"David" Lauterbach hatte "Goliath" Kassel tatsächlich geschlagen. Der Jubel kannte keine Grenzen - Foto: goa

LAUTERBACH Sensation im Finale

Luchse Lauterbach werden sensationell Eishockey-Hessenmeister

05.04.22 - Dass es einen spannenden Showdown im Lauterbacher Steinigsgrund um den Hessenmeister-Titel geben könnte, hatten Optimisten nach den durchaus sehenswerten Auftritten der Luchse gegen die Kassel 89ers in den letzten Heimspielen der Hauptrunde ja vage gehofft. Dass am Ende des hochklassigen Finaltages aber die Luchse den Siegerpokal in die Höhe hielten, und dies auch noch keineswegs unverdient, damit hatte in dieser Form wohl sicher niemand gerechnet.

Halbfinalspiele am Samstag

Im ersten Halbfinale standen sich die Kassel 89ers und die Eifel-Mosel-Bären aus Bitburg gegenüber. Die Kasseler Topfavoriten ließen nichts anbrennen und setzten sich mit 5:1 durch (2:0, 1:0, 2:1).

Der zweite Mann des Abends: Shooter Andrè Bruch, nach seinem zweiten verwandelten ...

Fokussiert: Kapitän Niels Hilgenberg

Spannender als es das Endergebnis erwarten lässt verlief das zweite Halbfinale zwischen den heimischen Luchsen und den Roten Teufeln Bad Nauheim II. Nach einem ausgeglichenen Schlagabtausch im ersten Drittel und einer 3:0-Führung der Hausherren stand es beim Kabinengang nur noch 3:3, alles schien offen. Im zweiten Durchgang buchten die Luchse mit einer starken Leistung dann aber die ersehnte Eintrittskarte fürs Finale, vor dem letzten Drittel stand es 8:4. Die Kurstädter erzielten dann das einzige weitere Tor zum 8:5-Endstand. Damit standen die in der Hauptrunde verlustpunktfreien Kassel 89ers und der Tabellenzweite Luchse Lauterbach als die allgemein erwarteten Finalgegner fest.

Der 1. Vorsitzende, der Kapitän und der Trainer mit dem Pokal: Manfred Naumann, Niels ...

Die „Jungen Luchse“ bestritten ein Einlagespiel

Luchse Keeper Sebastian Grunewald einer der beiden Männer des Abends

Finalspiele am Sonntag: Die Eifel-Mosel-Bären werden gegen Bad Nauheim Dritter

Wer geglaubt hatte, die beiden Teams würden das Spiel um Platz 3 nicht ernst nehmen, sah sich getäuscht. In einem umkämpften und sehr guten Spiel besiegten die Eifel-Mosel-Bären die Roten Teufel II mit 5:4 (2:1, 1:3, 0:2) - der Siegtreffer fiel erst in den letzten 20 Sekunden.

Dann war es endlich soweit: Nach einer langen und kräftezehrenden Saison sollten die letzten 60 Spielminuten über die Hessenmeisterschaft zwischen den beiden besten Mannschaften des ganzen Hauptrundenverlaufs entscheiden. Die Rollenverteilung war klar: Die Luchse mussten sich als klare Außenseiter auf ihre Underdog-Qualitäten, ihren unbändigen Kampfgeist und die Power der Fans im Luchsbau verlassen - und natürlich auf das nötige Quentchen Glück hoffen, ohne das es ganz sicher nicht gehen konnte. Zu klar schien aber eigentlich wohl doch die Vorherrschaft der 89ers, die als Unterbau der Huskies naturgemäß schon eher aus dem Vollen schöpfen können.

Eine gute Nachricht ergab der Blick auf den Luchse-Kader: 16 Spieler standen Trainer Thomas Berndaner zur Verfügung, und sie sollten mit Ausnahme des zweiten Keepers Dominique Morton alle ihre Einsatzzeiten erhalten.

Das erste Drittel: Wie gewonnen, so zerronnen...

Die Zuschauer konnten sich von Beginn an über ein schnelles und intensives Finale freuen, das dabei nie überhart oder unsportlich werden sollte. Und hey - die Luchse spielten munter drauflos und schienen schließlich sogar feldüberlegen zu sein. Ein Tor wollte lange nicht fallen. Man stellte sich schon auf einen torlosen Verlauf bis zur ersten Drittelpause ein, als Andrè Bruch nach Vorarbeit von Tavish Davidson und Daniel Knieling die nicht unverdiente Führung erzielte. Sie hielt nicht lange: Die Lautsprecherdurchsage zum Torschützen lief noch zusammen mit dem Lauterbacher Fanjubel, da schlugen die Nordhessen 15 Spielsekunden nach dem Luchse-Tor in der letzten Spielminute eiskalt zurück - mit Rückstand wollten sie wohl nun wirklich nicht in die Kabine gehen. Die Anzeigetafel verkündete also ein 1:1, und nicht nur die Heimfans staunten über die Leistung der Luchse. Aber würden Sie das Niveau und das hohe Tempo durchhalten? Es ist trotz der Bedeutung ein faires Spiel: im ersten Durchgang gibt es keine einzige Zeitstrafe!

Das zweite Drittel: Hoppla, hier liegt was in der Luft...!

Schon nach gut fünf Minuten ist es erneut Andrè Bruch, der nach Vorarbeit von Daniel Knieling und Michael Kuhn zur Führung einnetzt. Klar, die 89ers haben durchaus ihre Chancen zum Ausgleich, allerdings wären auch weitere Luchse-Treffer möglich gewesen. Die beiden Torhüter Sebastian Grunewald und Adam Ondraschek können nicht über Langeweile klagen und machen beide ihre Sache sehr gut. Nach wie vor beeindruckt der osthessische Außenseiter aber durch seine konzentrierte Abwehrleistung, die Zweikampfstärke und seinen Einsatzwillen - durch alle Reihen hinweg. Langsam wird (auch den Kasselern) klar: Hier könnte etwas in der Luft liegen, denn die Führung ist nach zwei Dritteln kein Versehen, kein Zufall und kein bloßes Glück.

Das letzte Drittel: Kasseler Ausgleich, nicht mehr und nicht weniger!

Jetzt würde man wohl damit rechnen müssen, dass ein Kasseler Wirbelsturm auf den Grunewald-Kasten zurollen würde... Wie lange würden die Luchse noch durchhalten? Derek Dinger erzielt in der 49. Minute bei Überzahl den Ausgleich, als Kapitän Niels Hilgenberg nach Haken zwei Minuten absitzt. Weitere Strafzeiten auf beiden Seiten verstreichen ohne Tore, ein 89er-Treffer wird wegen hohem Stock aberkannt, ein Luchse-Schuss lässt nur den Torpfosten klingeln.

Respekt vor der mannschaftlich geschlossenen, disziplinierten und couragierten Art, wie das Berndaner-Team dem vermeintlich übermächtigen Gegner Paroli bot! Selbst wenn es ein Wirbelsturm hätte werden sollen - es konnte keiner werden, weil die Luchse den Kasseler Ventilator abstellten und dabei selbst gefährlich blieben. In 60 Minuten kein einziges Mal in Rückstand geraten, das muss man erstmal so schaffen. Endstand also 2:2 - das Spiel hatte auch eigentlich keinen Sieger verdient. Ein Finale braucht aber einen Sieger, und der musste dann im Penaltyschießen ermittelt werden.

Finale Furioso: Ein Penaltyschießen gewinnt nunmal der Glücklichere

Der 89er Derek Dinger tritt als erster Schütze an, Grunewald hält. Auf der Gegenseite scheitert Tobias Schwab an Keeper Ondraschek. Gleiches gilt für Paarung 2 mit Lasse Bödefeld und Julian Grund. Es bleibt ausgeglichen mit je einem folgenden Treffer: zunächst Kapitän Patrick Berendt, dann Andrè Bruch. Als dann die Reihenfolge getauscht wird und erneut Andrè Bruch trifft (wir erinnern uns: er hatte auch bereits in der regulären Spielzeit beide Treffer erzielt!), ist klar: Auch Berendt muss erneut treffen, sonst ist sein Team nur Vizemeister! Nachdem also Andrè Bruch seine Sternstunde bereits in 4 Tore umsetzte, ist spätestens das Penaltyschießen auch eine Sternstunde von Luchse-Keeper Sebastian Grunewald: Er hält tatsächlich auch den dritten von vier Penalties! Der Luchsbau bebt und versinkt im Jubelbad der neuen Hessenmeister aus dem Vogelsberg.

Bei aller Glückseligkeit und dem regionalen Stolz darüber, dass die Luchse sich den Erfolg mit dem unbedingt nötigen Glück aber auch verdient haben, bleibt doch fairerweise eins festzuhalten: Die mit Abstand beste und beständigste Mannschaft der gesamten Hessenligasaison waren eindeutig die 89ers. Diese leisteten sich aber die einzige Niederlage gegen einen über sich hinauswachsenden Gegner ausgerechnet im Spiel ums Ganze... So hart kann Sport sein, wenn nicht die Abschlusstabelle der Saison, sondern ein Turnier mit je zwei KO-Spielen über den Titel entscheidet.

Unter dem Strich sahen die Fans eine Megawerbung für das hessische Amateur-Eishockey! (goa)

Die Hessenmeister-Aufstellung der Luchse Lauterbach:

Tor: Grunewald, Morton. Abwehr: Hilgenberg, Grund, Davidson, Andert. Sturm: Schütz, Welser, Knieling, Weitzer, Spencer, Schwab, Kuhn, Bruch, Grund, Bock. Trainer: T. Berndaner, Mannschaftsleiter: B. Grunewald. +++


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