18.10.25 - Das Amtsgericht Hünfeld hat eine neue Leitung: Dominik Dute wurde offiziell als Direktor eingeführt und folgt auf Dr. Jürgen Kitzinger, der seit Juli 2024 Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht Frankfurt (Außenstelle Kassel) ist. Kitzinger leitete das Hünfelder Amtsgericht seit 2020, eine Amtswechselfeier war damals pandemiebedingt ausgefallen. Das Amtsgericht Hünfeld ist das zentrale Mahn- und Vollstreckungsgericht des Landes Hessen.
Bei der Amtswechselfeier waren unter anderem auch Dr. Patrick Liesching, Präsident des Landgerichts, Dr. Jochen Müller, Präsident des Landgerichts a.D. und Hünfelds Bürgermeister Benjamin Tschesnok (CDU), Patrick Klug (SPD), Erster Kreisbeigeordnete des Vogelsbergkreises, sowie Personalratsvorsitzende am Gericht, Christiane Vukota und Mechthild Klee, Mitglied des Kreisausschusses, in Vertretung für den Fuldaer Landrat Bernd Woide (CDU), anwesend.
Kitzinger war bereits am 15. Juli 2024 zum Vorsitzenden Richter des 14. Zivilsenats am Oberlandesgericht Frankfurt am Main, Außenstelle Kassel, ernannt worden. Er leitete das Amtsgericht Hünfeld seit 2020, eine Amtswechselfeier war damals wegen der Corona-Pandemie nicht möglich. Nach verschiedenen Stationen an Amts- und Landgerichten war er bereits 2014 Direktor des Amtsgerichts Melsungen.

Am Freitag wurde Dr. Jürgen Kitzinger offiziell verabschiedet. Er ist seit Juli 2024 ...

Dominik Dute ist neuer Direktor am Amtsgericht in Hünfeld.
Dominik Dute folgt auf Dr. Jürgen Kitzinger
Schon Ende 2024 war bekannt geworden, dass Dominik Dute die Leitung des Amtsgerichts Hünfeld übernehmen wird - OSTHESSEN|NEWS berichtete. Der 43-Jährige stammt aus Fulda, ist verheiratet und Vater einer Tochter. Nach dem Jurastudium an der Universität Würzburg und dem Referendariat am Landgericht Fulda trat er 2010 in den Hessischen Justizdienst ein – zunächst als Staatsanwalt, später als Richter an mehreren Amtsgerichten sowie am Landgericht Fulda. Seit 2014 ist er Richter am Landgericht, seit 2019 Vorsitzender Richter. Neben seiner richterlichen Tätigkeit engagiert sich Dute als Pressesprecher und Präsidialrichter, außerdem als Dozent für den elektronischen Rechtsverkehr. Darüber hinaus leitet er eine Referendararbeitsgemeinschaft und ist Prüfer im juristischen Staatsexamen.

Pianist Hans-Jürgen Steffenhagen.

Dr. Jochen Müller, Präsident des Landgerichts a.D.
"Wie im Fußball: Gute Leute ziehen früher oder später weiter"
Dr. Jochen Müller, Präsident des Landgerichts a.D., eröffnete die Amtswechselfeier und würdigte sowohl den scheidenden Direktor Dr. Jürgen Kitzinger als auch seinen Nachfolger Dominik Dute. Er lobte Kitzinger für seine fachliche Kompetenz, Fairness und sein großes Engagement trotz der schwierigen Corona-Anfangszeit. Kitzinger sei "ein Direktor, den man sich als Präsident nur wünschen kann. Aber, so wie es im Fußball auch eben so ist, gute Leute ziehen früher oder später weiter." Auch Dute erhielt viel Anerkennung: Müller bezeichnete ihn als idealen Nachfolger mit hervorragenden richterlichen Fähigkeiten, großem Einsatz und einem Blick für die Work-Life-Balance seiner Mitarbeitenden. Trotz des anspruchsvollen Starts, insbesondere durch die Einführung der E-Akte, meistere Dute seine neue Aufgabe erfolgreich.

Dr. Patrick Liesching, Präsident des Landgerichts.
Justiz werde aktuell von innen und außen angegriffen
Dr. Patrick Liesching, Präsident des Landgerichts, betonte in seiner Ansprache die Bedeutung solcher Amtswechselfeiern als Anlass, die Justiz als zentrale, aber oft wenig beachtete Säule der Gesellschaft hervorzuheben. Er sprach von den aktuellen Herausforderungen, mit denen die Justiz "von innen und außen" konfrontiert sei, und lobte das Amtsgericht Hünfeld als technologischen Vorreiter - lange vor der Einführung der E-Akte. Besonders während der Corona-Pandemie habe Dr. Jürgen Kitzinger durch einfühlsame und klare Kommunikation überzeugt. Sein Wechsel erfolge "mit Bedauern, aber auch mit Verständnis", da jemand mit seinen Fähigkeiten nach neuen Herausforderungen suche.
Über Nachfolger Dominik Dute sagte Liesching, er kenne ihn seit Jahren und schätze seine schnelle Auffassungsgabe, klare Kommunikation und außergewöhnliche Laufbahn. Dute werde im Gericht sehr geschätzt und habe sich dort gut eingelebt. Abschließend sprach Liesching den laufenden Generationswechsel in der Justiz an: "Rund 40 Prozent der Richter sind in ihren ersten Berufsjahren. Dieser Wandel betrrifft alle Ebenen – auch Führungspositionen – und muss gemeinschaftlich gestaltet werden."

Hünfelds Bürgermeister Benjamin Tschesnok (CDU).
"Hünfeld ist eine Behördenstadt und das ist auch gut so"
Auch Bürgermeister Benjamin Tschesnok betonte in seinem Grußwort die Bedeutung Hünfelds als "Behördenstadt" und hob die wichtige Rolle des Amtsgerichts hervor, das als zentrales Mahngericht mit über 100 Mitarbeitenden ein wichtiger Teil der Justiz vor Ort sei. Er erinnerte daran, dass Richterinnen und Richter das Gesicht eines Gerichts prägen, und erzählte eine Anekdote aus seiner früheren Justizzeit: "Früher hieß es bei der Wella: Wer nach Hünfeld versetzt wird, weint zweimal - einmal beim Ankommen und einmal beim Weggehen, weil man die Stadt schließlich zu schätzen gelernt hat." Tschesnok dankte Dr. Jürgen Kitzinger für die gute Zusammenarbeit und wünschte ihm wie auch Nachfolger Dominik Dute viel Erfolg. Als symbolisches Geschenk überreichte er eine Flasche "Aha", das traditionelle Hünfelder Nationalgetränk seit 1834.
Auch die Personalratsvorsitzende Christiane Vukota ergriff das Wort. Sie betonte die zahlreichen Besonderheiten des Gerichts, wo alles "wie am Schnürrchen" liefe. "Hier herrschte schon stets eine gute und wertschätzende Kommunikation, auch zwischen allen Gremien." Sie bedankte sich bei Kitzinger und überreichte auch ein Präsent. Zu Dute sagte sie: "Er legt ebenfalls großen Wert auf regelmäßige Monatsgespräch und hat ein anpackendes Wesen, was die Probleme seiner Bediensteten betrifft."

Personalratsvorsitzende am Gericht, Christiane Vukota.

Geschäftsleiter Daniel Auth.
"Den Wechsel von Nord- nach Osthessen habe ich nie bereut"
In seiner Abschiedsrede blickte Kitzinger dankbar auf seine Zeit in Hünfeld zurück. Den Wechsel von Nord- nach Osthessen habe er nie bereut, vielmehr habe er hier viele berufliche und persönliche Erfahrungen gesammelt. Er erinnerte sich an vielfältige Aufgaben - vom Gartenbau am Haupthaus über die Betreuung der Ortsgerichte und Schiedsämter bis hin zur Bewältigung der Pandemie, die dank des großen Engagements der Mitarbeitenden gut gemeistert wurde. Kitzinger betonte, dass das Amtsgericht Hünfeld mit seinen besonderen Aufgaben in der hessischen Justiz oft zu wenig Beachtung finde, lobte aber die hohe Einsatzbereitschaft und Motivation seiner Belegschaft trotz regelmäßiger Personalwechsel. "Mein persönliches Highlight war die Jubiläumsfeier '50 Jahre Mahngericht' im Alten Lokschuppen. Hier konnten wir unsere Leistungsfähigkeit unter Beweis stellten und das bei Anwesenheit vom damaligen Hessischen Justizminister Roman Poseck (CDU)." Abschließend dankte Kitzinger für die schöne Zeit in Hünfeld und blickte dem Wechsel nach Kassel mit Wertschätzung zurück.

"Damals zur Kaiserzeit hieß es, dass es in Berlin eine Haushaltsblockade gab. Die ...
Amtswechselfeier nach neun Monaten im Dienst: "Erst die Arbeit, dann das Vergnügen"
Sein Nachfolger Dominik Dute nahm die verspätete Amtseinführung mit Humor und erklärte, er halte es wie seine Eltern: "Erst die Arbeit, dann das Vergnügen." Statt über die Zukunft zu spekulieren, zog er eine positive Bilanz seiner bisherigen neun Monate im Amt. Er lobte den ausgeprägten Teamgeist, die gegenseitige Unterstützung und die erfolgreiche Einführung der E-Akte, die dank der vorhandenen IT-Erfahrung reibungslos verlief. Dute hob die gute interne und behördenübergreifende Kommunikation hervor, sprach von einer angenehmen und konstruktiven Arbeitsatmosphäre und dankte allen für die herzliche Aufnahme und Unterstützung, die ihm den Einstieg erheblich erleichtert hätten.
Abschließend gab es ein paar Getränke und ein Buffet. Musikalisch wurde die Feier von Hans-Jürgen Steffenhagen (Pianist) untermalt. (ms) +++ 