06.09.26 - Mit dem nagelneuen Polizeistandort in Alsfeld soll der Vogelsbergkreis noch sicherer werden. Schon heute zählt der Landkreis zu den sichersten Regionen landesweit. Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) und der osthessische Polizeipräsident Michael Tegethoff haben den Neubau am Samstagvormittag offiziell an die Beamten übergeben. Mit dabei: Ehrengäste aus Politik, Kirche, von Behörden und Gesellschaft. Die Einweihung fand auf den Tag genau zwei Jahre nach der offiziellen Grundsteinlegung statt (OSTHESSEN|NEWS berichtete ausführlich).

Die neue Polizeiliegenschaft in der Liederbacher Straße in Alsfeld (Vogelsbergkreis) ...Fotos:Mathias Schmidt

Osthessens Polizeipräsident Michael Tegethoff.

Holger Braun, Leiter der Polizeistation Alsfeld.
Musikalisch begleitet wurde die Feierstunde von einer Formation des Hessischen Landespolizeiorchesters, die mit bekannten Stücken für den passenden Rahmen sorgte. Die Polizeistation Alsfeld und die Regionale Kriminalinspektion (RKI) Vogelsberg sind bereits seit April 2026 in den neuen Räumlichkeiten untergebracht. Am Samstag wurde der Neubau nun auch offiziell seiner Bestimmung übergeben.
"Meilenstein für die osthessische Polizei"

Hessens Innenminister Roman Poseck.
Polizeipräsident Michael Tegethoff freute sich über die große Zahl an Gästen. Das sei "auch ein Ausdruck dafür, wie sehr die Polizei hier im Vogelsbergkreis in der Gesellschaft verankert ist". Ganz sei sei das Gebäude für die Beamten schließlich nicht mehr: Seit April arbeiten dort die Beschäftigten der Polizeistation, der Kriminalpolizei und weiterer Einheiten des Polizeipräsidiums. "Heute holen wir deshalb gewissermaßen den offiziellen Teil nach und nehmen uns bewusst die Zeit, diesen besonderen Moment gemeinsam zu würdigen und mit Ihnen zu feiern", sagte Tegethoff.

Der neue Schlüssel zur Liegenschaft.
Der Polizeipräsident bezeichnete den Neubau als "Meilenstein für die osthessische Polizei" und als "Bekenntnis des Landes Hessen zu einer starken und bürgernahen Polizei im ländlichen Raum". Polizeistation und Kriminalpolizei arbeiten nun unter einem Dach zusammen - aus Sicht Tegethoffs beste Voraussetzungen für die tägliche Arbeit. Die Idee für einen Neubau entstand bereits 2018. Dass dieser nun Realität geworden ist, sei das Ergebnis einer gemeinsamen Anstrengung vieler Beteiligter. Nach Abschluss der Planungen sei das Gebäude innerhalb von zwei Jahren planmäßig errichtet worden. "Wenn man die größeren Bauprojekte landauf, landab begleitet, ist das schon eine besondere Leistung", sagte Tegethoff.
Bei aller modernen Ausstattung komme es letztlich aber auf die Menschen an. "Ein modernes Gebäude ist wichtig, entscheidend sind aber die Menschen, die darin arbeiten." Sie würden das Haus mit Leben füllen, ermitteln, Bürger beraten, helfen und für die Sicherheit der Menschen im Vogelsberg sorgen.

Jens Mischak, Vogelsberger Landrat.
Poseck: "Ein wunderbarer Tag für die Polizei"
Auch Innenminister Roman Poseck sprach von einem besonderen Moment: "Es ist ein wunderbarer Tag für die Polizei in Alsfeld, denn ein neues Gebäude ist ein Meilenstein." Gleichzeitig sei es ein guter Tag für die gesamte hessische Polizei. Mit einem Augenzwinkern verwies der Minister auf die zentrale Lage Alsfelds. Es gebe wohl kaum eine Polizeistation, die zentraler in Hessen liege: "Der Vogelsberg ist nun mal der Mittelpunkt des Landes Hessen." Sicherheit sei ein Grundbedürfnis der Menschen - und der Vogelsberg bereits heute eine ausgesprochen sichere Region. Trotzdem dürfe man sich darauf nicht ausruhen. "Sicherheit ist auch eine Daueraufgabe, bei der man sich nie zurücklehnen kann, bei der man nie am Ziel ist", betonte Poseck.

Kripo-Chef im Vogelsbergkreis: Dominik Möller

Petra Zellner.
Hessen gehöre weiterhin zu den sichersten Bundesländern. Gemessen an den Straftaten pro 100.000 Einwohner liege das Land bundesweit auf dem vierten Platz. Einen großen Anteil daran habe die Arbeit der Polizei. Besonders hob Poseck die Zahlen aus Osthessen hervor. Das Polizeipräsidium Osthessen erreiche mit knapp 70 Prozent die höchste Aufklärungsquote aller hessischen Polizeipräsidien. Auch die Polizei im Vogelsberg liege deutlich über dem Durchschnitt. "Man kann also das klare Signal senden: Straftaten im Vogelsberg lohnen nicht, denn das Entdeckungsrisiko ist viel zu groß." Beim Wohnungseinbruchdiebstahl liege die Aufklärungsquote im Vogelsberg sogar bei mehr als 30 Prozent - der hessische Durchschnitt liege bei rund 15 Prozent.

In der neuen Zentrale gibt es beispielsweise auch einen Blutentnahmeraum. ...
Land will weiter in Polizei investieren
Neben engagierten und gut ausgebildeten Beamten brauche es laut Poseck auch die entsprechenden Rahmenbedingungen. Dazu gehörten moderne Technik und zeitgemäße Gebäude. Trotz angespannter Haushaltslage wolle Hessen weiter in seine Polizei investieren. "Innere Sicherheit hat für uns eine besondere Priorität. Wir dürfen gerade jetzt nicht nachlassen in der Ausstattung unserer Polizei", sagte der Innenminister. Weitere Polizeigebäude seien unter anderem in Darmstadt und Wiesbaden geplant. Auch auf neue sicherheitspolitische Herausforderungen müsse reagiert werden. So investiere Hessen derzeit zehn Millionen Euro in die Detektion und Abwehr von Drohnen. Zudem würden vier neue Polizeihubschrauber beschafft.
"Wir müssen die schützen, die uns schützen"
Passend zur Einweihung fand rund um die neue Polizeiliegenschaft auch der "Tag des Respekts" statt. Polizei und zahlreiche weitere Blaulichtorganisationen präsentierten sich der Öffentlichkeit. Von 11 bis 17 Uhr konnten die Besucher den Neubau erkunden, einen Blick hinter die Kulissen werfen und mit den Einsatzkräften ins Gespräch kommen. Der Innenminister nutzte seine Rede deshalb auch für deutliche Worte zu Angriffen auf Einsatzkräfte. Im vergangenen Jahr habe Hessen erneut einen Höchststand mit mehr als 5.000 Übergriffen auf Polizisten verzeichnet. Hinzu kämen Angriffe auf Feuerwehrleute und Mitarbeiter der Rettungsdienste.

Die beiden Polizeihauptkommissare Thomas Lachmann und Ralph Linker.
"So kann es jedenfalls nicht weitergehen. Wir müssen die schützen, die uns schützen", betonte Poseck. Neben konsequenter Strafverfolgung brauche es vor allem ein gesellschaftliches Klima von Friedlichkeit und Respekt. "Wer Einsatzkräfte angreift, gehört aus meiner Sicht grundsätzlich ins Gefängnis", machte Poseck seine Haltung deutlich. Ein "Tag des Respekts" könne gleichzeitig dazu beitragen, die Arbeit der Einsatzkräfte sichtbar zu machen und die persönliche Begegnung zu fördern.
Paule lobt Zusammenarbeit der Blaulichtfamilie
Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule bezeichnete den Neubau als "architektonisches, aber insbesondere auch politisches Statement für die Sicherheitsarchitektur im ländlichen Raum". Er habe die Entwicklung von den ersten Überlegungen an begleitet. Besonders hob Paule die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten und weiteren Organisationen im Vogelsberg hervor. Die kurzen Wege und der persönliche Kontakt seien eine große Stärke der Region. "Eine bessere Zusammenarbeit könnte man sich nicht wünschen", sagte der Bürgermeister. Der alte Werbespruch "Die Polizei, dein Freund und Helfer" gelte in Alsfeld "nach wie vor und besonders stark". Als Geschenk der Stadt überreichte Paule den Verantwortlichen ein Bild der neuen Polizeiliegenschaft, das zugleich deren Entstehungsgeschichte aufgreift.

Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule.
Nachhaltigkeit und moderne Arbeitsplätze
Petra Zellner, die den Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen vertrat, blickte auf die Entstehung des Neubaus zurück. Die bisherigen Räumlichkeiten von Polizeistation und Kriminalinspektion hätten den Anforderungen einer modernen Polizeiarbeit nicht mehr entsprochen. Eine Sanierung der alten Standorte sei geprüft, letztlich aber verworfen worden. Der Bauantrag für die neue Liegenschaft folgte im Dezember 2023, im September 2024 wurde der Grundstein gelegt. Die eigentliche Realisierungsphase dauerte von Oktober 2024 bis März 2026. Auch Nachhaltigkeit spielte bei der Planung eine Rolle. Laut Zellner erfüllt der Neubau die Voraussetzungen für den Goldstandard der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen. Eine Photovoltaikanlage gehört ebenso zum Konzept wie barrierefrei zugängliche Bereiche.
Eine Besonderheit ist zudem das Beleuchtungskonzept im rund um die Uhr genutzten Bereich. Das sogenannte "Human Centric Lighting" orientiert sich am natürlichen Tageslicht: Beleuchtungsstärke und Farbtemperatur verändern sich im Laufe des Tages. Für den Landesbetrieb ist die Alsfelder Polizeiliegenschaft das erste Projekt, bei dem diese Technik zum Einsatz kommt.
"Investition in die Sicherheit der Menschen"
Was der Neubau für die tägliche Polizeiarbeit bedeutet, machte Dominik Möller, stellvertretend für den Leiter der Polizeidirektion Vogelsberg, deutlich. Die neue Liegenschaft sei für ihn ein "Zeichen der Wertschätzung" gegenüber den Beschäftigten und zugleich ein klares Bekenntnis zu einer modernen und leistungsfähigen Polizei im Vogelsbergkreis. Seit April profitieren die Beamten unter anderem von einem modernen Wach- und Gewahrsamsbereich, einer Sicherheitsschleuse, großzügigen Asservatenräumen sowie technisch hochwertig ausgestatteten Besprechungsräumen. "Ich sehe diese neue Liegenschaft auch als eine Investition in die Menschen, die hier arbeiten, und damit als eine Investition in die Sicherheit der Menschen hier im Vogelsbergkreis", betonte Möller. Dabei sei Sicherheit jedoch keine Aufgabe, die die Polizei allein bewältigen könne. Es brauche die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung, den Kommunen, dem Landkreis und der gesamten Blaulichtfamilie. "Sicherheit ist deshalb nicht nur eine Aufgabe der Polizei, sondern Sicherheit ist eine gemeinsame Leistung."
Schlüssel nach 19 Monaten übergeben
Der Höhepunkt der Feierstunde folgte mit der symbolischen Schlüsselübergabe. Ralf van Döllen - der Geschäftsführer der HBG Bauträger GmbH aus Oldenburg, die als Bauherr den Neubau der Polizeistation in Alsfeld realisiert - erinnerte dabei an die Grundsteinlegung vor genau zwei Jahren. Damals sei angekündigt worden, den Bau voraussichtlich innerhalb von 20 Monaten fertigzustellen. "Das war nicht so ganz richtig. Es waren nur 19 Monate", sagte er mit einem Augenzwinkern. Dass man sogar einen Monat schneller gewesen sei, sei der Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten zu verdanken. Gemeinsam mit Innenminister Poseck, Polizeipräsident Tegethoff, Dominik Möller, Alsfelds Polizeichef Holger Braun und Petra Zellner wurde anschließend der symbolische Schlüssel übergeben.
Es folgte die ökumenische Segnung der neuen Polizeiliegenschaft. Anschließend kamen die Gäste bei einem Imbiss miteinander ins Gespräch, ehe das Gebäude seine Türen für die Bevölkerung öffnete. Von 11 bis 17 Uhr hatten die Besucher die Möglichkeit, den modernen Neubau zu besichtigen, einen Blick hinter die Kulissen der Polizeiarbeit zu werfen und mit den Einsatzkräften ins Gespräch zu kommen. Auch zahlreiche weitere Blaulichtorganisationen waren vor Ort und boten ein abwechslungsreiches Programm.
OSTHESSEN|NEWS war mit einem Team in Alsfeld vor Ort und berichtet später ausführlich mit weiteren Bilderserien und einem Video. (ms) +++ 
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