
Klimafreundliche Zukunft gemeinsam gestalten
04.04.25 - Gut 120 Akteure aus verschiedenen regionalen und überregionalen Gruppen nahmen kürzlich an der Auftaktveranstaltungen der Klimabildungslandschaft Vogelsberg in der Adolf-Spieß-Halle in Lauterbach teil. Gemeinsam mit den Organisatorinnen und Organisatoren aus dem Kernteam und im Beisein politscher Vertreterinnen und Vertreter, entwickelten sie konkrete Projektideen. Ziel ist es, den Vogelsberg in den Bereichen Bildung, nachhaltige Ernährung und Tourismus/Gastwirtschaft zu fördern und gleichzeitig eine klimafreundliche Regionalentwicklung voranzutreiben. Dieser Prozess soll durch gezielte Klimabildung und Vernetzung der Akteure unterstützt werden, wobei es nicht nur um ökologische, sondern auch um ökonomische Aspekte geht, um den Vogelsberg langfristig sowohl nachhaltig als auch zukunftsfähig zu gestalten.
Dr. Martin Jatho, langjähriger Leiter der Ausbildungszentrums Natur- und Umweltbildung (AZN) in Kirtorf, begrüßte als Ehrengäste neben Staatssekretär Michael Ruhl und Landrat Dr. Jens Mischak Silvia Fengler und Andreas Öhlschläger (Hessisches Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt). Moderatorin Sabine Räth führte durch den so informativen wie anregenden Nachmittag.
Umweltstaatssekretär Michael Ruhl, im Vogelsberg fest verwurzelt, unterstrich die Bedeutung der Klimabildungslandschaft Vogelsberg insbesondere für die ländliche Region: "Das Konzept der Klimabildungslandschaften greift spezifische Themen und Bedürfnisse auf und nutzt die Potenziale hier vor Ort. Mit den verantwortlichen Akteuren können wir gemeinsam mit den Netzwerkpartnern viel erreichen, um Bildung für den Klimaschutz nachhaltig und vor allem regional voranzubringen."
Bildung sei der Schlüssel zur Veränderung
"Gemeinsam wollen wir heute ein starkes Zeichen für eine nachhaltige und klimafreundliche Entwicklung unserer Region setzen", betonte Landrat Dr. Jens Mischak. Bildung sei der Schlüssel zur Veränderung. "Nur wenn wir Wissen vermitteln, Bewusstsein schaffen und gemeinsam handeln, können wir den Herausforderungen des Klimawandels begegnen." Genau das sei das Ziel der Klimabildungslandschaft Vogelsberg, es gelte, "Klimaschutz und Nachhaltigkeit in unserem Alltag fest zu verankern – sei es in der Bildung, der Landwirtschaft, dem Tourismus oder in den Gemeinden", so Landrat Dr. Mischak.Dr. Alexandra Botzat (AZN) und Nina Lingner (klimafairein) stellten den Anwesenden die Klimabildungslandschaft Vogelsberg und ihre Ziele vor: Sie sind ein Baustein für das Ziel des Landes Hessen, bis spätestens 2045 klimaneutral zu werden. Im Projekt geht es darum, Klimaschutz und Nachhaltigkeit in der Region durch Bildungsarbeit und Vernetzung von Akteuren aus Bildung, Wirtschaft, Kommunen und Zivilgesellschaft zu fördern. Die Klimabildungslandschaft verfolgt ein erweitertes Bildungsverständnis, bei dem jeder Ort als Lernort und jede Person als Bildungsakteur für Klimaschutz agieren kann. Ein besonderer Fokus liegt auf den Themen nachhaltige Ernährung und nachhaltiger Tourismus, die als Schlüssel für eine resiliente Zukunft der Region gesehen werden. Ziel ist es, durch diese Vernetzung die Lebensqualität der Menschen zu verbessern und die Daseinsvorsorge langfristig zu stärken. Die Vortragenden schlossen mit einer herzlichen Einladung an alle Anwesenden, Teil der Klimabildungslandschaft Vogelsberg zu werden und gemeinsam die Weichen für eine klimafreundliche Zukunft in der Region zu stellen.
Auf großes Interesse stieß der Impulsvortrag von Jörg Daubner, Geschäftsführer des Hotelrestaurants "Obermühle Görlitz" an der Grenze zu Polen und Tschechien. Sein spannendes Projekt "RainKost Obermühle" verbindet solidarische Landwirtschaft auf der Ebene von Restaurant- und Hotelbetrieben mit einem inklusiven Ansatz für die Schulverpflegung. Durch den Anbau alter, robuster Sorten, durch regionale Verarbeitung und soziale Teilhabe schafft das Projekt nachhaltige Wertschöpfung. Daubner stellte die Entwicklung seines beeindruckenden Betriebes vor, der mittlerweile in neun Branchen aktiv ist und über die Jahre das Thema Nachhaltigkeit als Leitstern für betriebliche Entscheidungen immer tiefer in die Betriebskultur integriert hat. Er zeigte, wie regionale Landwirtschaft, Tourismus und Klimaschutz sinnvoll verknüpft werden können – ein Ansatz, der auch für den Vogelsberg hochspannende Impulse bietet und im anschließenden "Speed-Dating Klimabildung" aufgegriffen wurde.
Hier hatten die anwesenden Gäste nun zweimal dreißig Minuten lang die Möglichkeit, sich mit verschiedensten Themen und Menschen aus unterschiedlichen Arbeits- und Interessensgebieten auszutauschen, beispielsweise zu Klimabildung in Gärten oder zur Vermarktung des Roten Höhenviehs. Ihre Aufgabe war, Ideen für ein konkretes Klimabildungsprojekt zu entwickeln. Welche Schwerpunkte sie dabei setzen wollten und welche Ansätze sich als tragfähige Projekte erweisen würden, diskutierten sie intensiv. Dabei kam auch die Vernetzung der Akteure nicht zu kurz.
Stimmiger Abschluss für den offiziellen Teil der Veranstaltung war schließlich die Präsentation von fünf vielversprechenden Projekten, die die Gastgebenden an den Tischen den Anwesenden vorstellten: Bei den ersten beiden Projekten stand die Frage im Mittelpunkt, wie der "Lernort Gemüsegarten" sowie "Klimabildung in Schule & Kita" gestaltet werden können. Diskutiert wurden Kooperationsmöglichkeiten mit Schulen und anderen Bildungseinrichtungen, aber auch AGs, Projektwochen, Klassenfahrten oder Bildungsurlaube für Erwachsene. Besonders betont wurde die Bedeutung der Einbeziehung von Familien, sowohl bei der Klimabildung als auch beim Gärtnern. Ein weiteres Projekt legte den Fokus auf das "Rote Höhenvieh". Dessen Haltung leistet einen wertvollen Beitrag zur Pflege der Kulturlandschaft, insbesondere des Grünlands, und fördert die Biodiversität. Gleichzeitig bietet das hochwertige Weidefleisch eine nachhaltige Genussoption aus der Region. Auch hier wurden Ideen für Klimabildungsprojekte entwickelt – rund um "das rote Rind und die wilde Weide". Mit "Erdverbunden – Kunst und kreativ" präsentierte sich ein innovatives Projekt, das Klimabildung mit künstlerischen Ansätzen verbindet. Out-of-the-Box-Denken spielt dabei eine zentrale Rolle: Die Teilnehmenden brachten spannende Ideen ein – von einer KlimaARTENparade über ein passives Solargewächshaus bis hin zu einer Slow-Gala-Tafel. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Zusammenspiel von "Klimaschutz & Artenschutz".
Bei allen vorgestellten Themen zeigte sich, wie essenziell Vernetzung und Multiplikation für eine wirkungsvolle Klimabildung sind – und wie viel Spaß so ein ungewöhnliches "Speed Dating" allen machen kann. Gleichzeitig waren alle Anwesenden eingeladen, sich bei der Umsetzung eines oder mehrerer der insgesamt 16 Projekte zu beteiligen. Die nächsten drei Jahre bieten die Chance, gemeinsam die Klimabildungslandschaft der Region zu gestalten und zukunftsfähige Ideen in die Praxis zu tragen. Ein erster Schritt dazu ist bereits geplant: Am 7. Mai um 17:30 Uhr in der vhs Alsfeld findet ein Folgetermin zur weiteren Vernetzung und Konkretisierung der Projektideen statt. (Um Anmeldung wird gebeten: mail@klimabildungslandschaft-vogelsberg.de.)
Die Auftaktveranstaltung bot zudem die Gelegenheit, die kulinarischen Spezialitäten des Vogelsbergs zu genießen. Die Landfrauen Schlitzerland bestückten ein köstliches Kuchenbüffet, und am Abend lockten Gulasch vom Vogelsberger Roten Höhenvieh von Züchter Jürgen Martin und veganes Stew aus Vogelsberger Linsen, zubereitet von Gastwirt Heinz Riepl vom Landgasthof Porta in Schlitz-Pfordt. Abgerundet wurde das Ganze durch eine Käseplatte mit regionalem Käse, z.B. von der Käserei im Lautertal und Baguette vom Hofgut Sassen. Das Duo Sebastian "Sebo" Heil und Dino "Woody" Wurtinger sorgte im Hintergrund mit Gitarre, Kontrabass und Mandoline für eine stimmungsvolle Atmosphäre aus Bluegrass- und Irish Folk Musik.
Für das Kernteam der Klimabildungslandschaft Vogelsberg zeigte Alexandra Botzat sich nach der Veranstaltung sehr zufrieden mit dem Verlauf des Tages: Die entwickelten Projektideen seien vielversprechend, sagte sie, die Mitwirkenden seien kompetent und motiviert. Botzat dankte allen, die sich am Gelingen des Auftakttreffens beteiligt hatten und lud dazu ein, weiter mit der Klimabildungslandschaft auf dem Laufenden zu bleiben: "Unsere Ergebnisse und Fortschritte stehen auch auf unserer Website (https://klimabildungslandschaft-vogelsberg.de.) und über die Sozialen Medien zur Verfügung. Wir freuen uns auf reges Interesse, zahlreiche Anregungen und die Beteiligung weiterer Mitwirkender." (nia/pm) +++