19.10.25 - Die Türkei blickt nach Europa - und die Erdoğan-Regierung hat weiterhin das Ziel, der Europäischen Union (EU) beizutreten. "Allerdings sei man auch verschnupft und enttäuscht, dass die Beitrittsverhandlungen seit 2005 zu keinem Ergebnis geführt haben", erzählt ein türkischstämmiger Deutscher im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS.
Der "Vertrauensverlust" sitze tief und man kenne "den Preis für eine zukünftige Zusammenarbeit". Seinen Namen will der Mann nicht veröffentlicht haben. "Innenpolitisch ist die Türkei extrem gespalten und rechtsstaatlich fragil. Der Druck ist hoch: auf die Opposition (CHP), die Medien und die Justiz." Klar sei aber auch, so unser gut informierter Polit-Experte: "Deutschland gilt als wichtigster Partner der Türkei innerhalb der EU." Probleme gebe es aber wegen fehlender Rechtsstaatlichkeit und unzureichender Unabhängigkeit der Justiz.

Drei Tage war Pentz in der türkischen Hauptstadt, um mit politischen Mandatsträgern, ...
Manfred Pentz (45, CDU), der Hessische Minister für Europa und Internationales, war jetzt in Ankara. Er sieht sich als "Brückenbauer" und erklärt gegenüber O|N: "Die Türkei hat an wirtschaftlicher, technologischer und außenpolitischer Bedeutung gewonnen. Wir haben deshalb ein enormes Interesse daran, die ohnehin schon guten Beziehungen zur Türkei zu intensivieren. Mit der Reise habe ich das Angebot an die türkischen Gesprächspartner verbunden, die Beziehungen zu Hessen weiter auszubauen. Dieses Angebot wurde angenommen und wir werden jetzt daran arbeiten, die guten politischen und gesellschaftlichen Beziehungen durch Wissenschafts- und Wirtschaftspartnerschaften weiter zu intensiveren."

Pentz in der Deutschen Botschaft in Ankara, hier mit Sybille Katharina Sorg, der Deutschen ...

In der türkischen Hauptstadt Ankara leben 6 Mio. Menschen.

OSTHESSEN|NEWS-Chefredakteur Christian P. Stadtfeld hat Hessens Europaminister ...
Drei Tage war Pentz in der türkischen 6 Mio. Einwohner-Hauptstadt, um mit politischen Mandatsträgern, hochrangigen Regierungsvertretern und Beratern des Staatspräsidenten zu sprechen. "Gespräche vor Ort sind durch nichts zu ersetzen. Nur wer sich persönlich begegnet, kann Vertrauen schaffen und neue Wege der Zusammenarbeit eröffnen", betonte der hessische Union-Politiker. O|N-Chefredakteur Christian P. Stadtfeld hat den Minister auf seiner terminlich stark durchgetakteten Delegationsreise in die Türkei begleitet.

In der Deutschen Botschaft wurde der Tag der Deutschen Einheit gefeiert. ...

Pentz im Palast des türkischen Staatspräsidenten

Minister Pentz bei der türkischen Opposition CHP

"Wir spüren überall großes Interesse an Hessen", sagt Manfred Pentz. ...
Und welche Rolle spielt das Land Hessen für die Türkei?
"Wir spüren überall großes Interesse an Hessen. Das bestärkt uns darin, unsere wirtschaftlichen Beziehungen auszubauen und neue Märkte zu erschließen", macht der Europaminister deutlich und erklärt: "Hessen versteht sich als Brückenbauer – zwischen Europa und seinen Partnern, zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Menschen. Unsere Gespräche in der Türkei zeigen, dass wir diesen Anspruch mit Leben füllen." Zudem wolle sich Hessen international stärker präsentieren – "als Land mit innovativer Wirtschaft, exzellenten Hochschulen und offenen Menschen. Dafür sind solche Reisen ein wichtiges Signal." Wirtschaftsvertreter aus Ankara, mit denen Pentz gesprochen hat, waren dankbar für den Austausch: "Das war eine Diskussion, die wir so lange nicht mehr hatten." Die Narben der Vergangenheit seien überwunden, allerdings fehle es weiter am Willen der Regierung, wirtschaftliche Beziehungen zuzulassen. "Visa ist ein ungelöstes Thema, wir sehen uns als Bittsteller des Staates", so eine Unternehmerin.

Die Deutsche Botschaft in Ankara

Staatsminister Pentz mit Botschafterin Sorg

Die Türkei ist für Deutschland und Europa ein unverzichtbarer Partner. ...
In Hessen leben rund 300.000 Menschen mit türkischen Wurzeln, mehr als 160.000 von ihnen besitzen die türkische Staatsangehörigkeit. Zudem besteht seit 15 Jahren eine enge Partnerschaft mit der türkischen Provinz Bursa. "Sie steht sinnbildlich dafür, wie gelebte Zusammenarbeit Brücken zwischen Regionen schlagen kann", meint Pentz und sagt: "Investitionen aus dem Ausland sichern Arbeitsplätze in Hessen. Wenn wir Partnerschaften stärken, stärken wir auch unseren Wirtschaftsstandort."
Einer der Höhepunkte der Arbeitsreise des Hessischen Ministers für Bund, Europa, Internationales und Entbürokratisierung war die Einheitsfeier in der Deutschen Botschaft am Dienstag (14. Oktober 2025) in Ankara. Darüber hat OSTHESSEN|NEWS bereits ausführlich berichtet.
Manfred Pentz ist mittlerweile wieder in Deutschland. Von Ankara flog er über Istanbul direkt nach Berlin. Seit Freitag befindet sich nun Außenminister Johann Wadephul in der türkischen Hauptstadt, demnächst ist ein Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz (alle CDU) in Ankara geplant. Neben diplomatischen Rollen geht es vor allem um ein Thema: die Deutlichkeit zu unterstreichen, dass die Türkei für Deutschland und Europa ein unverzichtbarer Partner bleibt - strategisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Aus Sicht von Pentz ist klar: "Hessen hat heute das Selbstbewusstsein, internationale Themen aktiv mitzugestalten. Wir sind ein Land, das über den eigenen Tellerrand hinausschaut – und mit an Lösungen arbeitet." (Christian P. Stadtfeld) +++