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Simone Kabst erlaubt sich Vielseitigkeit - Fotos: Gudrun Schmidl

BAD HERSFELD Peer Gynt mit interessanter Spannweite

Simone Kabst bei den Festspielen - die Sportmieze mit Tiefgang an Bord

22.08.18 - „Wunder sind nicht nur möglich – Wunder sind machbar“. Diese Aussage der großen Aenne Burda schmückt die Homepage der Schauspielerin Simone Kabst und schnell wird im Gespräch deutlich, dass der Sinnspruch auch ihrer Lebensphilosophie entspricht. Simone Kabst ist bei den 68. Bad Hersfelder Festspielen in dem Ibsen-Stück „Peer Gynt“ als Senni aktiv und wird als Ensemblemitglied Kate in „Shakespeare in Love“ gefeiert. In „Peer Gynt“ ist ihr schon zehn Minuten vor Aufführungsbeginn die ungeteilte Aufmerksamkeit des ankommenden Publikums sicher. Rechts am Bühnenrand zeigt die „Sportmieze an Bord“ beeindruckende Yoga-Übungen, die ein hohes Maß an Konzentration, Körperbeherrschung und Kraft erfordern.

Yoga im Park

„Vor sieben oder acht Jahren habe ich mit einer Tänzerin in Potsdam zusammengearbeitet und merkte, ich habe nicht die nötige Kraft“. Außerdem plagten Simone Kabst Rückenschmerzen. Das war der Moment, im dem sie beschloss, sich um ihren Rücken und ihre Muskelkraft zu kümmern. Heute sagt sie: „Yoga hat mein komplettes Leben verändert“. Da verwundert es nicht, dass sie ihre im vergangenen Jahr initiierte Yoga-Gruppe für interessierte Festspieler wieder aktiviert hat.

Im vergangenen Jahr war Simone Kabst in Bad Hersfeld als Barbara Cranach in „Martin Luther – Der Anschlag“ und als Susanna Walcott in „Hexenjagd“ zu sehen. Bei den 68. Bad Hersfelder Festspielen war sie für Dieter Wedels „Karlos-Komplott“ bereits angefragt, setzte nach dem Intendanten-Wechsel auf die integrative Kraft von Joern Hinkel, sagte zu und ist in der Festspielstadt, in der ihr alles vertraut ist, wieder an Bord.  „Mir geht es weniger um die Rolle, sondern um das Thema.

Welches Konzept verfolgt der Regisseur? Ich will es verstehen und mich einklinken“, betont sie, die in „Peer Gynt“ als Animateurin die Gäste auf dem Kreuzfahrtschiff in Bewegung bringt und es versteht, durch ihre „Ansagen“ die Männer in diversen Kursen zu provozieren, bloßzustellen und ihnen ihre eigenen Verhaltensmuster deutlich zu machen, bis sie merken: „So fühlen sich die Frauen, die von euch missbraucht wurden“. Simone Kabst hat sich bei der Überlegung, ob sie über die Sprache oder die abstrakte Körpersprache kommuniziert entschieden, in der Körperlichkeit zu bleiben. Das war möglich, denn: „Regisseur Robert Schuster schafft den Raum, in dem man sich selber zulässt“.

Simone Kabst ist unendlich dankbar, dass Robert Schuster die zwei Spieler Leena Alam und Nasir Formuli mitgebracht und damit eine politische Präsenz angerissen hat. „Die Norwegerin Solveig in ihrer hingebungsvollen Liebe zu Peer Gynt wird von einer Afghanin gespielt. Diese Spannbreite finde ich interessant“, ist sie voll des Lobes für eine Inszenierung, die kontrovers diskutiert wird. Die vielseitige Künstlerin bezeichnet sich selbst als politisch interessierte und engagierte Frau, die noch immer syrischen Frauen im heimischen Potsdam Schwimmunterricht anbietet und Patin einer Willkommensklasse an der Leonardo-da-Vinci Gesamtschule ist. „Viele der teils schwer traumatisierten Kinder verlieren ihre Berührungsängste, wollen lernen und reißen mir die Texte regelrecht aus der Hand“, freut sie sich über das Interesse.

Weiterhin spielt sie in dem Toleranzdrama „Nathan der Weise“, inszeniert vom Theater Poetenpack in Potsdam, das im Herbst wiederaufgenommen wird. In dem Stück werden Flüchtlingskinder verschiedener Religionen eingebunden. Zum heiß diskutierten Flüchtlingsthema im Land liegt ihr eine Differenzierung am Herzen. „Es gibt einen Unterschied zwischen Wirtschafts- und politischen Flüchtlingen. Straftäter bleibt Straftäter, egal welcher Nationalität. Aber man muss immer den Einzelfall anschauen“.

Simone Kabst, in vielen Rollen auch aus dem Fernsehen bekannt, ist immer in Bewegung, liebt aber ganz besonders die Sprache. „Nur spielen ist langweilig“, bekräftigt sie, die sich inzwischen ihre eigene Vielseitigkeit erlaubt. „Lange dachte ich, als Schauspielerin muss ich immer nur auf der Bühne stehen, darf keinen neuen Weg einschlagen“. Je älter sie wurde, desto weniger ließ sie sich festlegen. Längst hat sie sich als Synchronsprecherin, Werbesprecherin, im Rundfunk, bei Fernsehdokumentationen und besonders beim Besprechen von Hörspielen einen Namen gemacht. Was auch immer sie tut, sie tut es nicht nur für sich: „Ich kitzle gern aus anderen Menschen was raus“. Beste Voraussetzungen für ihre erste Regiearbeit im Herbst nächsten Jahres. (Gudrun Schmidl) +++


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