Markus Meysner gibt zum 30. Juni auch sein Landtagsmandat zurück - Fotos: Carina Jirsch

FULDA "Viele haben besorgt nachgefragt"

Nach seinem angekündigten Rückzug: Gespräch mit Markus Meysner

27.05.22 - Von der Frage, wann der richtige Zeitpunkt für eine mitunter wegweisende und das Leben beeinflussende Entscheidung sein kann, ist im Gespräch mit Markus Meysner sehr häufig die Rede. Der 56-Jährige hatte die Delegierten des CDU-Kreisparteitages am vergangenen Wochenende damit überrascht, zum 30. Juni sein Landtagsmandat niederlegen zu wollen. Dass er überdies nicht mehr als Fuldaer CDU-Kreisvorsitzender kandidieren würde, war bereits vorher bekannt gewesen. Während ihm in dieser Position der Erste Kreisbeigeordnete Frederik Schmitt folgt, wird Sebastian Müller aus Hofbieber das Mandat in Wiesbaden wahr- und übernehmen. 

Markus Meysner (Mitte) im Gespräch mit O|N-Chefredakteur Christian P. Stadtfeld ...

Der 56-jährige Meysner zeigt sich Tage später noch gerührt darüber, dass er von den Anwesenden des Parteitages mit "standing ovations" bedacht worden sei. Viele CDU-Freunde aus der osthessischen Region und der Landespolitik, aber auch Angehörige anderer Parteien hätten teils zutiefst besorgt nachgefragt, ob sie sich ernsthafte Gedanken machen müssten. Dazu Meysner: "Es gab für mich verschiedene Gründe für meine Entscheidungen. Dabei spielte eine große Rolle, dass mir mein gesunder körperlicher Zustand wichtiger ist als mein persönliches Ego. Aber um alle zu beruhigen – ich bin nicht sterbenskrank. Zudem wollte ich Sebastian Müller als meinem Nachfolger in Wiesbaden die Möglichkeit und den zeitlichen Vorteil geben, sich in seine neue Aufgabe einzuarbeiten, bevor wieder Landtagswahlen anstehen und er sein Mandat verteidigen muss". 

Eingeweiht in seine Entscheidungen waren neben der Lebenspartnerin zunächst nur der engste Kreis an Vertrauten, darunter Fraktionsvorsitzender, Landrat und Erster Kreisbeigeordneter sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Gerade für sie ist es Meysner wichtig gewesen, dass "es so weitergeht wie bisher".  In einem längeren Gespräch hat er auch die Landtagsfraktionsvorsitzende Ines Claus mit seinen Überlegungen vertraut gemacht. Und natürlich musste am Samstag die "CDU-Familie" von seinen Plänen erfahren, "denn ohne die CDU wäre ich nicht das geworden, was ich geworden bin. Sie hat mich 21 Jahre lang durch meine hauptamtliche Arbeit getragen: Zwölf Jahre lang als Bürgermeister von Tann (Rhön) und dann neun Jahre lang als Landtagsabgeordneter". Es sei nicht einfach gewesen, den richtigen Zeitpunkt für den Rückzug zu erwischen, "aber ich bin überzeugt, ihn getroffen zu haben. Und wenn ich meine Gesundheit im Blick habe, dann muss ich egoistisch sein". Sein politisches Engagement sei schon sehr aufreibend:  "Ich habe im Schnitt 72-Stunden-Wochen, im Jahr rund 360 Termine abends und am Wochenende, war alleine im März nur vier Tage daheim, fahre im Jahr rund 50.000 Kilometer und schlafe ein Drittel des Jahres in Hotels".

Im Gespräch merkt man dem 56-Jährigen an, wie sehr es ihn freut, gemeinsam mit seinen Partei- und Landtagskollegen Thomas Hering sowie dem Bundestagsabgeordneten Michael Brand viel für die Region erreicht und den Anstoß für erfolgreiche Initiativen gegeben zu haben. Wie beispielsweise die 13 Millionen-Förderung für die Edag oder die letztendlichen Änderungen am Landesentwicklungsplan (LEP), die der Region auch monetär Verbesserungen gebracht hätten. Zudem habe Unsinniges verhindert werden können, wie beispielsweise die Zuordnung verschiedener Kommunen im LEP über die Kreisgrenzen wie Flieden zu Schlüchtern. Das permanente Bohren auch manch dicker Bretter habe sich ausgezahlt, ebenso wie das hervorragende Netzwerk in Stadt und Landkreis Fulda. Und wenn sich beispielsweise in Wiesbaden eine Hürde aufgetan habe, dann sei es immer noch möglich gewesen, dem legendären "Schränkchen" in seinem Büro einen Besuch abzustatten. Dort sei fraktionsübergreifend so manches Problem gelöst worden. Das "Schränkchen" werde er der Fraktion beziehungsweise seinem Nachfolger weitergeben, so Meysner. 

Der Noch-Landtagsabgeordnete hat Politik stets nicht nur mit Spaß und Freude, sondern auch mit einer gehörigen Portion Ehrlichkeit und der Fähigkeit verbunden, vor einer Entscheidung Dinge sorgsam abzuwägen. Man müsse Schwerpunkte setzen und dabei über den Tellerrand hinausblicken.  Dies wolle er auch seinem Nachfolger in Wiesbaden mit auf den Weg geben, der zwar ein etwas anderer Typ sei als er, als persönlicher Referent von Landrat Bernd Woide aber viel Einblick in politische Prozesse habe. "Zudem ist Sebastian Müller Nebenerwerbslandwirt und kann damit eine Lücke füllen, die Kurt Wiegel aus Lauterbach nach seinem Rückzug in der Fraktion hinterlassen hat". Der neue CDU-Kreisvorsitzende Frederik Schmitt schließlich sei ein ausgewiesener Fachmann, Taktiker und hervorragender Organisator und könne sich auf das neugewählte Vorstandsteam absolut verlassen. Nicht umsonst sei die CDU seit Jahrzehnten schon die gestalterische Kraft in Stadt und Landkreis Fulda, stelle Landrat, Ersten Kreisbeigeordneten und 15 von insgesamt 23 Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern.

Nach dem 30. Juni freut sich der 56-Jährige nun zunächst einmal darauf, ein großes Stück weit selbst über seine Zeit bestimmen zu können. "Ich werde mir dann aussuchen können, zu welchen Veranstaltungen ich gehen möchte, werde aber meine Kontakte zu den mir nahestehenden Vereinen und Organisationen wie Karneval, Rhönklub und Feuerwehr ausbauen beziehungsweise neu beleben". Viel vor hat Meysner auch in seiner Funktion als neuer Präsident des Lions-Clubs Fulda-Bonifatius. Zudem wolle er sich wieder um einen Platz im CDU-Landesvorstand bewerben und sei ja immer auch noch Kreistagsmitglied. 

Bei alledem freue er sich auf das Genießen seines Zuhauses in Petersberg, auf ausgedehnte Spaziergänge mit Partnerin und den Hunden, auf Fahrten mit dem neuen Wohnmobil, auf Handwerkliches und auf eine Weiterentwicklung seiner Kochkünste. (Bertram Lenz) +++


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