27.08.25 - Der Duft ist unverkennbar. Süßlich, fast stechend – und ganz legal. Seit Dezember 2024 darf in der Region Fulda offiziell Cannabis angebaut werden. Der Verein "Broccoli Buddies" ist der erste Anbau-Club in Hessen mit Genehmigung (wir berichteten). In einer unscheinbaren Halle wachsen rund 350 Pflanzen – streng kontrolliert, unter lila Licht, betreut von Growmaster Florian. Dennoch: die Cannabis-Droge ist nicht zu unterschätzen und kann auch schwere Gesundheitsfolgen mit sich bringen.
In mehreren Anbauzelten entstehen am Ende jeweils rund zwei bis fünf Kilogramm Cannabis - abhängig von der Sorte. Insgesamt betreibt das Team zehn Zelte, von denen sich etwa die Hälfte in der Blütephase befindet. "Ein Durchlauf vom Wachstumsstart bis zur Ernte dauert rund zweieinhalb Monate. Gegossen wird alle zwei bis drei Tage – je nach Wachstumsphase. Nach der Ernte folgt eine zweiwöchige Trocknung, anschließend schneiden Mitglieder Blätter und Stängel per Hand ab. Erst dann wird das Endprodukt abgepackt und für die Abgabe vorbereitet", erzählt uns Growmaster Florian im OSTHESSEN|NEWS-Gespräch.

Seit Dezember 2024 bauen die "Broccoli Buddies" in der Region Fulda legal Cannabis ...Fotos: Erik Spiegel

Die Cannabis-Pflanzen wachsen unter kontrollierten Bedingungen im Verein der "Broccoli ...
480 Mitglieder und viele Hürden
Rund 480 Personen sind derzeit Mitglied im Verein. Die Anbauvereinigungen dürfen derzeit nicht mehr als 500 Mitglieder haben. Der Weg bis zur ersten Abgabe war lang: Die "Broccoli Buddies" waren hessenweit die ersten mit einer Anbaulizenz. Mittlerweile sind beim Regierungspräsidium Darmstadt 38 Anträge aus 17 Landkreisen eingegangen – elf wurden bislang genehmigt (Stand: 9. Juli 2025).
Die Mitgliedschaft bei den "Broccoli Buddies" ist erst ab 21 Jahren möglich. Damit geht der Verein über die gesetzlichen Vorgaben hinaus. Kritik gibt es vor allem an den langen Genehmigungsverfahren – nicht nur aus der Region Fulda.

Innenminister Roman Poseck (CDU), kritisiert die frühere Ampel-Regierung: "Das ...Archivbild: O|N / Hendrik Urbin

Florian, Growmaster bei den "Broccolli Buddies" überprüft die Pflanzen unter speziellem ...

Elena Fischer, Vorstandsvorsitzende der "Broccoli Buddies" erläutert im O|N-Gespräch ...
Cannabis birgt wie alle anderen Drogen und Alkohol Gesundheitsgefahren
Doch wie sehen die gesundheitlichen Risiken aus? "Cannabiskonsum ist nicht ungefährlich. Neben den allgemein bekannten negativen Folgen des Rauchens bringt der Konsum von Cannabis weitere gesundheitliche Risiken mit sich. Vor allem die Lunge und das Herz-Kreislauf-System werden durch das Rauchen eines Joints, der häufig mit herkömmlichem Tabak gestreckt ist, geschädigt. Besonders gefährdet sind junge Menschen, da Cannabis die Gehirnentwicklung negativ beeinflussen kann. Zudem besteht das Risiko, dass die Droge Psychosen auslöst oder bestehende psychische Erkrankungen verschlimmert", erklärt O|N-Arzt Adrian Böhm

O|N-Arzt Adrian Böhm.
"Akut beeinträchtigt Cannabis die Konzentration, das Denkvermögen sowie die Reaktionsfähigkeit. Daher ist es besonders gefährlich, nach dem Konsum am Straßenverkehr teilzunehmen. Viele Politiker argumentieren mit dem Jugendschutz, wenn es um Gegenargumente gegen die Cannabis-Legalisierung geht. Allerdings ist Alkohol allgegenwärtig und für Jugendliche leicht zugänglich. In Begleitung der Eltern dürfen Jugendliche in Deutschland bereits ab 14 Jahren Alkohol trinken. Eine gesetzliche Regelung, die bei der Vehemenz der Debatte um Cannabis kaum Beachtung findet."

Florian betreut die Pflanzen unter kontrollierten Bedingungen.
Hessischer Innenminister gegen Bürokratiekritik
Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) äußert sich auf OSTHESSEN|NEWS-Nachfrage kritisch zur früheren Gesetzgebung: "Die ehemalige Ampel-Regierung hat mit dem Konsumcannabisgesetz nicht nur den Gesundheits- und Jugendschutz missachtet, sondern auch ein Bürokratiemonster geschaffen. Dies führt zu enormen Aufwänden für die Behörden, was sich besonders in den langen Genehmigungsverfahren für Anbaulizenzen zeigt. Die Dauer der Verfahren ist auf die Komplexität der rechtlichen Regelungen zurückzuführen. Oftmals sind Nachfragen erforderlich, weil Anträge und Unterlagen Defizite aufweisen."
Das Regierungspräsidium Darmstadt mache keine Politik, sondern wende das geltende Recht an, das hohe Anforderungen vorsehe. Die Ampel-Koalition habe offenbar mit schlechtem Gewissen strenge Vorgaben gemacht, die nun eingehalten werden müssten. Poseck ergänzt, dass die laufende Evaluierung des Gesetzes durch die Bundesregierung auch die Verwaltungsaufwände berücksichtigen solle. Er betont zudem, dass das Regierungspräsidium umfangreiche Unterstützung bei der Antragstellung bietet – unter anderem durch Leitfäden und persönliche Beratung.

Unter strengen Auflagen dürfen Vereinsmitglieder täglich maximal 25 Gramm Cannabis ...
Politik will Gesetz prüfen – Club warnt
Die neue Bundesregierung plant, das Cannabisgesetz erneut zu überprüfen. Für Elena Fischer, Vorsitzende der "Broccoli Buddies", ein Schritt in die falsche Richtung. Sie fordert klare Zahlen und eine Bewertung auf Basis der Entwicklung des Schwarzmarkts, der Verkehrssicherheit und der Nachfrage. Vor allem wünscht sie sich schnellere Genehmigungen: Es gebe viele Anträge, aber zu wenig Freigaben.

Mehr Informationen gibt es auf der Homepage der "Broccoli Buddies" unter: www.broccolibuddies.de ...
Strenge Regeln, faire Preise
Die Abgabe erfolgt unter strengen Bedingungen: bis zu 50 Gramm pro Monat, maximal 25 Gramm pro Tag – ausschließlich an Mitglieder. Der Konsum auf dem Gelände bleibt verboten. Die Auswahl erfolgt direkt vor Ort, die Preise liegen zwischen sechs und acht Euro pro Gramm – deutlich unter dem Schwarzmarktpreis.
Mit einer Rücknahme der Legalisierung rechnet beim Club niemand – im Gegenteil: Sie sehen sich im Kampf gegen den Schwarzmarkt gut bewaffnet. Elena Fischer betont im Interview mit OSTHESSEN|NEWS, dass sie das Cannabis für sechs bis neun Euro pro Gramm an die Mitglieder abgeben. Zum Vergleich: Auf dem Schwarzmarkt wird das Gramm im Schnitt für über zehn Euro gehandelt.
"Nur so kann der Schwarzmarkt effektiv eingedämmt werden"
Selbst inklusive des Mitgliedsbeitrags von etwa zehn Euro im Monat seien Menschen, die regelmäßiger konsumieren, in ihrem Verein günstiger als beim Straßenpreis unterwegs. "Das ist auch genau das Ziel der Legalisierung. Nur so kann der Schwarzmarkt effektiv eingedämmt werden", sagt Fischer.
Der Verein sieht sich dadurch gut aufgestellt: Das legale Angebot sei nicht nur günstiger, sondern auch kontrolliert – ein echter Beitrag zur Eindämmung illegaler Märkte.
Einer der ersten legalen Cannabis-Clubs in Hessen wächst – politisch wie praktisch. Doch das Modell steht unter Beobachtung. Wird es sich bewähren? (Zehra Hashani) +++