Blick über die Menschenmenge auf die Bühne der Kundgebung "Zusammen sind wir stark" für Walter Lübcke vor dem Regierungspräsidium. - Foto: Uwe Zucchi/dpa

KASSEL Demo vor dem Regierungspräsidium

Über 10.000 Menschen setzen starkes Zeichen für Toleranz

28.06.19 - Mit mehreren tausend Teilnehmern ist am heutigen Donnerstagnachmittag  um 17 Uhr in Kassel eine großangelegte Kundgebung als Reaktion auf die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke gestartet. Gemeinsam mit einem breiten Bündnis von Organisationen hatte die Stadt Kassel dazu aufgerufen, sich so gegen Rechtsextremismus zu positionieren.

Die Veranstalter wollen nach eigenen Angaben damit ein deutliches Zeichen gegen die Spaltung der Gesellschaft und für eine tolerante, demokratische und friedliche Region setzen. Das etwa einstündige Programm findet vor dem Regierungspräsidium, Am Alten Stadtschloss statt.

Ein Banner mit dem Demo-Motto "Zusammen ...Foto: Uwe Zucchi/dpa

Foto: Uwe Zucchi/dpa

Zu den vielen namhaften Unterzeichnern des Aufrufs zählen unter anderen der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Martin Hein, der Bischof des Bistums Fulda, Michael Gerber, der aus Fulda stammende Regierungsvizepräsident Hermann-Josef Klüber, Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld, Landrat Bernd Woide und der Hersfelder Landrat Dr. Michael Koch.

Die Unterzeichner des Aufrufs erklären: "Wir sind eine friedliche und an unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung orientierte Region. Wir wenden uns entschieden gegen jeden Versuch, unsere Gesellschaft durch Hetze, Hass, Extremismus und Gewalt zu spalten. Wir rufen alle dazu auf, Haltung zu zeigen und zusammenzustehen für die Bewahrung unserer Demokratie, für gegenseitigen Respekt, für Toleranz, Vielfalt und Weltoffenheit. Je mehr kommen, desto stärker ist unser Signal!"

Die Würde des Menschen zu schützen, ist unser aller Aufgabe! 

„Wer die Würde des Menschen missachtet, gewaltsam oder mit Worten, stellt sich außerhalb unseres demokratischen Gemeinwesens. Da gibt es kein Wenn und Aber!“ Mit diesen Worten setzte der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Dr. Martin Hein, bei der Kundgebung ein deutliches Zeichen für ein solidarisches Zusammenleben. 

Keine Toleranz gegenüber rechtsradikaler Intoleranz

Bischof Dr. Martin Hein zeigte sich erschrocken darüber, dass dem Treiben der rechtsradikalen Szene in Kassel viel zu lange zugeschaut worden sei. Doch Lübckes gewaltsamer Tod habe die Stadtgesellschaft aufgerüttelt und eine sie in dem gemeinsamen Widerstand gegen rechtsradikale Gewalt: „Wir tun es heute – und es ist nicht zu spät dazu, nun gemeinsam zu handeln! Menschenrechte und Humanität dürfen niemals zur Disposition stehen.“ Es sei für die Zivilgesellschaft unerträglich, dass politisch Verantwortliche in Kommunen und Ländern mit dem Tod bedroht würden. Hein machte deutlich: „Ein Beschwichtigen und Abwiegeln geht nicht mehr! Es schadet unserem solidarischen Zusammenleben!“

Umso mehr sei er dankbar, dass viele Menschen heute auch auf dieser Kundgebung ein klares Zeichen setzten: „Mit uns nicht!“ Hein wünschte den Anwesenden „Courage und Entschlossenheit im Kampf gegen menschenverachtende Ideologien“ und versprach, „dass sich die Kirchen mit allen demokratischen Kräften verbünden, die sich für unseren Rechtstaat und für unser freiheitliches Gemeinwesen einsetzen! Und das bedeutet: Keine Toleranz gegenüber rechtsradikaler Intoleranz! Das sind wir unserer Stadt, das sind wir Walter Lübcke schuldig!“ Seine Rede schloss Hein mit dem flammenden Appell: „Kassel lässt sich nicht einschüchtern! Kassel bleibt wachsam!"

An die persönliche Verantwortung jedes Einzelnen, „an einer Kultur des aufrichtigen Respekts und der unbedingten Achtung voreinander“ mitzuwirken, hat der Fuldaer Bischof Dr. Michael Gerber bei einer Kundgebung am Donnerstag in Kassel appelliert.

„Dr. Walter Lübcke kann uns hier ein bleibendes Vorbild sein“, sagte der katholische Oberhirte aus Fulda. Unter dem Motto „Zusammen sind wir stark - Nord- und Osthessen gemeinsam für Demokratie, Toleranz, Vielfalt und Weltoffenheit“ hatte die Stadt Kassel angesichts des Mordes an Regierungspräsident Lübcke zu der Kundgebung vor dem Kasseler Regierungspräsidium aufgerufen. Bischof Gerber zeigte sich erschrocken, wie sich in Deutschland Menschen hätten radikalisieren lassen. „Niemand ist in seinem Handeln einfach nur Opfer bestimmter Konstellationen oder Situationen. Gerade in Zeiten, in denen Extremisten unterschiedlicher Couleur ihren Zielgruppen weis machen wollen, dass sie ganz und gar Opfer sind und es deswegen geboten sei, eine bestimmte radikale Richtung einzuschlagen, gerade heute müssen wir das neu betonen: Niemand ist einfach nur Opfer seiner Verhältnisse.“ Die Freiheit des Menschen sei immer auch die Freiheit, sich von einer Dynamik des Hasses zu distanzieren, unterstrich der Bischof.(pm)+++


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