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"Zeit ist Leben - dafür steht die Luftrettung", sagt Prof. Dr. Robert Schier. Der Anästhesie-Chef vom Klinikum Fulda fliegt als Notarzt auf dem Rettungshubschrauber "Christoph 28". - Fotos: Christian P. Stadtfeld / Hendrik Urbin

FULDA Luftretter künftig noch mehr gefordert?

Prof. Dr. Schier als Notarzt auf Rettungs-Heli Christoph 28: "Zeit ist Leben"

03.11.25 - Ob ein schwerer Unfall, der Herzinfarkt auf dem Land oder stärkste Schmerzen - Notärzte sind binnen Minuten zur Stelle und retten sehr oft das Leben von Menschen. Und sie werden durch zunehmenden Ärztemangel, überlastete Arztpraxen und die Krankenhausreform immer wichtiger. Die Luftrettung nimmt dabei eine besondere Rolle ein - auch in Osthessen.

Prof. Dr. Robert Schier ist seit August 2023 Direktor der Klinik für Anästhesiologie, ...

In der Barockstadt Fulda ist seit über 40 Jahren der ADAC-Rettungshubschrauber "Christoph 28" am Klinikum Fulda - dem 1.000 Betten-Krankenhaus der Maximalversorgung - stationiert. Er fliegt jährlich rund 1.200 Einsätze im Dreiländereck Osthessen, Südthüringen und Unterfranken. Neu im Team der Retter aus der Luft ist Prof. Dr. Robert Schier (46), Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin am Klinikum Fulda. Für den versierten Notfallmediziner gehört die Tätigkeit auf dem gelben Helikopter fest zum Job: "Professionalität und höchste Qualität in der Patientenversorgung sind mein Anspruch. Deshalb ist es für mich auch klar, neben der Arbeit im OP und auf der Intensivstation mit täglichen Visiten, Teil der Notfallversorgung in unserer Region zu sein."

Die RTH-Crew (v.li.) Ltd. HEMS TC und Notfallsanitäter Andreas Schrimpf (DRK Fulda), ...

AINS - das bedeutet Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie. "Wir sind als Klinik ein Allrounder. Die Notfallmedizin ist ein Baustein, dem ich mich nun hier in Fulda auch verstärkt widme", sagt Prof. Schier, als er von OSTHESSEN|NEWS einen Dienst lang auf dem Rettungs-Heli "Christoph 28" begleitet wurde. Neben ihm gehören an diesem Tag Pilot Matthias Eckert (50) von der ADAC Luftrettung sowie HEMS TC und Notfallsanitäter Andreas Schrimpf (40) vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) Fulda zur Crew.

Anflug auf die Einsatzstelle in Neuhof-Giesel.

Notfallsanitäter Andreas Schrimpf und Notarzt Prof. Dr. Robert Schier sind schnell ...

Vor Ort übernimmt Prof. Schier die Versorgung.

Es ist nebelig an diesem Morgen, als sich der "Gelbe Engel" einsatzbereit meldet. Und plötzlich schlägt der Melder Alarm. Die Rettungsleitstelle benötigt den Hubschrauber in Neuhof-Giesel. "Verdacht auf Herzinfarkt", heißt es über Funk. Der Bordcomputer berechnet die Flugzeit: knapp vier Minuten. "Parallel ist ein Rettungswagen auf Anfahrt. Der Hubschrauber ist in diesem Fall das schnellste Rettungsmittel für den Notarzt", erklärt Schrimpf, der schon kurz nach dem Start vom Klinikum einen Landeplatz vor Augen hat und mit dem Piloten den Anflug bespricht. "Ortskenntnis ist wichtig, in diesem Fall kenne ich mich bestens aus, denn ich stamme aus Giesel", berichtet der 40-jährige Rotkreuzler. Vor Ort übernimmt Prof. Schier die Versorgung der Patientin. Fakt ist: Sie muss mit ins Klinikum, in der Kardiologie näher untersucht werden. Der Notarzt muss das Rettungswagen-Team aber nicht begleiten. Somit ist der Hubschrauber wieder frei für den nächsten Einsatz.

Für den versierten Notfallmediziner Schier gehört die Tätigkeit auf dem Rettungshubschrauber ...

Die Patientin wird mit dem Rettungswagen in die Kardiologie des Klinikum Fulda gefahren. ...

Prof. Schier prognostiziert für die Zukunft mehr Einsätze für Rettungshubschrauber. ...

Spezialisierte Krankenhäuser wie das Klinikum Fulda mehr gefordert!

Spezialisierte Häuser seien künftig mehr gefordert, erklärt Schier.

"Die Versorgungslücke wird aufgrund der abnehmenden Krankenhaus-Dichte immer größer", sagt Robert Schier. Er prognostiziert für die Zukunft mehr Einsätze für Rettungshubschrauber, schließlich müssten die weiten Distanzen überbrückt werden. Die Erklärung liefert er am Beispiel vom Klinikum Fulda: "Wir halten als Maximalversorger die Infrastruktur zur Versorgung von Schwerstkranken und Schwerstverletzten rund um die Uhr vor - und genau so eine Adresse braucht der Hubschrauber." Spezialisierte Häuser seien künftig mehr gefordert, so Schier im O|N-Gespräch - und schon schrillt der Melder.

Der Heli auf dem Weg in den Vogelsbergkreis.

Schlechte Sicht und dicke Nebelschichten verhindern ein Durchkommen zur nächsten ...

Für die Crew rund um Prof. Schier geht es zurück zur Basis am Klinikum Fulda. ...

"Patient mit Schädel-Hirn-Trauma bei Schotten im Vogelsberg", weiß Pilot Eckert und sagt gleich: "Ob wir da durch kommen - der Nebel ist schon hartnäckig. Wir geben alles, aber die Sicherheit der Crew geht vor." Prognostizierte Flugzeit: ca. 22 Minuten. "Ein Notarzt vor Ort ist nicht verfügbar", so die Leitstelle über Funk. Immer wieder kämpfen sich die Luftretter durch dicke Nebelschichten. Der Rettungswagen ist bereits vor Ort. Dann, kurz vor Schotten: "Wir kommen nicht weiter, die Sicht wird immer schlechter", sind sich der erfahrene Pilot und sein für die Luftrettung speziell ausgebildeter Notfallsanitäter einig. Andreas Schrimpf funkt mit der Leitstelle: "Keine Chance - wir müssen abbrechen." Für die Crew geht es zurück zur Basis am Klinikum Fulda.

Prof. Schier im Gespräch mit O|N-Chefredakteur Christian P. Stadtfeld. ...

O|N-Chef Stadtfeld hat Prof. Dr. Robert Schier einen Dienst lang auf Rettungs-Heli ...

Prof. Dr. Robert Schier betont: "Notfallmedizin ist für mich eine Herzenssache." ...

Prof. Schier: "Notfallmedizin ist Herzenssache!"

Seit dem 1. August 2023 ist Schier der Chef der Anästhesie am Städtischen Klinikum. ...

Prof. Dr. Robert Schier ist seit 1. August 2023 Chef der Anästhesie der Universitätsmedizin Marburg Campus Fulda. 63 Anästhesie-Ärzte und 120 Anästhesie- und Intensivfachpflegekräfte gehören zu seinem Team. Geboren in Bad Oldesloe, aufgewachsen in Essen, ging Robert Schier nach dem Abitur knapp zwei Jahre zur Marine und wurde dort zum Sanitäter ausgebildet. Diese Ausbildung erweiterte er in der Folge zum Rettungssanitäter beim Deutschen Roten Kreuz. Anschließend absolvierte er das Medizinstudium an der Ruhr-Universität Bochum mit Bravour. Es folgten Promotion und später die Habilitation. Von Köln kam er dann nach verschiedenen Stationen in die Barockstadt Fulda. Er sieht sich als "Teamplayer", sagt der 46-Jährige gegenüber OSTHESSEN|NEWS und erklärt: "Notfallmedizin ist für mich eine Herzenssache, die ich mit großer Leidenschaft betreibe. Bisher kannte ich nur die klassische Stadtrettung, also den Patienten nach der Erstversorgung innerhalb weniger Minuten in die passende Klinik bringen. Die Luftrettung ist ein neues Pflaster, das mich seit dem ersten Tag in Fulda fasziniert."

Innerhalb von zwei Minuten nach Eingang des Notrufs in der Leitstelle sind die Retter ...

Der ADAC-Rettungshubschrauber "Christoph 28" ist am Klinikum Fulda stationiert. ...

Ob ein schwerer Unfall, der Herzinfarkt auf dem Land oder stärkste Schmerzen - Notärzte ...

Ohne den Hubschrauber wäre der Mann gestorben - "Zeit ist Leben"

Die Luftrettung nimmt in der Notfallversorgung eine besondere Rolle ein - auch in Osthessen. ...

Und so schlägt der Professor die Brücke zu einem seiner ersten Einsätze vor etwa vier Monaten. "Es ging in die Rhön, in den kleinen Ort Bremen bei Geisa. Frühmorgens. Ein Mann, Mitte 50, ist beim Kehren plötzlich umgefallen. Herzstillstand. Wir wurden alarmiert, die Ersthelfer - sogenannte "First Responder" - waren schnell vor Ort und begannen sofort mit der Reanimation - und als wir eintrafen, war da eine Schlange von Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr: sie haben sich bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung abgewechselt. Wir haben vor Ort die Therapie eingeleitet, der Patient kam vom Kammerflimmern in einen normalen Herzrhythmus, wurde ins Klinikum Fulda geflogen und hat überlebt. Ohne den Hubschrauber und das beherzte Eingreifen der Feuerwehr-Kameraden wäre der Mann gestorben. Er musste in Fulda am Herzen operiert werden - drei Tage später saß er am Krankenbett und hat gefrühstückt. Das hat mich sehr beeindruckt und auch stolz gemacht", berichtet Schier. Man spürt seine Begeisterung für die Notfallmedizin und den Drang, etwas für eine starke Versorgung bewegen zu wollen. "Zeit ist Leben - und dafür steht die Luftrettung."

Anflug auf die nächste Einsatzstelle bei Schlüchtern im Main-Kinzig-Kreis. ...

Der nächste Einsatz: Ein schwerer Motorradunfall.

Dem Motorradfahrer konnte nicht mehr geholfen werden.

Leitstelle meldet: "Schwerer Motorradunfall im Main-Kinzig-Kreis"

Bei diesem Einsatz kam die schnelle der Luftretter zu spät. Der Motorradfahrer ist ...

Das aber nicht jedes Leben gerettet werden kann, zeigte der nächste Einsatz. "Schwerer Motorradunfall hinter Schlüchtern im Main-Kinzig-Kreis, laufende Reanimation", teilt die Rettungsleitstelle kurz nach dem Start über Funk mit. Es geht jetzt um wertvolle Minuten. Ein Notarzt und eine Rettungswagenbesatzung vor Ort kämpfen bereits um das Leben des Mannes aus Niedersachsen - der Rettungs-Heli fliegt mit 250 Stundenkilometern zum Unglücksort. Der Motorradfahrer ist mit einer Biker-Gruppe unterwegs und kollidierte nach einer scharfen Kurve mit einem Auto. Lebensgefährlich verletzt bleibt der Familienvater am Straßenrand liegen. Die Retter geben alles, doch dann sagt Prof. Schier: "Wir hören auf, der Mann ist tot." Niedergeschlagen, aber dennoch hoch professionell wird dieser Einsatz beendet. "Dieses Mal kam unsere Hilfe zu spät." Auf dem Rückflug nach Fulda zur Luftrettungsstation ist es ruhig im Cockpit. Die Crew muss den Einsatz erst einmal verarbeiten. Erst nach der Landung sprechen sie wieder, arbeiten im Team den Fall auf. "Auch das gehört zum Job", meint Andreas Schrimpf. Man werde regelmäßig geschult - das sei wichtig.

Klinik-Vorstand Michael Wilhelm im Gespräch mit den Luftrettern.

HEMS TC und Notfallsanitäter Andreas Schrimpf (DRK Fulda), Pilot Matthias Eckert ...

Kurzer Austausch auf der Plattform (v.li.): Michael Wilhelm, Prof. Dr. Robert Schier ...

Während Büroarbeit und Dokumentation erledigt werden, klingelt es an der Hangar-Tür. Kurzbesuch vom neuen Klinik-Vorstand Michael Wilhelm und Christoph Schwab, dem Vorstandschef des DRK Fulda. Sie waren gerade in der Nähe und schauten bei den Luftrettern vorbei. Ein kurzer Austausch auf der Plattform, dann ging es weiter. "Das ist typisch Fulda: Alle sind hier sehr herzlich und offen. Gastfreundschaft wird groß geschrieben", berichtet Prof. Dr. Robert Schier. "Das schätze ich auch an der gesamten Luftrettungs-Crew. Hier bin ich nicht der Klinik-Direktor, sondern der Kollege. Hierarchien gibt es im Einsatz, aber der Umgang ist freundschaftlich und professionell. Das weiß ich sehr zu schätzen. Als Chef bin ich trotzdem Teil der Mannschaft: Auf dem hohen Ross sitzen - das passt einfach nicht zur Luftrettung." (Christian P. Stadtfeld) +++

Der Blick vom Landeplatz in Richtung Fuldaer Frauenberg.

Christoph Schwab (Vorstandsvorsitzender DRK Fulda) und Michael Wilhelm (Vorstand Administration ...

Der Fuldaer Rettungshubschrauber fliegt jährlich rund 1.200 Einsätze im Dreiländereck Osthessen, ...


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