Johanna Eifert mit ihrem ganzen Stolz: Ihr eigenes Buch "Krankenhausreif". - Fotos: privat

LAUTERBACH "Es war eine Art Therapie"

Assistenzärztin Johanna Eifert schreibt sich den Krankenhausalltag von der Seele

04.07.21 - Das letzte Jahr war hart für alle Pflegekräfte und Ärzte in Deutschland. Corona stellte das Leben in den Krankenhäusern auf den Kopf, die Intensivstationen waren voll und darüber hinaus musste der "normale" Krankenhausalltag zusätzlich gewuppt werden. Mittendrin: Johanna Eifert, Assistenzärztin im Eichhof Krankenhaus in Lauterbach. Über ihre Eindrücke, Erlebnisse und Momente hat die 29-Jährige gemeinsam mit ihrer Schwester Theresa nun das Buch "Krankenhausreif" veröffentlicht.

"Das Buch enthält Geschichten aus dem Krankenhausalltag des letzten Jahres, handelt demnach unweigerlich von der Pandemie, aber auch ganz viel von der zwischenmenschlichen Beziehung und verschiedenen bewegenden und emotionalen Situationen zwischen Arzt und Patient", erzählt Johanna im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS

"Das Buch ist unseren Großeltern Erna und Willi gewidmet und zu ihren Ehren enthält ...

Das Buch enthält viele Geschichten aus Johannas Krankenhausalltag.

"Das Schreiben war eine Art Therapie"

Ihre 24-Stunden-Dienste verbrachte die Lauterbacherin hauptsächlich in der Notaufnahme. "Dort passieren natürlich viele bewegende und schlimme Situationen, man hat mit Patienten zu tun, denen es sehr schlecht geht. Nach meiner Schicht habe ich im Januar 2020 angefangen, die Geschichten aus dem Krankenhaus aufzuschreiben. Ich wollte mir die Dinge von der Seele schreiben, es war eine Art Therapie für mich, um die Momente zu verarbeiten", sagt sie ehrlich. 

Kleinere Texte hatte sie auf Instagram gepostet und bekam dabei immer positive Resonanz von Menschen, dir ihr folgten. "Das musst du unbedingt als Buch zusammenschreiben", hatte man ihr immer wieder gesagt. "So entstand die Idee zum Buch." Eine Geschichte hat etwa drei Seiten und eine selbst gemalte Illustration von ihrer Schwester Theresa rundet das Konzept ab. 

Aus dem Corona- und Notaufnahmen-Alltag

Da Corona das letzte Jahr auch im Lauterbacher Eichhof Krankenhaus geprägt hat, schreibt Johanna in ihrem Buch auch viel über die Pandemie. "Am schlimmsten war der Anfang, letztes Jahr im März/April. Viele Menschen, gerade ältere, sind gestorben und selbst wir auf der Personalseite waren unsicher", gibt die Assistenzärztin zu. "Steckt man sich jetzt an, kann ich danach noch Kontakt zu meiner Familie haben?" All das waren Fragen, die der 29-Jährigen durch den Kopf gingen. Doch die Patienten hatten für sie Vorrang. "Die Patienten hatten teils einen langen und schwierigen Verlauf und waren vier Wochen oder länger auf der Station - dabei durften sie kein Besuch empfangen. Für viele war das eine weitere seelische Belastung, viele waren durch die Umstände depressiv verstimmt, das nimmt einen mit." Aber als betroffene Ärztin hat sie weitergemacht, den Patienten Beistand geleistet und versucht, neuen Lebensmut zu geben. "In der zweiten und dritten Welle hat es dann die jüngeren Patienten getroffen, sie haben rapide abgebaut, die Stimmung ist von jetzt auf gleich gekippt."

Corona hin, Corona her - aber auch in der Notaufnahme musste es weiterlaufen. Johanna berichtet von einem Fall, der ihr besonders in Erinnerung geblieben ist: "Ein Patient wurde eingeliefert und er war kurz vor dem Sterben. Durch einen Schlaganfall war er bereits ein Pflegefall und hatte eine Patientenverfügung, die besagte, dass keine lebenserhaltenden Maßnahmen durchgeführt werden sollen. In der Notaufnahme musste ich dann entscheiden: Was mache ich jetzt? Kann ich ihm helfen oder muss ich die Finger davon lassen? Nichts zu tun, ist oft viel schwieriger, als etwas zu machen", sagt sie. 

"Es ist mein Traumberuf"

Es sind Geschichten, die ans Herz gehen. Die einem zum Lachen und zum Nachdenken bringen, aber auch emotional werden lassen. Es sind Geschichten, die dem Leser einen Einblick in den Krankenhausalltag im vergangenen Jahr geben sollen. Es sind Geschichten, die Johanna beim Niederschreiben geholfen haben, die Momente zu verarbeiten - "wie ein Kinderpflaster mit Marienkäfern auf eine unsichtbare Wunde zu kleben, die seit dem Pusten schon gar nicht mehr wehtut".

Trotz aller mitreißenden, emotionalen und traurigen Momente: Der Job als Assistenzärztin ist für Johanna ihr Traumberuf. "Man darf die schönen Seiten dabei nicht vergessen. Wenn Patienten wieder gesund werden und sich für alles Geleistete bedanken." (Luisa Diegel) +++


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