungewissheit hinweisen. Zusammen mit Matthias Schweimer, der den Kalten Krieg in Osthessen wissenschaftlich erforscht, begibt sich Osthessen|News auf eine Reise in die Vergangenheit. +++

18.07.18 - Dies ist wohl die am weitesten verbreitete Sperranlage des Kalten Krieges: Trichtersperren. Derzeit gibt es in Deutschland noch 700 davon – und sie sind kaum zu unterscheiden von normalen Kanaldeckeln. Die Wallmeister der Bundeswehr sorgen ein bis zweimal im Jahr dafür, dass diese gewartet werden und somit keine Verkehrsgefährdungen für die Bevölkerung entstehen. Wir haben sie bei ihrer Kontrolle begleitet.

Die erste Sperranlage befindet sich auf einer Straße zwischen Oberrode und Kleinlüder, eine sogenannte Trichtersperre oder auch "Straßensprengschachtanlage" genannt. Die Sprengladungen waren hier auf sechs Sprengschächte verteilt worden, sodass eine sehr große Wirkung und ein riesiger Krater erzielt worden wäre. „Die meisten Sprengschächte hatten eine Tiefe von circa 5,5 Meter. Die benötigte Sprengladung wurde für jeden Schacht im Vorfeld berechnet. Bei dieser waren es insgesamt 2.600 Kilogramm TNT“, erklärt Hauptfeldwebel Thorsten Stöhr.

Die Wallmeister Thorsten Stöhr (rechts) und ...

Die Sperren sind kaum zu Unterscheiden ...

Die Zündschnur

Alles wurde berechnet

Im Ernstfall wären Krater mit einem Durchmesser von ca. 12 Meter in den Boden gerissen worden. Das Ziel der Sprengschächte war es, die Straße unpassierbar zu machen, um Zeit zu gewinnen, sodass der feindliche Angriffsschwung gebremst wurde und die NATO-Truppen sich zur Verteidigung hätten einrichten können.

Jeder einzelne Sprengschacht wurde genau berechnet, sodass die Menge des TNT ausreichend war, um den feindlichen Truppen den Weg zu erschweren, aber dennoch keine Infrastruktur in der Umgebung zu gefährden. Die Schachttiefe entsprach in der Regel immer dem zu sprengenden Radius.

Über diese Öffnung konnte man die ...

Geladen wurden die Schächte mit sogenannten „Käseladungen“. Dies sind runde, ca. 25 Kilogramm schwere TNT-Blöcke, die in den Schacht hinabgelassen wurden. Das Beladen einer Sprenganlage, bis hin zum „scharf stellen“ hätte rund 90 Minuten gedauert. Das war in so kurzer Zeit möglich, da es in unmittelbarer Nähe sogenannte „Sperrmittelhäuser“ gab. Hier wurden die Käseladungen gelagert. Gezündet wurden sie dann aus weiter Entfernung über eine elektrische oder gemischte Zündung.

Die nächste Sperranlage befindet sich zwischen Lehnerz und Götzenhof, unter der Brücke der A 7. Dies ist eine andere Form der Sperranlage, eine sogenannte Brückensperre. Das besondere hierbei war es, dass man im Falle einer Sprengung sowohl den Autoverkehr als auch den Bahnverkehr (durch die herabstürzenden Trümmer) lahmgelegt hätte. Außerdem gab es Grabensperren, Trägerstecksperren, Rampensperren und viele weitere Sperren, um die gegnerischen Truppen aufzuhalten.

Die Nato Anlage in Gundhelm

Nato Bunker Gundhelm

Vor 30 Jahren patrouillierten hier in einem Wald im Schlüchterner Stadtteil Gundhelm noch amerikanische Soldaten. Sie bewachten Munition, Fahrzeuge und Treibstoffe. Das Nato-Lager war ein Versorgungslager, welches von der US- Armee von 1982 bis 1990 genutzt wurde. Hier lagerte auf circa 9 Hektar die Munition, die für die umliegenden Sprengschächte genutzt wurde. Neben Gundhelm gab es ein solches Nato-Lager auch in Grebenhain. "Der Bunker war bis 1992 im Besitz der Nato. Bis 2004 war hier noch eine Pilzfarm, da diese in dem dunklen, kalten Bunker besonders gut gezüchtet werden können. Nun gehört das Areal dem Land", so Siegfried Walz von Hessen Forst.

In Osthessen gibt es noch einige andere Sperranlagen, etwa bei Giesel oder Schlitz. Diese werden aber, wie viele andere bereits, zurückgebaut und zugeschüttet. Das wichtigste ist die Erhaltung der Relikte für die Nachwelt. So konnten laut dem Heimatforscher Matthias Schweimer zwei Trichtersperren als Bodendenkmal eingetragen werden. Somit schließt sich so langsam ein düsteres Kapitel deutscher Geschichte. (Moritz Pappert)+++


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