Ein Leserhinweis zeichnet ein drastisches Bild von der Schlitzer Straße in Großenlüder (Kreis Fulda): drei Jahre ohne eine einzige Geschwindigkeitsmessung, dafür heulende Motoren und quietschende Reifen zu jeder Tages- und Nachtzeit. - Fotos: Maria Franco

GROßENLÜDER In der Schlitzer Straße

Raserei und Lärm belasten: Gemeinde plant verdeckte Tempokontrollen

12.08.26 - Ein Leserhinweis zeichnet ein drastisches Bild von der Schlitzer Straße in Großenlüder (Kreis Fulda): drei Jahre ohne eine einzige Geschwindigkeitsmessung, dafür heulende Motoren und quietschende Reifen zu jeder Tages- und Nachtzeit. Das Großenlüderer Rathaus hat darauf ausführlich reagiert - Bürgermeister Florian Fritzsch kündigt ein eigenes Verkehrszählgerät und eine rechtliche Prüfung möglicher Tempokontrollen an.

Nachdem OSTHESSEN|NEWS zuletzt mehrfach über die Raser- und Poserszene in Fulda berichtet hatte, wandte sich ein Leser aus Großenlüder an die Redaktion. Die Person schildert die Lage auch dort, vor allem entlang der Schlitzer Straße, als angespannt: Es komme regelmäßig zu erheblichen Geschwindigkeitsüberschreitungen, hochmotorisierte Fahrzeuge seien zu jeder Tages- und Nachtzeit mit deutlich überhöhtem Tempo unterwegs, dazu kämen starkes Beschleunigen und quietschende Reifen. Auch Gruppen junger Menschen auf offenbar frisierten Motorrädern und Mofas sorgten seiner Wahrnehmung nach für Lärm und zusätzliche Gefahr.

Oberhalb der Schlitzer Straße steht das Ortsschild. Hier gilt Tempo 50. ...

Das Rathaus in Großenlüder.

Richtung Ortskern.

Seit einigen Jahren wohnt die Person nach eigenen Angaben an der Schlitzer Straße und will in dieser Zeit keine einzige Geschwindigkeitsmessung und keine verstärkte Polizeipräsenz wahrgenommen haben. Zu einem schweren Personenschaden sei es bislang nicht gekommen, doch das erscheine ihr "nur eine Frage der Zeit". Einen Blechschaden habe es dagegen bereits gegeben: Ein Mercedes-Fahrer sei mit überhöhter Geschwindigkeit von der Fahrbahn abgekommen, über den Gehweg gefahren und gegen eine Mauer geprallt. Eine eigene Datengrundlage, die diese Angaben bestätigen oder widerlegen könnte, hat die Gemeinde nach eigenen Angaben bislang nicht - genau das soll sich mit der geplanten Verkehrszählung nun ändern.

Unfall bestätigt, Häufungsstelle sieht die Gemeinde nicht

Bürgermeister Florian Fritzsch reagierte mit einer ausführlichen schriftlichen Stellungnahme. Den geschilderten Unfall im Übergangsbereich von der Lauterbacher in die Schlitzer Straße bestätigt er: Ein Fahrzeug sei dort in der Kurve von der Fahrbahn abgekommen, über den Gehweg gefahren und gegen die Einfriedung eines Wohnhauses geprallt. Verletzt wurde niemand, es blieb bei Sachschäden. Ursache sei "nicht angepasste Geschwindigkeit in der dortigen Linkskurve" gewesen - mit den in der Zuschrift beschriebenen durchgängigen Geschwindigkeitsüberschreitungen auf der gesamten Schlitzer Straße habe dieser konkrete Fall aber nichts zu tun, so Fritzsch. Weitere Unfälle in der Straße seien der Verwaltung nicht bekannt, eine Unfallhäufungsstelle liege nach Rücksprache mit der Polizei nicht vor.

Bürgermeister Florian Fritzsch Archivbild: O|N / Erich Gutberlet

"Mir als Bürgermeister und der gesamten Gemeindeverwaltung ist die Verkehrssicherheit ein hohes Gut", betont Fritzsch. Ziel sei es, sowohl die objektive Sicherheitslage als auch das subjektive Sicherheitsgefühl und die Wohnqualität entlang der betroffenen Straßen zu verbessern.

Eigenes Messgerät soll belastbare Zahlen liefern

Ein aktuelles Geschwindigkeitsprofil für die Schlitzer Straße gibt es bislang nicht. Das soll sich ändern: Die Gemeinde will zeitnah ein eigenes Verkehrszählgerät anschaffen, das im Rahmen verdeckter Messungen Geschwindigkeiten, Verkehrsmengen, Fahrzeugarten und Abstände zwischen den Fahrzeugen erfasst. Bis das Gerät angeschafft ist, hat die Verwaltung bereits bei der Polizei und beim Ordnungsbehördenbezirk Fulda angefragt, ob kurzfristig ein Leihgerät zur Verfügung steht.

Weitreichende Entscheidungen will die Gemeinde erst auf Grundlage dieser Daten treffen - auch weil die Schlitzer Straße als Landesstraße in der Baulast von Hessen Mobil liegt und damit nicht allein in der Zuständigkeit der Gemeinde. Größere infrastrukturelle oder verkehrsrechtliche Maßnahmen setzen deshalb in jedem Fall eine Abstimmung mit dem zuständigen Straßenbaulastträger voraus.

Tempokontrollen nur unter engen Voraussetzungen möglich

Bei der ebenfalls geforderten Geschwindigkeitskontrolle durch Radarmessungen ist die Gemeinde an rechtliche Vorgaben gebunden. Zum 2. September 2025 ist in Hessen ein novellierter Erlass zur Verkehrsüberwachung in Kraft getreten, der die zulässigen Messörtlichkeiten neu und deutlich enger regelt. Erlaubt sind Kontrollen seither vor allem an anerkannten Unfallhäufungsstellen, an besonders schutzwürdigen Orten wie Fußgängerüberwegen oder unübersichtlichen Kreuzungen, in der Nähe von Schulen, Kindergärten und Pflegeeinrichtungen - sowie dort, wo eine "nicht unwesentliche Beschwerdelage hinsichtlich Verkehrslärms" besteht oder der Polizei Erkenntnisse über vorsätzliche Verkehrsstraftaten vorliegen.

Richtung Ortsausgang. Danach geht es auf der Landstraße nach Eichenau. ...

Ob die Schlitzer Straße eine dieser Voraussetzungen erfüllt, will die Gemeinde nun gemeinsam mit dem Ordnungsbehördenbezirk Fulda prüfen lassen. Der Leserhinweis liefere dafür zwar bereits einen ersten Anhaltspunkt, für eine rechtssichere Einordnung brauche es aber eine fundiertere Datenbasis - eben jene, die durch die geplante Verkehrszählung entstehen soll.

Frisierte Fahrzeuge: Gemeinde verweist an die Polizei

Auch zu den lauten Mofas und Motorrädern nimmt Fritzsch Stellung. Solange die Fahrzeuge zugelassen und technisch einwandfrei seien, gebe es keine rechtliche Handhabe, sie aus dem Verkehr zu ziehen - gerade für junge Menschen seien sie häufig die erste Möglichkeit, sich selbstständig fortzubewegen. Bestehe jedoch ein konkreter Verdacht auf technische Manipulationen, sollten Anwohnerinnen und Anwohner das direkt bei der Polizei melden: "Nur die Polizei ist befugt, Fahrzeuge einer technischen Überprüfung zu unterziehen und bei begründetem Verdacht einzuschreiten."

Der Bürgermeister räumt zugleich offen ein, dass die Straßenverkehrsbehörde trotz aller Bemühungen nicht jedes individuelle Fehlverhalten verhindern könne. Verkehrssicherheit liege am Ende auch in der Verantwortung jedes einzelnen Verkehrsteilnehmers.

Drei Schritte für die kommenden Monate

Kurzfristig will die Gemeinde bei Polizei und Ordnungsbehördenbezirk Fulda anfragen, ob sich ein Verkehrszählgerät ausleihen lässt, und parallel dazu rechtlich prüfen lassen, ob und wo in der Schlitzer Straße Geschwindigkeitsmessungen zulässig wären. Mittelfristig soll ein eigenes Gerät angeschafft werden, mit dem verdeckte Messungen nicht nur in der Schlitzer Straße, sondern auch in weiteren Straßen der Ortsteile durchgeführt werden, für die es ähnliche Hinweise gibt. Auf Grundlage der so gewonnenen Daten will die Gemeinde schließlich mit Polizei und Ordnungsbehördenbezirk sowie, da es sich um eine Landesstraße handelt, mit Hessen Mobil über weitergehende Maßnahmen sprechen.

Zum Abschluss seiner Stellungnahme wird Fritzsch persönlich: "Ich nutze innerorts selbst mit großer Überzeugung das Fahrrad - das trägt nicht nur zur Sicherheit im Straßenraum bei, sondern auch zur Gesundheit und zum Wohlbefinden." Eine stärkere Verlagerung hin zu dieser Fortbewegungsart würde aus seiner Sicht gerade die geschilderten Probleme mit zu schnellen Fahrzeugen spürbar verringern. (mmb) +++


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