Investition in die Zukunft: Fortschritte im Wever‑Quartier. - Fotos: Kevin Hildebrandt

BAD HERSFELD Neues Stadtquartier wächst

Wever‑Areal: Rigolenbau macht große Fortschritte

19.06.26 - Im Februar diesen Jahres ging es endlich los: Die Firma Bickhardt Bau begann mit der Erschließung des ersten Bauabschnitts im neuen Wever-Quartier in Bad Hersfeld. Nun lud die Stadt dazu ein, die Fortschritte der Bauarbeiten zu begutachten. Und es hat sich viel getan!

Im ersten Schritt findet ein Vorausbau statt, der die Erschließung der Infrastruktur wie Abwasser, Wasser, Strom und Glasfaser beinhaltet. Im Zuge dessen zeigten die Firma Bickhardt Bau gemeinsam mit der agc-Gruppe, die für die Planung dieser Infrastruktur verantwortlich ist, den Fortschritt an der sogenannten Rigole, die direkt neben der Lullus-Sturmius-Kirche unweit des Hersfelder Schilde-Parks liegt.

Eine Rigole bietet Schutz vor Überschwemmungen und mehr

Doch was verbirgt sich eigentlich hinter einer "Rigole"? Der Begriff stammt aus dem Französischen, wo "rigole" Rinne bedeutet. Dabei handelt es sich um einen unterirdischen Pufferspeicher in Form eines Hohlkörpers, der zudem noch mit einem Vlies umhüllt ist. Dieser Hohlkörper nimmt dann das Wasser, welches beispielsweise bei starken Regenfällen in der Umgebung anfällt, auf und gibt dieses langsam wieder ab – im Falle der jetzt gebauten Rigole zurück in die Geis.

Ein weiterer Vorteil: Im unteren Drittel des Hohlkörpers wird das Wasser dauerhaft zurückgehalten und kann von der Stadt entnommen werden. Dieses soll dann für die Bewässerung der Grünflächen im Stadtgebiet eingesetzt werden.

Strenge Überprüfung über mehrere Monate

Joachim Oster, Bauingenieur der abc-Gruppe, erklärte, wofür die Rigole so wichtig ist: "Wir bauen hier nach dem Prinzip der Schwammstadt. Das heißt, dass wir das Wasser dort, wo es anfällt, sammeln, anstatt es ungenutzt in die Kanalisation zu leiten." Der weltweite Klimawandel mache dieses Vorgehen nötig. So gebe es immer stärkere Trockenphasen, in denen Städten das Wasser fehlt. Eine Rigole kann dieses aus früheren Regenphasen speichern – und schützt bei starken Unwettern zusätzlich vor Überschwemmung.

Die ausgehobene Gruppe für die Rigole in Bad Hersfeld ist rund 50 Meter lang, vier bis fünf Meter breit und fünf Meter tief. Laut Oster biete der bereits eingesetzte Hohlkörper zukünftig Platz für mehrere hunderttausend Liter Wasser – genauer gesagt 375.000. Und er fügte hinzu: "In den heutigen Zeiten werden die Wetter-Peaks immer extremer. Mit Hilfe einer Rigole können diese besser ausgeglichen werden."

Eine Investition in die Zukunft für Bad Hersfeld

Daher sagte auch Bad Hersfelds Bürgermeisterin Anke Hofmann über die Rigole: "Das hier ist eine Investition in die Zukunft. Wir erreichen mit der Rigole ein besseres Luftbild sowie eine grünere Stadt, da wir das angesammelte Wasser überall zur Bewässerung nutzen können." Außerdem sollen direkt über der Rigole Bäume gepflanzt werden, die von dem Wasservorkommen des Hohlkörpers zehren.

Die Kosten für den vollständigen Ausbau des Wever‑Areals – also nicht nur für die Rigole – liegen bei rund 12,3 Millionen Euro, der kommunale Eigenanteil beträgt etwa 3,8 Millionen Euro. Insgesamt belaufen sich die Kosten für das Abwasser auf rund 350.000 Euro, wovon die Stadt Bad Hersfeld ein Drittel der Kosten selbst trägt.

Wever-Areal wächst weiter

Der erste Bauabschnitt soll Ende 2026 abgeschlossen sein. Dazu soll noch in diesem Jahr ein erstes Hochbaugebiet beginnen, und zwar der Neubau des öffentlich nutzbaren Gemeindezentrums St. Lullus. Der Endausbau des Gebiets soll dann 2028 oder 2029 erfolgen und unter anderem bezahlbaren Wohnraum mit sich bringen. (Kevin Hildebrand)+++


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