12.02.26 - Seit dem 1. November steht Alexandra Ballweg an der Spitze der Gemeinde Poppenhausen (Kreis Fulda). 100 Tage später wirkt die parteilose Bürgermeisterin angekommen - aber keineswegs angekommen im Sinne von "ausruhen". Hinter ihr liegen intensive Wochen mit langen Abenden, vollen Terminkalendern und großen Projekten. Vor ihr liegt eine Gemeinde im Wandel. Zeit für eine erste Standortbestimmung zwischen Haushalt, Kinderbetreuung und Zukunftsplänen.
"Ich habe mich gut eingelebt", sagt Ballweg nach den ersten Monaten im Amt. "Ich fühle mich hier wohl. Ich gehe jeden Tag sehr gerne ins Rathaus." Man spürt ihr an, dass sie die Aufgabe mit Überzeugung übernommen hat. "Man merkt, dass man etwas bewirken kann", betont die 56-Jährige im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS.

Die 56-Jährige hat sich für die Zukunft klare Ziele gesetzt. Archivfoto: Arnulf Müller
Überrascht habe sie der Start nicht. "Ich habe mich vor dem Amtseintritt schon sehr intensiv mit dem Aufgabenbereich beschäftigt. Ich habe alles sehr genau beobachtet." Dennoch sei der Rollenwechsel spürbar gewesen. "Ich habe von so vielen Orten Glückwünsche bekommen - das flößt einem auch ein bisschen Respekt ein."
Gespräche, Projekte und ein großes Aufgabenpaket
Ein Schwerpunkt ihrer ersten Wochen: zuhören. "Ich habe mit fast allen Mitarbeitern persönlich gesprochen", berichtet Ballweg. "Ich habe unglaublich viel gelernt und die Menschen richtig kennengelernt. Aus den Gesprächen sei ein umfangreicher Arbeitsplan entstanden: "Ich habe jetzt ein Paket hier liegen von To-dos und Anregungen."

Ein entscheidender Begleiter: die Familie von Alexandra Ballweg. Archivfoto: O|N/Carina Jirsch

Alexandra Ballweg übernahm das Amt von Manfred Helfrich (CDU). Archivfotos: O|N / Martin Engel

Archivfotos: O|N / Carina Jirsch
Parallel dazu liefen bereits große Themen an. "Es ging sofort mit großen Projekten los: Haushalt, Neujahrsempfang, viele Jahreshauptversammlungen - und ich war neu: Das hat es doppelt schwer gemacht." Hinzu kam die politische Arbeit: "Die Gremienarbeit hat auch viel Zeit beansprucht. Am Anfang war fast jeden Abend eine Sitzung." Und mit Blick auf die anstehenden Kommunalwahlen ergänzt sie: "Das beansprucht ebenfalls unglaublich viel Zeit."
Inhaltlich sind die Schwerpunkte klar gesetzt. "Den Haushalt haben wir fertig", sagt sie. "Das Thema Wasser und Abwasser ist jetzt sehr entscheidend. Sowohl die Bestandsaufnahme als auch die Aufarbeitung." Ebenso drängend sei die Betreuungssituation. "Das ist ein allgegenwärtiges Thema."
Auch strukturelle Fragen stehen auf der Agenda: "Es gibt immer große Herausforderungen. Auch das Thema Digitalisierung ist sehr entscheidend. Die IT muss jetzt modernisiert werden."

Nach 24 Jahren im Amt verabschiedete sich der "Rhönkanzler" in den Ruhestand. ...Archivfotos: O|N / Martin Engel

Archivfotos: O|N / Maurice Schuhmacher

Archivfotos: O|N / Rene Kunze
Zwischen öffentlicher Erwartung und persönlicher Balance
Mit dem Amt wächst auch die öffentliche Aufmerksamkeit. "Es gibt sehr häufig Anfragen aus der Bevölkerung. Der direkte Draht zu den Bürgerinnen und Bürgern sei ihr wichtig - auch und gerade deshalb beanspruchen Alltagsgeschäfte deutlich mehr Zeit als vor ihrer neuen Rolle als Rathauschefin. "Fürs Einkaufen muss ich schon ordentlich Zeit einplanen", schmunzelt Ballweg.
Die Intensität der ersten Monate habe jedoch Spuren hinterlassen. "In den ersten 100 Tagen hatte ich wenig Ausgleich", sagt Ballweg offen. "Ich finde es super spannend, Neues zu lernen. Es ist so, dass ich nun aber Möglichkeiten finden muss, mich zu erholen."

Archivfotos: O|N / Martin Engel

Archivfotos: O|N / Maurice Schuhmacher
Der Blick geht dennoch nach vorn. Für das kommende Jahr hat sich Alexandra Ballweg klare Ziele gesetzt. Sie möchte einen konkreten und verbindlichen Entwicklungsplan für die Gemeinde erarbeiten, der als Leitlinie für die kommenden Jahre dient. Zudem soll die Verwaltung moderner aufgestellt werden: Mindestens die Zeiterfassung sowie ein neues Buchungssystem sollen digitalisiert und effizienter gestaltet werden. Auch im sozialen Bereich strebt sie tragfähige Lösungen an, um bestehende Herausforderungen strukturiert anzugehen. Ein weiterer zentraler Punkt ist die Wasserversorgung - hier wünscht sie sich einen transparenten und belastbaren Plan, der genau aufzeigt, wo und mit welchem Druck das Wasser im Gemeindegebiet fließt.
Nach 100 Tagen ist klar: Alexandra Ballweg ist im Amt - und Poppenhausen mitten in einem Prozess, der Struktur, Geduld und Tempo zugleich verlangt. (Constantin von Butler) +++