20.06.26 - Mit einer Investition von 5,5 Millionen Euro hat das Klinikum Fulda im Rahmen des Hessentags drei hochmoderne Herzkatheterlabore offiziell eingeweiht. Auf rund 950 Quadratmetern entstand ein neuer Komplex, der dem Klinikum als Maximalversorger nach eigenen Angaben kardiologische Versorgung "auf durchaus universitärem Niveau" mitten in Osthessen ermöglicht.
Zur Eröffnung kamen unter anderem Hessens Gesundheitsministerin Diana Stolz, der Fuldaer Erste Kreisbeigeordnete Frederik Schmitt, Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld, Landtagsabgeordneter Thomas Hering sowie Klinikdirektor Prof. Dr. Volker Schächinger.

Prominenter Besuch zur Einweihung der Herzkatheterlabore.
Priv.-Doz. Dr. Thomas Menzel, Sprecher des Klinikumvorstands, brachte die Dringlichkeit kardiologischer Notfallversorgung in seiner Begrüßung auf den Punkt: "Time is muscle, sagen die Kardiologen, Zeit ist Herzmuskel." Beim akuten Herzinfarkt zähle jede Minute, da absterbendes Herzgewebe unwiederbringlich verloren gehe. Genau darauf sei der Neubau ausgerichtet worden: 3,5 Millionen Euro der Investitionssumme flossen in die bauliche Infrastruktur, darunter eine direkte Anbindung an Notaufnahme und Intensivstation - mit deutlich kürzeren Transportzeiten für das rund um die Uhr besetzte kardiologische Bereitschaftsteam.

Auf rund 950 Quadratmetern entstand ein neuer Komplex, der dem Klinikum als Maximalversorger ...

Gesundheitsministerin Diana Stolz würdigte das Projekt als gelebtes Beispiel der ...

Prof. Dr. Volker Schächinger.

Priv.-Doz. Dr. Thomas Menzel, Sprecher des Klinikumvorstands.
Die übrigen 2 Millionen Euro investierte das Klinikum in Spitzentechnik: Drei digitale Angiografie-Systeme ergänzen das bestehende TAVI-Labor, hinzu kommen intravaskulärer Ultraschall und optische Kohärenztomografie für die Bildgebung. Eine KI-gestützte Bildüberlagerung von Live- und Röntgenaufnahmen soll für mehr Präzision sorgen und gleichzeitig die Strahlenbelastung für Patientinnen, Patienten und Personal senken. Auch die neue elektrophysiologische Einheit profitiert: Ein digitales 3D-Navigationssystem ermöglicht eine genauere Lokalisierung von Rhythmusstörungen wie Vorhofflimmern.
Ministerin Stolz: "Im Notfall sind Sie mir nah"
Gesundheitsministerin Diana Stolz würdigte das Projekt als gelebtes Beispiel der hessischen Krankenhausreform. Ihr Credo: "Planbar zum Spezialisten. Im Notfall sind Sie mir nah." Eine Landesregierung könne eine solche Versorgungsstruktur "nie alleine" stemmen - dafür brauche es starke Maximalversorger vor Ort, die mit dem Land "an einem Strang ziehen". Stolz verwies zudem auf die hessische Praxis, Fördermittel pauschal an die Kliniken zu vergeben, statt von Wiesbaden aus jedes Detail vorzugeben: Allein in der laufenden Legislaturperiode seien so bereits rund eine Milliarde Euro an Investitionsmitteln in hessische Krankenhäuser geflossen.

Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld.

Erster Kreisbeigeordnete Frederik Schmitt.
Schmitt: Cicero und der Faktor Mensch
Für den Landkreis Fulda dankte der Erste Kreisbeigeordnete Frederik Schmitt mit einem Zitat von Cicero: "Die vornehmste Pflicht ist es, Danke zu sagen." Sein Dank galt ausdrücklich den Beschäftigten des Klinikums: "Investitionen sind gut, Geräte und Möglichkeiten sind gut - aber am Ende sind es Menschen, die dort andere Menschen behandeln, und nur durch sie und ihren Einsatz funktioniert das."
Drei Schwerpunkte, ein Anspruch: komplette kardiologische Versorgung
Klinikdirektor Prof. Dr. Volker Schächinger erläuterte das medizinische Konzept hinter dem Neubau: Behandelt werden künftig drei große Bereiche unter einem Dach - die koronare Herzkrankheit von der ambulanten Diagnostik bis zur Akutversorgung beim Herzinfarkt, die von Dr. Joachim Krug geleitete Rhythmologie (Elektrophysiologie) sowie Herzklappenerkrankungen mit TAVI- und Clip-Verfahren im integrierten Hybrid-Labor. "Das sind fantastische Möglichkeiten, die den Patienten letztlich zugutekommen - die hier, wohnortnah im Landkreis, auf höchstem Niveau versorgt werden können", so Schächinger.
Wingenfeld im Exklusiv-Gespräch: "Eine Errungenschaft"
Im Gespräch exklusiv mit OSTHESSEN|NEWS ordnete Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums Fulda, die Bedeutung des Projekts für die Stadt ein: Das Klinikum biete "spitzenmedizinische Versorgung auf universitärem Niveau" - "das ist keineswegs selbstverständlich, das ist eine Errungenschaft." Die erneute Millioneninvestition sei eine wichtige Botschaft an die Bevölkerung, gut versorgt zu sein, aber auch ein Hinweis darauf, dass Medizin auf diesem Niveau ihren Preis habe. Für die Stadt habe es hohe Priorität, "für ein Klinikum einzustehen, das für die Bürgerinnen und Bürger da ist."
Mit der Einweihung der drei Herzkatheterlabore schließt das Klinikum Fulda nach eigenen Angaben ein Großprojekt ab, das interventionelle Kardiologie, Elektrophysiologie und die Behandlung struktureller Herzerkrankungen erstmals lückenlos unter einem Dach vereint. (Moritz Bindewald) +++ 