30.08.26 - Es war laut, es war bunt und es war eindeutig. Beim fünften Christopher Street Day in Fulda sind am Samstag zahlreiche Menschen durch die Innenstadt gezogen. Unter dem Motto "Queer? Foll dafür!" verbindet der CSD auch in diesem Jahr das gemeinsame Feiern mit einem politischen Auftrag: mehr Sichtbarkeit und Akzeptanz.
Bereits am Vormittag versammelten sich Hunderte Menschen am Bahnhofsvorplatz. Dort gab es mehrere Ansprachen, auch Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) richtete einige Worte an die Versammelten. Gegen 12 Uhr setzte sich der Demonstrationszug in Bewegung. Die rund fünf Kilometer lange Route führt durch die Fuldaer Innenstadt und endete gegen 15 Uhr am Universitätsplatz. Die Beteiligung wurde während der laufenden Veranstaltung bereits als vierstellig eingeschätzt. Im Vorfeld hatten die Organisatoren mit rund 2.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gerechnet. OSTHESSEN|NEWS war mittendrin.
Mehr als 20 Initiativen und Vereine dabei
Am Universitätsplatz erwartete die Besucherinnen und Besucher ein umfangreiches Programm. Mehr als 20 Initiativen und Vereine präsentierten sich mit Infoständen, Dialogangeboten und Mitmachaktionen. Dazu kamen Redebeiträge, Musik, Kultur und kulinarische Angebote. Bis in den Abend hinein soll dort Raum für Begegnungen und Austausch sein. Ab 23 Uhr bildet die offizielle Aftershowparty im Kulturzentrum Kreuz den Abschluss des Tages.
Hinter der ausgelassenen und bunten Atmosphäre steht jedoch eine ernste politische Botschaft. Für das Organisationsteam von foll bunt ist der CSD ausdrücklich mehr als eine Feier der queeren Community. Initiatorin Emily Charlotte Rödel machte daher deutlich: "Der CSD ist kein x-beliebiges Straßenfest. Es ist wichtiger denn je Ihn als Demonstration mit Forderungen zu verstehen und ernstzunehmen." Der politische Charakter sei ein wesentlicher Bestandteil des Christopher Street Days: "Er ist politisch, war politisch und wird es auch immer bleiben, solange queere Menschen weiterhin unterdrückt und diskriminiert werden", erklärte Rödel. Nach fünf Jahren CSD in Fulda sehen die Organisatoren nun insbesondere die Stadt in der Verantwortung. "Es ist an der Zeit, dass die Stadt zuhört und endlich auch für queere Menschen gestaltet", so Rödel.
Worte von Pfarrer Abel sind "ekelhaft"
Gegenüber OSTHESSEN|NEWS kritisierte sie außerdem noch den zuletzt in der Öffentlichkeit stehenden Pfarrer im Ruhestand, Winfried Abel. Dieser hatte vor einigen Wochen in einem offenen Leserbrief für Aufsehen gesorgt. Darin bezeichnete der Theologe aus Hünfeld-Großenbach den Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin vor einigen Wochen als "Signal des Himmels". "Für mich ist das einfach menschenverachtend. Gutzuheißen, dass Menschen das Neben genommen oder, dass sie verletzt wurden, ist einfach ekelhaft. Insbesondere als ein Pfarrer, der sich christliche Werte auf die Fahne schreibt."
Sicherheit queerer Menschen im Fokus
Neben politischen Strukturen spielt daher auch die Sicherheit queerer Menschen eine wichtige Rolle. Nach der schweren Tat in Berlin sieht das Organisationsteam die Notwendigkeit, Sicherheitskonzepte auch in Fulda weiter zu verschärfen. Rödel verbindet dies mit einem grundsätzlichen gesellschaftlichen Appell. Es sei "wichtiger denn je, queere Lebensweisen als selbstverständlichen Bestandteil der Gesellschaft zu begreifen". Ihr Ziel formulierte sie klar: "Unser Ziel ist eine lebenswerte Stadt für alle, die Vielfalt sichtbar lebt."
"Wenn das so wäre, hätten junge Menschen keine Angst, sich zu outen"
Dass der CSD trotz gesellschaftlicher Fortschritte weiterhin notwendig sei, thematisierte auch Kimi Schwedler. Besonders die Situation junger queerer Menschen stehe dabei im Mittelpunkt. "Viele sagen: Ihr habt doch schon genug Rechte. Wenn das so wäre, hätten junge Menschen keine Angst, sich zu outen", sagte Schwedler. Unterstützung gibt es dabei nicht nur aus der Community. Ein älterer Passant am Demonstrationszug bringt seine Haltung mit wenigen Worten auf den Punkt: "Ich finde, es soll jeder lieben, wen er will." Andere sagen: "Vielleicht verstehen die endlich mal, dass wir niemandem schaden. Wir wollen doch nur so sein, wie wir sind." So verbindet der fünfte CSD in Fulda ein buntes Kultur- und Begegnungsprogramm mit einer klaren politischen Botschaft. Die Organisatoren wollen nicht nur für einen Tag Sichtbarkeit schaffen, sondern dauerhafte Veränderungen erreichen.
Queeres Zentrum und Beauftragten für Fulda gefordert
Der Verein verbindet den diesjährigen CSD deshalb mit konkreten Forderungen an die Kommunalpolitik. "Die Forderungen der letzten Jahre dürfen nicht weiter ignoriert werden", betonte Vorstand Niklas Schmitt. Auf der Wunschliste steht unter anderem ein queeres Zentrum in Fulda, das neben Beratung auch Sport- und Freizeitangebote ermöglichen soll. Außerdem fordert der Verein eine Queerbeauftragte beziehungsweise einen Queerbeauftragten für die Stadt. Weitere Forderungen betreffen eine bessere Gesundheitsversorgung für queere Belange, eine spezielle Anlaufstelle für queere Geflüchtete und die finanzielle Unterstützung queerer Projekte. Auch Informationen über entsprechende Angebote sollen zentral auf der Internetseite der Stadt auffindbar sein. Langfristig soll zudem ein "Aktionsplan Queer Leben Fulda" mit konkreten und verbindlichen Zielen entstehen. Der foll bunt versteht sich dabei als Ansprechpartner und Schnittstelle zwischen der queeren Community und der Kommunalpolitik.
Letztendlich beteiligten sich etwa 1.100 CSD-Anhänger an der Demo durch Fulda. Wie Pressesprecher Marc Leipold auf O|N-Anfrage erklärt, verlief die Parade friedlich. "Die Polizei zieht im Großen und Ganzen ein positives Fazit. Es kam zu keinerlei größeren polizeilichen Vorkommnissen", so der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Osthessen.
Der CSD hat auch in diesem Jahr eindrucksvoll gezeigt, was einen Großteil unserer Gesellschaft tagtäglich beschäftigt. Hunderte kamen daher auf die Straße, um gemeinsam ein Zeichen zu setzen. Sie waren laut, sie waren bunt und sie waren vereint. Ein Zeichen für Fulda, aber auch darüber hinaus. Denn eins ist in der heutigen Zeit wichtiger denn je: Liebe wird immer stärker sein als Hass.
(Mathias Schmidt) +++ 
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