Waldschutz durch noch mehr Abschuss? - Fotos: Miriam Rommel

REGION Politiker in Rage

"Wald vor Wild": Droht das neue Bundesjagdgesetz doch noch zu kippen?

29.05.21 - Steht die Novellierung des Bundesjagdgesetzes vor dem Aus? Nachdem das Bundeskabinett im vergangenen November einen Gesetzesentwurf von Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) gebilligt hatte, könnte die Reform nun doch noch scheitern.

Ursprünglich sollte bereits vor Ostern über die Novelle abgestimmt werden, doch kurz vor der endgültigen Abstimmung legte die CSU ihr Veto ein. Offenbar hatte der bayerische Jagdverband interveniert und die Landesregierung davon überzeugt, dem Papier doch nicht zuzustimmen. Bündnis 90/Die Grünen sowie die SPD sind sauer.

Abschuss von Rot- und Rehwild

Geht es nach der Politik und einigen Naturschutzverbänden, sollen Jäger die Abschüsse ...

Über den Gesetzesentwurf wird in Fachkreisen gestritten, seit er an die Öffentlichkeit gelangte. Eigentlich hatte sich Klöckner lediglich mit dem Bleigehalt in der Munition, Schießübungsnachweisen und der Jägerausbildung beschäftigen sollen. Doch die Agrarministerin ging mit ihrem Entwurf weit über das Geforderte hinaus. Zum Erhalt der durchaus instabilen Wälder soll, ginge es nach ihr, nicht etwa weniger abgeholzt oder Pflanzen geschützt werden, Klöckner schlug vor, den Bestand des wiederkäuenden Schalenwildes teils drastisch zu reduzieren.

Doch nicht etwa Naturschutzverbände oder "grüne" Parteien gingen daraufhin auf die Barrikaden, sondern der breite Teil der Jägerschaft. Wald ohne Wild, so der Tenor, sei auf alle Fälle zu verhindern. Natürlich müsse der Wald geschützt werden, allerdings dürfe es nicht passieren, Reh- und Rotwild in ein paar Jahren nur noch in Büchern zu finden. Waldbesitzer, einige Landwirte, Umwelt- und Naturschutzverbände sowie staatliche Forsteigentümer hingegen sprachen sich dafür aus, den Wald grundlegend vor die Bedürfnisse der Tiere zu stellen – und den verpflichtenden Abschuss von noch mehr Wild in einem Gesetz festzulegen.

CSU stoppt Novelle

Grund genug für die Bayerische Landesregierung um Markus Söder, Klöckners geplante Jagdgesetzänderung – zumindest vorerst- zu stoppen.  Das wiederum ruft nun den Ärger anderer Politiker hervor. Der agrarpolitische Sprecher der SPD, Rainer Spiering, fordert jetzt das Eingreifen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Sie soll Parteifreund Markus Söder "zur Vernunft" bringen. Der ausgebildete Werkzeugmacher und spätere Berufsschullehrer für die Fächer Metallwissenschaften und Sport ist davon überzeugt, dass Merkel "diesem Land einen großen Gefallen tun würde, wenn sie endlich ein ambitioniertes Bundesjagdgesetz zulassen würde." Damit meint er die "nachhaltige Anpassung der Rehwildbestände". Auf Söder müsse nun dahingehend eingewirkt werden.

Der ultimative Sündenbock?

Auch Bündnis 90/die Grünen hatten sich in den vergangenen Monaten bereits deutlich zur geplanten Jagdgesetzänderung geäußert und ein besseres "Wildtiermanagement" gefordert. Grundsätzlich ist ihnen das bestehende Bundesjagdgesetz "zu alt". Haupt- und Nebenbaumarten des Waldes sollten ihrer Ansicht nach ohne Schutzmaßnahmen wie beispielsweise Zäune oder Anstriche aufwachsen, dafür müsse der Abschuss des Schalenwildes dementsprechend erhöht werden. Auch sie würden eine zügige Verabschiedung der Novelle begrüßen.

"Mit uns kein abgespecktes Gesetz"

Rainer Spierig von der SPD hat bereits angekündigt, dass seine Partei ein abgespecktes Gesetz ohne das Thema "Wald und Wild" nicht mitträgt. Scheitere die Reform jetzt tatsächlich, sei die Schuld dafür alleine bei der Union zu suchen. (mr) +++


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