15.08.25 - Mal eben aus Spaß mit diesen "coolen" Laserpointern in den Himmel strahlen: Wie weit der grüne Strahl wohl reicht? Und besonders krass ist es, wenn auch noch ein Hubschrauber um die Ecke kommt. Mal eben den "anstrahlen". Eine unfassbar dumme Idee!
So geschehen am Dienstagabend gegen 21:20 Uhr am westlichen Stadtrand von Fulda. O|N hat darüber berichtet.
Der ADAC-Rettungshubschrauber Christoph 28 war gerade auf dem Rückflug aus Marburg kommend zurück zu seiner Heimatbasis am Klinikum Fulda. Die Crew hatte eine schwerstverletzte Patientin nach einem häuslichen Treppensturz aus der Region Alsfeld (Vogelsbergkreis) zur Behandlung ins Uniklinikum auf den Lahnbergen geflogen und wollte nun in den wohlverdienten Feierabend. In der Abenddämmerung ist besondere Vorsicht geboten.

Jochen Oesterle, Sprecher der ADAC Luftrettung Foto: ADAC
Die Crew befand sich bereits im Sinkflug, als sie in rund 500 Metern Entfernung einen Laserpointer-Strahl gesehen haben. Dieser strahlte dem Piloten ins Auge. "Er hat die Maschine dann sofort abgedreht und sich von dem Strahl abgewendet, um diesen im Rücken zu haben", sagte am Freitagmorgen Jochen Oesterle, Pressesprecher der gemeinnützigen ADAC-Luftrettung in München, auf Nachfrage von OSTHESSEN|NEWS. Der erfahrene Pilot habe vorschriftsmäßig reagiert. Zum Glück wurde niemand verletzt.
Aus verschiedenen Gründen lebensgefährlich
So eine Situation ist aus verschiedenen Gründen lebensgefährlich und alles andere als ein dummer Streich. "Trifft der Laserpointer ein Auge, so kann dies zu schweren Verletzungen bis hin zur Erblindung des Auges führen", sagt Oesterle zu den möglichen Folgen der direkt betroffenen Person, in diesem Fall des Piloten. Was, wenn er sein Fluggerät nicht mehr steuern kann und der Hubschrauber gar abstürzt?

Blick ins Cockpit des Rettungshubschraubers

Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang ist der ADAC-Rettungshubschrauber Christoph ...
Allein schon das notwendige "abdrehen" kostet Zeit. Zwar war die Crew "nur" auf dem Rückflug und zudem ohne Patient, doch wissen das die Täter am Boden? Es macht es auch nicht besser. Durch diese Laserpointer besteht größte Gefahr in der Luft und am Boden. Die Luftretter sind zudem nicht aus Spaß unterwegs. Oft geht es um Sekunden, die über Leben und Tod entscheiden. Patienten kämpfen um ihr Leben, werden deshalb geflogen. So wie die Frau aus dem Alsfelder Stadtteil.
Die Laserpointer treffen oftmals die Cockpitscheiben. Diese können selbst kleinste Risse aufweisen. Dadurch bricht das Licht wie ein Prisma über die gesamte Scheibe und kann damit die gesamte Crew entscheidend beeinflussen.
Tatort schnell verifiziert
Beim Vorfall über Fulda konnte die Crew den Tatort so genau verifizieren, dass die Polizei unmittelbar nach der Landung informiert wurde und die Fahndung aufnehmen konnte. Ein Anwohner hatte die Laserstrahlen ebenfalls bereits dem Notruf gemeldet. Zwei Jungs hatten sich diesen dämlichen "Spaß" erlaubt. "In den meisten Fällen liegt kein Vorsatz vor. Das macht es aber nicht harmloser", sagt der ADAC-Pressesprecher. Durchschnittlich ein mal im Monat müssen sich die Ermittler in Deutschland mit solchen Vorfällen beschäftigen. Die Hubschrauberbesatzungen werden entsprechend geschult, um im Ernstfall bestmöglich reagieren zu können.

Der Hubschrauberlandeplatz am Klinikum Fulda
Nur einen Tag zuvor ereignete sich im Raum Duisburg ein ähnlicher Fall. Dort wurde die Crew des Rettungshubschraubers Christoph 8 geblendet. Sie hatten einen Patienten an Bord, der nach einem Arbeitsunfall auf einem Hof in das dortige Uniklinikum geflogen werden sollte. Der Pilot erstattete Anzeige, die Ermittlungen der Kriminalpolizei laufen. In Hessen wiederum wurde jüngst ein 49-jähriger Mann zu acht Monaten Haft verurteilt. Er hatte einen Polizeihubschrauber geblendet.

Die Polizei ermittelt auch bei Laserpointer-Attacken
Hohe Geldstrafen oder gar längere Haftstrafen können die strafrechtlichen Folgen eines unbedachten Hantierens mit Laserpointern sein. Bedenkt man die Gefahren, die davon ausgehen, völlig zu Recht. Im Fuldaer Fall wurden zwei Jungs ermittelt: Sie sind Kinder und wussten ganz sicher nicht, was sie da treiben. Umso wichtiger ist es, dass gerade Kinder und Jugendliche gar nicht erst in Kontakt mit diesen "coolen" Laserpointern kommen.
Denn die Helden der Lüfte wollen nur eins, Mitmenschen durch ihren Einsatz retten und nicht sich selbst oder andere in extreme Gefahr bringen, weil sie mutwillig oder aus reinem Spaß an der Freude von Laserpointern getroffen werden. (Hans-Hubertus Braune) +++