

Wirtschaftswachstum trifft Ausbildung: Fulda verliert elf Prozent der Lehrstellen
01.04.25 - Die Zwischenbilanz des laufenden Ausbildungsjahres zeigt eine klare Tendenz: Bei der Ausbildungsmarktkonferenz der Agentur für Arbeit Fulda wurde am Montag ein deutliches Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage im Landkreis festgestellt. Obwohl die Zahl der Bewerber im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist, stehen spürbar weniger Ausbildungsplätze zur Verfügung.
Insgesamt stehen den jungen Menschen in Fulda aktuell rund 1710 Ausbildungsstellen zur Verfügung – ein Rückgang von elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Unternehmen sehen sich aufgrund wirtschaftlicher Unsicherheiten gezwungen, ihre Ausbildungsplätze zu reduzieren oder gar nicht erst anzubieten. Steigende Kosten, Zurückhaltung bei Investitionen und die allgemeine Marktlage sorgen dafür, dass viele Betriebe zögern, neue Lehrlinge einzustellen. Viele Unternehmen, die in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebildet haben, müssen Prioritäten setzen und Ausbildungsplätze einsparen. "Wir müssen wieder ein Wirtschaftswachstum sehen", erklärte Kreishandwerksmeister Thorsten Krämer: "Der Rücklauf ist verständlich, aber ein schlechtes Signal für die Zukunft."
Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage geht auseinander
Während das Angebot sinkt, steigt die Nachfrage: 1150 Menschen haben sich in diesem Jahr um eine Ausbildungsstelle beworben – ein Anstieg von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Diese Entwicklung ist sehr erfreulich", betonte Matthias Dengler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld-Fulda. Auch Geflüchtete und Quereinsteiger suchen verstärkt nach einer beruflichen Einstiegsmöglichkeit über eine Ausbildung. 288 der 1150 Bewerber kommen aus sogenannten Drittstatten. Über 50 Prozent der Auszubildenden startet mit einem Realschulabschluss in die Arbeitswelt. "Insgesamt haben wir in unserer Region einen sehr guten Ausbildungsmarkt", so Dengler. Auch Ulrich Nesemann, Leiter des Fachbereichs Bildung, zog ein positives Zwischenfazit: "Es ist schön, dass die Bemühungen der letzten Jahre Früchte getragen haben. Wir sind in einer komfortablen Lage."
Ausbildungsbereitschaft muss aufrechterhalten werden
Es dürfe sich aber nicht auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausgeruht werden, so Gabriele Leipold, die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Fulda: "Wir müssen aufmerksam sein. Der Fachkräftemangel ist da und wird sich weiter verstärken. Wir müssen darauf achten, dass wir in Zukunft genügend Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen können." Die Nachfrage im Handwerk konnte auch in diesem Jahr wieder gedeckt werden – die Ausbildungsbereitschaft auch in der Zukunft aufrechtzuerhalten, sieht Leipold als eine wichtige Aufgabe. (Constantin Butler) +++