Fokussiert auf Billard und die Kugel: Thorsten Hohmann - Foto: matchroom

FULDA Ein Billard-Weltmeister im O|N-Interview

Thorsten Hohmann: Das war die beste Veranstaltung, die viele je erlebt haben

17.08.22 - Zugpferd. Lokalmatador. Mitfavorit. Oder einfach Fuldaer. Gemeint ist Thorsten Hohmann. Kurz bevor er nach Ende der European Open im 9-Ball in der Esperantohalle den Rückflug in die USA antritt, nimmt sich der 43-jährige dreifache Billard-Weltmeister Zeit, um sich im Vereinsheim der SG Johannesberg den Fragen von OSTHESSEN|NEWS zu stellen. Im Interview verrät er, was er tat, um die für Fulda einzigartige Veranstaltung in die Barockstadt zu holen, wie er Spieler des 256 starken Teilnehmerfeldes der Weltelite betreute, was die 1. European Open in Fulda auslösten - und Einiges mehr. 

Herr Hohmann, Sie befinden sich inmitten der Weltelite und gelten als Zugpferd der European Open. Aber wie haben Sie es eigentlich geschafft, die Veranstaltung nach Fulda zu holen?

Thorsten Hohmann: Zum einen war matchroom (nahm die Promotion der European Open in die Hand) unter Druck, denn für November 2020 hatte das Unternehmen bereits eine Billard-Veranstaltung angekündigt. Ich habe Emily Frazer, das "matchromm-Gesicht", angesprochen, dass ich in Fulda was hätte ...

... in Fulda?

Hohmann. Ja. Ich habe mich mit dem ehemaligen Bürgermeister und Staatssekretär Wolfgang Dippel zusammengesetzt. Ich wollte die European Open zunächst im Schlossgarten ausrichten, aber dort sei es für diese Veranstaltung zu klein, sagte Dippel. Ich sollte die Esperantohalle anrufen, ob die frei ist.

Wie ging der Deal weiter?

Hohmanns Lebensgefährtin Sayaka Nihongi

Kennen sich seit 30 Jahren: Arik Reiter und Thorsten Hohmann

Hohmann: Ich habe mich nach den Kosten pro Tag erkundigt, Emily angerufen - und die Idee platziert, dass man solch eine Veranstaltung auch in Fulda machen könnte. Es blieb noch die Frage, ob das Team der Esperantohalle matchroom bei den Kosten entgegenkommen könne. Frazer entschied sich für die Ausrichtung. Sie fand die Idee gut. Weil ich dabei bin, und wegen Fuldas zentraler Lage - auch für die Fans.

Was haben Sie veranlasst, als der Deal in trockenen Tüchern war?

Hohmann: Ich habe den Verein, die SG Johannesberg, scharf gemacht. Arik Reiter mobilisiert. Und ich habe gespürt, dass es klappen könnte. Alleine dadurch, dass es ein matchroom-Event ist. 

Es hat sich herumgesprochen, dass Sie Einiges getan haben in der Betreuung der Spieler. Was genau?

Hohmann: Das war individuell. Für ein paar Spieler habe ich die Zugverbindungen herausgesucht oder gebucht. Ich habe auch eine kleine WhatsApp-Gruppe mit 50 Spielern gegründet. Denn manche wollten schon wissen, wie sie nach Fulda kommen ...

Das war doch nicht alles, oder?

Hohmann: Ich habe alle Bekannten angerufen: Habt ihr Lust, einen Stand zu betreiben? Und sie hatten Lust. Die Verkaufsstände waren dann in der Vorhalle, im Esperanto Plaza, aufgestellt. Das habe ich dann an matchroom weitergeleitet. 

Wie kam die Fernsehpräsenz am Wochenende an?

Hohmann: Die war unglaublich professionell. Wie schnell da geschnitten wurde. Absolute Spitzenklasse. 

Wäre nicht eine Anmoderation oder Vorstellung der Spieler, gerade an den ersten der sechs Tage, sinnvoll gewesen? Um die da noch wenigen Zuschauer an die Hand zu nehmen oder sie zu begleiten?

Hohmann: Ja. Es gibt viele Sachen, die wir hätten besser machen können. Auch ich. Zum Beispiel habe ich über die Verbreitung per Social Media null gemacht. 

Wo kamen die Zuschauer her? Waren Sie mit der Unterstützung von außen zufrieden?

Arik Reiter, Dr. Heiko Wingenfeld und Thorsten Hohmann

Hohmann: Aus ganz Deutschland. Ich habe viele Billard-Enthusiasten, etwa aus Oberhausen, gesehen. Insgesamt gesehen, musst du die Leute erstmal rankriegen und animieren. Aber als unser Johannesberger Raphael Wahl gegen den Top-Mann Joshua Filler gespielt hat, war so eine geile Stimmung. Das war in der zweiten Runde. Und die Fuldaer sind ja dann auch immer mehr in die Halle gekommen.

Wie war die Reaktion von Verantwortlichen der Esperanto-Halle? 

Die hatten solch eine Live-Veranstaltung noch nie gesehen. Schließlich haben sie ja auch ordentlich Werbung abbekommen. Jedes Video begann mit ihrem Hotel. Wenn wir wirklich noch einmal in Fulda ausrichten dürften, müssen 2.000 Leute kommen - und nicht 300.

Die Veranstaltung ist also letztlich gut angekommen in der Barockstadt - oder?

Hohmann: Oh ja. Im Gesamtpaket war das die beste Veranstaltung, die viele erlebt haben. Das sagen und betonen auch die Spieler. Ob das Hotel. Die Spielhalle. Die Nähe zur Stadt. Ihre Gastfreundlichkeit. Und beim Finale war die Halle mit etwa 300 Zuschauern ziemlich voll.

Wie groß sind die Chancen, dass Fulda die European Open wieder hautnah erleben darf?

Hohmann: Das kann nur matchroom beantworten. In einigen Wochen wird das entschieden.

Was spricht denn dafür?

Hohmann: Dass alle Fans und Spieler wiederkommen wollen. Unsere Superstars, die Fillers, waren super zufrieden. Auch der Turniersieger Albin Ouschan hat gesagt: Das Turnier war perfekt. Shane van Boening will unbedingt wieder nach Fulda. Ich kriege ständig Nachrichten - ob aus England, Neuseeland oder sonst woher aus aller Welt - wie gut das hier war. Es wäre schön, wenn wir noch einmal 'ne Chance kriegen.

Der Promoter matchroom hat mit Ihnen ein Video vor dem Fuldaer Dom gedreht. Auch die Stadt dürfte sich gefreut haben. Das kam gut an - oder?

Hohmann:  Ja, klar. Ich war ja rausgeflogen, doch matchroom wollte auf jeden Fall ein Video machen. Ich wollte eher in der Orangerie. Aber ich fand das super. Das haben die Klickzahlen ja auch gezeigt. Und über die Stadt Fulda etwas aufzugreifen. Aber es wäre vielleicht noch besser gewesen, wenn ich mich auf die Fragen hätte vorbereiten können ...

Sie sind frühzeitig ausgeschieden. Lag es auch daran, dass Sie zu viel um die Ohren hatten und sich nicht so auf den Sport konzentrieren konnten?

Hohmann: Bewusst nicht. Vielleicht war das ein bisschen so. Aber meine Konzentration war schon da. In meinem ersten Spiel hat mir der schnelle Tisch ein bisschen im Weg gestanden - obwohl auch mein Gegner gut war. Dann hatte ich ein paar richtig gute Matches. Und das letzte Spiel lief dann an mir vorbei. 

Der Stress bleibt also nicht in den Billard-Klamotten stecken - oder doch?

Hohmann: Na ja. Ein Tag war schon krass. Da habe ich Spieler vom Esperanto abgeholt, bin mit ihnen einkaufen oder habe sie zum Training im Verein nach Johannesberg gefahren. Auch schon morgens um 7. (wk) 


THORSTEN HOHMANN ist 43 Jahre alt, gebürtiger Fuldaer und ein osthessisches Aushängeschild seines Sports. Dreimal wurde er Weltmeister - zweimal im 9-Ball, einmal im 14/1. Im April 1992 trat er in den Verein ein bei der SG Johannesberg - und 30 Jahre später ist er noch immer Mitglied. Derzeit lebt er in New York. Zunächst war Florida sein Aufenthaltsort, dort ist Jacksonville nach wie vor sein Wohnsitz. In 14 Tagen fliegt er schon wieder ein auf den europäischen Kontinent. Dann spielt er bei der Tec-WM in Österreich. An der Seite des Ehepaars Filler startet er für Deutschland in diesem Team-Wettbewerb. +++


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