Werke der Künstlerin Gaebert. - Fotos: Hanswerner Kruse

FULDA Drei Gast-Künstlerinnen

"Ausgelöst" - Neue Ausstellung im Kunstverein

24.03.25 - Bei fantastischem Frühlingswetter wurde am letzten Sonntag die neue Ausstellung des Fuldaer Kunstvereins eröffnet. Die Vernissage fand im Freien statt und begann mit einer Performance der Künstlerin Christiane Gaebert. Auf ein großes weißes Blatt zeichnete und kritzelte sie blitzschnell mit zarten Linien viele angedeutete Gesichter. Vom Band erklangen dazu Gesänge aus den 1920er-Jahren, diverse Geräusche, groteske Töne neuer Musik, Textfragmenten von Brecht oder Hauser. Einerseits inspirierten die Klänge die Künstlerin bei ihrer intuitiv-dynamischen Gestaltung, andererseits verdichtete sich dadurch ihre Arbeit aber auch zu einer Aufführung für das Publikum.

Nach einiger Zeit begann sie mit verschiedenen Farben Teile des Bildes auszumalen, manche Gesichter mit fetten Farblinien nachzuziehen. Gut eine spannende halbe Stunde später hatte sie ein provisorisches Werk geschaffen, das ihren wesentlich komplexeren Bildern im ersten großen Ausstellungsraum des Kunstvereins ähnelte. Auch bei dem gewaltigen Gemälde "Die Zusammenkunft" schauen aus dem Hintergrund Menschen zu, während sich eine Äffin und ein Zicklein im Vordergrund annähern. Daneben hängt ein mächtiges Wimmelbild von ihr, mit lauter Gesichtern, gezeichnet mit einer einzigen, durchgehenden Linie.

Eindrücke von der Eröffnung.

Gaeberts Performance war auch eine Demonstration ihrer dynamischen und spontanen Arbeitsweise, in der deutlich wurde, dass sie vielleicht bestimmte Vorstellungen zur Gestaltung im Kopf hat. Dass aber auch die äußere Atmosphäre und die Eigengesetzlichkeit der Farben und Linien das Ergebnis mitbestimmen. Im völligen Kontrast dazu stehen ihre geschnittenen Konstruktionen aus Papier, gleichsam dreidimensionale Scherenschnitte unter Glashauben. Sie wirken wie schwebende bizarre Skulpturen, die einfach geplant und konstruiert werden müssen.

"Maske", "Decke", "Kleid und Kleidchen"

Vor der "Zusammenkunft" liegt ein riesiger, silberglänzender Gürtel der Bildhauerin Helga Schwalt-Scherer. Daneben hängen oder liegen kleinere Objekte: die "Maske", eine "Decke", "Kleid und Kleidchen" Alle diese Gebilde haben die Weichheit, die die Titel verheißen - dennoch muten sie starr, metallisch und abweisend an. Am klarsten wird das bei der unverkäuflichen "Socke" im Nebenraum. Das Teil mutet an wie ein anmutiger, zarter Stiefel, obwohl er aus glänzendem Eisen gefertigt wurde. Hinter allen diesen Arbeiten von Schwalt-Scherer verbirgt sich trotz ihrer Schönheit eine Düsternis und etwas Gewalttätiges …

Man muss lange hinschauen und nachdenken oder in die Preisliste schauen, um zu erkennen, dass die Skulpturen im Wesentlichen aus NATO-Draht (!) gefertigt wurden. Das Material ist also bereits per se gefahrvoll und bedrohlich. Dadurch entsteht die ungeheure Spannung, die ihre Arbeiten auszeichnen. Ihre Objekte können auf strukturelle Gewalt verweisen, auf mögliche Ruchlosigkeit hinter der Liebe oder das Entsetzen im Alltag, wenn man die Nachrichten hört. Doch die Werke sind nicht eindeutig in ihrer Aussage, sie lassen vielfältige Interpretationen zu.

Die Künstlerin war Steinbildhauerin und von daher "hart im Nehmen", wie sie sagt. Deshalb kann sie auch mit dem brutalen Material NATO-Draht umgehen, ihn plastisch bearbeiten und seinen Widerstand überwinden.

Vorsitzende des Kunstvereins, Anna-Elisabeth Härtel-Geise.

Kerstin Römhild ist die dritte im Bunde der Gast-Künstlerinnen des Kunstvereins aus der Region Würzburg/Aschaffenburg. Sie präsentiert in der Ausstellung Fotografien und - meist - deren experimentelle Weiterverarbeitung etwa mit Textilien. Aus Fotos, hinzugefügtem Stoff, anderen Materialien und Nähten schuf sie strenge oder luftige Collagen, welche für uns Betrachter die Stimmung eines Ortes oder besondere Situationen nachfühlbar machen können. Auf den Fotos "Lichtschein", etwa im Kaminzimmer, sind grafische Kompositionen erkennbar, die mit Licht und Schatten abstrakte Räume kreieren. "Ich seh' gelb" sind eigenartig strukturierte Bilder, die wie Gespinste wirken.

Bilder von der Performance.

Im Vordergrund steht die Frage: Was lösen sie in uns aus?

Bei all diesen Werken von Römhild sollte uns zunächst nicht die Frage beschäftigen, wie sie die Arbeiten hergestellt hat oder was sie bedeuten sollen. Immerhin verweisen die Titel ja darauf - jedoch wie bei allen Objekten in dieser Ausstellung sollte die Frage im Vordergrund stehen: Was lösen sie in uns aus?

Nicht unerwähnt bleiben sollte in diesem Text, das immense Büffet mit süßen und pikanten Leckereien, die von vielen Leuten des Vereins mitgebracht wurden. (Hanswerner Kruse) +++

Service

Ausstellung "Ausgelöst" noch bis zum 1. Juni 2025 im Kunstverein Fulda, Habsburgergasse 2
Geöffnet Donnerstag bis Sonntag 15 - 18 Uhr

Werke von Römhild.

Kunst von Schwalt-Scherer.


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