
Rauch über Darmstadt: Große Rauchsäule nach Brand im GSI-Forschungszentrum sichtbar. - Fotos: 5VISION.NEWS
DARMSTADT
160 Kameraden im Dauereinsatz
Forschungszentrum brennt: "Schwarzer Tag für Wissenschaftsstandort Hessen"
05.02.26 - "Ein rabenschwarzer Tag für den Wissenschaftsstandort Hessen": So fasst Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD) den Großbrand auf dem Gelände des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung in Darmstadt-Wixhausen zusammen. Dichter Rauch schlägt seit Donnerstagmorgen aus einem Gebäude des Linearbeschleunigers UNILAC.
Der Alarm bei der Feuerwehr ging gegen 6:30 Uhr ein. Christian Wagner von der Feuerwehr Darmstadt sprach von einem ausgedehnten Brandereignis, bei dem "über 160 Feuerwehrkräfte im Einsatz" seien. "Es brennt immer noch", erklärte Gremmels am Donnerstagnachmittag im hessischen Landtag. Die Bevölkerung wurde vor Brandgasen gewarnt und aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten sowie Lüftungs- und Klimaanlagen abzuschalten. Bisher seien keine Gefahrstoffe nachgewiesen worden. Die Ermittlungen zur Brandursache laufen.

Einsatzkräfte im Großeinsatz: Über 160 Feuerwehrkräfte kämpfen gegen das Feuer ...
Das Herzstück der Forschung betroffen
Nach aktuellem Stand brach das Feuer in einer elektrischen Anlage in einem Industriegebäude des UNILAC aus, einem vorgeschalteten Bereich des neuen Teilchenbeschleunigers FAIR, der derzeit auf dem GSI-Gelände entsteht. "Es ist ein Herzstück der Anlage. Viele Experimente müssen nun verschoben werden", erklärte Gremmels. Auch ein geplanter Probelauf für die Inbetriebnahme von FAIR muss verschoben werden. Die neue FAIR-Anlage selbst ist von dem Brand nicht betroffen.

Timon Gremmels war vor Ort und informierte sich über Brandlage am GSI-Gelände. ...Archivfoto: O|N / Martin Engel

Herzstück der Forschung betroffen: Experimente am UNILAC müssen verschoben werden. ...

Im hessischen Landtag: Gremmels berichtet über Großeinsatz und Auswirkungen auf ...Foto: Hessischer Landtag / Hermann Heibel
Dank an Einsatzkräfte
Wissenschaftsminister Gremmels informierte sich gemeinsam mit Darmstadts Oberbürgermeister Hanno Benz vor Ort über die Lage. "Ich danke auch im Namen von Innenminister Roman Poseck den Einsatzkräften vor Ort, die mit ihrem hochprofessionellen und schnellen Handeln eine sehr gefährliche Situation unter Kontrolle gebracht haben. Die Meldekette hat hervorragend funktioniert", sagte Gremmels. Er betonte: "Es gibt zum Glück keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung, die in der Nähe lebt."
Tragweite für die Wissenschaft
Gremmels machte die Tragweite des Ereignisses deutlich: "Dennoch ist heute ein rabenschwarzer Tag für den Wissenschaftsstandort Hessen. Wir müssen nun abwarten, wie Expertinnen und Experten den Schaden und die Konsequenzen für den Forschungshorizont bewerten." Der Brand sei "schrecklich für viele Wissenschaftler", ergänzte er.
Weltweit bedeutendes Forschungszentrum
Gremmels betonte die Unterstützung des Landes: "Klar ist: Das Land steht an der Seite des GSI Helmholtzzentrums. Wir haben mit dieser Institution ein exzellentes Forschungsumfeld mit bedeutender Infrastruktur, das deutschland- und weltweit eine führende Rolle spielt - und wir setzen alles daran, dass das Milliardenprojekt FAIR weiter vorangeht."
Das GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung betreibt eine weltweit einzigartige Beschleunigeranlage für Ionen. Das Forschungsprogramm reicht vom sichtbaren Bereich der Materie über Atome und Atomkerne bis hin zu elementaren Bausteinen wie Quarks und Elektronen. Unter anderem gelang es hier, die sechs neuen Elemente 107 bis 112 zu entdecken. In der biophysikalischen Forschungsabteilung wurde zudem ein Verfahren zur Krebstherapie entwickelt.
Die im Bau befindliche FAIR-Anlage stellt die inhaltliche Weiterentwicklung der GSI dar. Geplant ist eine Ringbeschleunigeranlage mit umfangreichen Experimentiermöglichkeiten. FAIR soll Materie für sehr kurze Zeit in Zustände versetzen, wie sie zur Zeit der Entstehung des Universums herrschten. (Constantin von Butler) +++