Was in diesem Jahr in vielen Dörfern an das Kirmesfest erinnert, ist der Kirmesbaum - Montage: Janina Hohmann

HÜNFELD Nicht nur in Mackenzell

Corona verhindert Jahrhunderte alte Kirmes-Tradition

09.11.20 - "Bee is die Kermes? Schee is die Kermes!" – dieser Spruch hallt von Ende Juli bis zum ersten Novemberwochenende durch die Dörfer rund um Fulda und in der Rhön. Es ist eine Tradition, die wie keine andere das kulturelle Leben in der Region prägt und die gesamte Dorfgemeinschaft zusammenbringt. Doch in diesem Jahr kommt die Frage erst gar nicht auf, wie schön die Kirmes ist. Es gibt schlichtweg keine. An diesem Novemberwochenende ist der Wehmut über den Ausfall dieser Tradition besonders groß. Eines der Dörfer, die in diesen Tagen Kirmes gefeiert hätten, ist Mackenzell (Stadt Hünfeld). 

Florian Ziegler, Ploatzknecht der Kirmesgesellschaft Mackenzell Fotos (2): privat

Florian Ziegler (20) ist der diesjährige Ploatzknecht der Kirmesgesellschaft Mackenzell. Als "Ploatz" führt Florian die Kirmes an und ist - neben dem Vorstand - Ansprechpartner und Organisator der Kirmes. Bei seiner Wahl im August waren 42 Kirmesburschen- und Mägde noch zuversichtlich, dass man die Kirmes 2020 in einer abgespeckten Form austragen könne. "Wir waren uns zwar lange unsicher, aber uns war klar, dass wir in irgendeiner Form die Kirmes feiern wollen", erklärt Ziegler im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS

Stadt Hünfeld segnete Hygienekonzept ab

Im August, wenn in Mackenzell am Sommerfest des Musikvereins TONICA der Startschuss für die Kirmessaison fällt, wurde ein Plan gefasst. Der Vorstand entwickelte in Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Ordnungsamt Hünfeld ein Hygienekonzept. Dies galt vor allem für den traditionellen Tanz unter dem Kirmesbaum am Kirmessonntag. "Ohne Probleme hat die Stadt Hünfeld unser Hygienekonzept bewilligt und wir haben uns an die Vorbereitungen gemacht", blickt Florian Ziegler zurück.

Der Kirmesbaum auf dem Mackenzeller Dorfplatz

Das Konzept schrieb vor, dass am Mackenzeller Dorfplatz 250 Personen, Kirmesgesellschaft und eine Abordnung der TONICA inbegriffen, am Tanz teilnehmen dürfen. Die Tänze wurden ebenfalls unter den zu dieser Zeit geltenden Vorschriften einstudiert. In zwei Gruppen trainierten die 21 Pärchen jeweils freitags und sonntags. "Wir haben uns ebenfalls dazu entschieden, keine Partnerwechsel zu machen. Auch um die Abstände einzuhalten", so Ziegler über die Tanzproben. Zum traditionellen Tanz gehört auch der Kirmesbaum. "Die Stadt Hünfeld hat uns - wie jedes Jahr - einen Baum zur Verfügung gestellt, den wir vor zwei Wochen aufgestellt haben", sagt der Ploatzknecht. Doch Polka und Rheinländer wird in diesem Jahr niemand um den Kirmesbaum tanzen sehen.

Durch die seit dem 2. November geltenden Bestimmungen war klar, dass die Bemühungen der Kirmesgesellschaft Mackenzell, ein kleines bisschen der Tradition in dieser besonderen Zeit zu erhalten, umsonst waren. "Die abschließende Sitzung mit der Stadt Hünfeld und dem hiesigen Ordnungsamt endete schließlich mit der Absage der Kirmes", sagt Florian Ziegler verständnisvoll.

Zurück zu den Wurzeln der Kirmes

Vor genau einem Jahr besuchte O|N die Kirmes Mackenzell am Kirmessonntag ...Archivbild: Bernd Vogt

Auch in Hilders in der Rhön wäre am Wochenende Kirmes gefeiert worden. Daran erinnert ...

Was den Kirmesburschen- und Mägden aber in fast allen Dörfern rund um Fulda und in der Rhön bleibt, ist der Besuch des Kirmesgottesdienstes. Seinen Ursprung fand dieser alte Brauch nämlich in einem kirchlichen Feiertag im Jahr 813. Zu dieser Zeit gedachte man einmal im Jahr des Namenstages des jeweiligen Kirchenpatrons und dem Weihetag der Kirche. Um 813 legte man diese beiden Feiertage schließlich zusammen und feiert seither die "Kirchweih". Somit leitet sich das allseits bekannte Wort "Kirmes" von der "Kirchweih-Messe" ab, welche später als "Kirmesse" bezeichnet wurde.

Die Kirmes, wie wir sie heute kennen, die zu einem großen Dorffest wurde, entwickelte sich bereits im Mittelalter. Zunächst stieß dies auf Widerstand, was sogar für Verbote des Festes sorgte. Die Kirmesfreunde setzten sich jedoch durch. Somit ist die Kirmes eine Tradition, die wie keine andere das kulturelle Leben unserer Region prägt.

Die Kirmesgesellschaft Mackenzell wird am Sonntag (10:15 Uhr) in der Sankt-Johannes-Kirche die Kirchweih feiern. Wie es die Tradition will, in Tracht. Im nächsten Jahr wollen die Mackenzeller ihr 70. Kirmesjubiläum feiern, wie viele andere Kirmesgesellschaften in der Region – unter hoffentlich "normalen" Begebenheiten. (Franziska Vogt) +++


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