Die AfD feiert eine ausgelassene Wahlparty – die Stimmung beim Wahlsieger ist gut - Foto: picture alliance/dpa/Revierfoto | Revierfoto / Xrx

MAGDEBURG "Denkzettel für Merz"

Eine Analyse: Wie die AfD die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gewann

06.09.26 - Dieser Tag geht in die Geschichte der deutschen Politik ein: Die in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextrem eingestufte AfD mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund gewinnt die Landtagswahl deutlich. Am Sonntagabend (Stand 20 Uhr) kommt die AfD auf 44,4 Prozent. Die CDU ist hingegen der große Wahlverlierer - die Christdemokraten halbierten ihr Ergebnis und kommen auf 18,2 Prozent. Aber was heißt das jetzt?

Das Ergebnis von 44,4 Prozent ist das beste Ergebnis, das eine Partei in den letzten Jahren überhaupt bei einer Landtagswahl erreichte. Woran das liegt, wird an der Wählerwanderung deutlich. Die meisten AfD-Wähler waren zuvor Nicht-Wähler. Heißt: Das für die AfD überragende Ergebnis lag nicht am überzeugenden Wahlprogramm und auch nicht am Spitzenkandidaten, den der Spiegel als den "gefährlichsten Mann Deutschlands" bezeichnete. Sondern: CDU-Kanzler Friedrich Merz spielt eine entscheidende Rolle.

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund kommt mit seiner Partei auf ein historisches ...Foto: Roy Zuo(2026) AfD Ulrich Siegmund 160704907CC BY-SA 4.0

Die Wähler wollten mit ihrem Kreuz bei der AfD der Bundesregierung einen "Denkzettel" verpassen. Also: überbordender Protest statt überzeugendes Wahlprogramm. Das wird auch bei den Beliebtheitswerten der Deutschen mit Kanzler Merz und der Bundesregierung deutlich. Die letzten Umfragen zeigten, dass 87 Prozent der Deutschen unzufrieden mit der Bundesregierung sind. Besonders im Osten des Landes überträgt sich diese Unzufriedenheit nun in die Wahlurne. Auch das miserable CDU-Ergebnis von 18,2 Prozent bestätigt das.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) trägt entscheidend zum Wahlergebnis bei ...Archivfoto: Carina Jirsch

Und wie geht es jetzt weiter in Sachsen-Anhalt?

Für die Konstellation im Landtag wird es die nächsten Tage nun so spannend, wie bei bisher kaum einer Landtagswahl. Für eine absolute Mehrheit bräuchte es 42 Sitze. Mit 44,4 Prozent verpasst die AfD diese aber knapp. Sie kommt sie nach aktuellem Stand auf 39 Sitze. Ein möglicher Koalitionspartner wäre das BSW. Ob sie es in den Landtag schaffen, ist noch unklar. Aktuell liegt das BSW bei genau fünf Prozent. Falls sie es aber schaffen, kämen sie auf vier Sitze und hätten in einer Koalition mit der AfD die absolute Mehrheit. Eine andere Option für die AfD gibt es derzeit nicht.

Was aber jetzt schon klar ist: Die aktuelle Regierungskoalition aus CDU, SPD und FDP wird nicht mehr möglich sein. Eine Option ohne die AfD wäre eine CDU-geführte Minderheitsregierung - hier wäre die CDU aber auf die Linke angewiesen. Aktuell gibt es diese Konstellation schon in Thüringen und Sachsen.

Am Ende zeigte sich die Unzufriedenheit auch an der Wahlurne Archivfoto: ON

Nun geht der Blick auf die Nacht und besonders die nächsten Tage. Denn trotz enttäuschendem Ergebnis für die Volksparteien, gibt es immerhin eine gute Nachricht des Abends. Die Wahlbeteiligung liegt bei einem Rekordwert von 78 Prozent. Bei der letzten Landtagswahl 2021 waren es noch knapp 60 Prozent. Dadurch wird die Auszählung deutlich länger dauern - und die Spannung auf das amtliche Endergebnis steigt. (Moritz Pappert) +++


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